Bestimmen Gene, wie stark Ihr Lebensstil das Altern beeinflusst?

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Von: Constanze Julita

Eine Frau sitzt glücklich zu Hause auf dem Sofa.
Altern hängt von einem komplexen Zusammenspiel aus Genen, Ernährung, Schlaf und Bewegung ab. © Panthermedia/IMAGO

Ernährung, Schlaf, Bewegung – all das beeinflusst, wie wir altern. Nun hat eine Studie herausgefunden, dass Ihre Gene mitentscheiden, wie stark diese Faktoren wirken.

Stellen Sie sich zwei Menschen im gleichen Alter vor, die den gleichen Sport treiben, gleich viel schlafen, gleich gesund essen – und trotzdem unterschiedlich altern. Was erklärt diesen Unterschied? Lange galt die Antwort als simpel: Lebensstil. Doch eine internationale Studie, die im Februar 2026 im Journal of Gerontology: Series A erschien, deutet auf eine komplexere Wahrheit hin.

Was „gesund altern“ eigentlich bedeutet

Ob und wie stark gesunde Gewohnheiten das Altern beeinflussen, hängt offenbar auch davon ab, was in Ihrer DNA steht. Die Forschungsgruppe um Melkamu Bedimo Beyene und Azmeraw Amare von der Adelaide University in Australien untersuchte ein Konzept, das die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Zentrum ihrer Altersstrategie gestellt hat: die sogenannte Intrinsic Capacity – auf Deutsch etwa „innere Leistungsreserve“. Gemeint ist die Gesamtheit aller körperlichen und geistigen Fähigkeiten, die ein Mensch im Laufe seines Lebens mobilisieren kann: Beweglichkeit, Vitalität, kognitive Leistung, psychisches Wohlbefinden und Sinnesfunktionen.

Für ihre Querschnittsstudie, also eine Momentaufnahme ohne Langzeitverlauf, analysierten die Forschenden Basisdaten von mehr als 13.000 Teilnehmenden im Alter zwischen 45 und 85 Jahren, rund die Hälfte weiblich. Neben Lebensstil- und sozioökonomischen Daten flossen auch genetische Informationen ein: ein sogenannter polygener Score für innere Leistungsreserve (PGS-IC). Dieser bildet die kombinierte Wirkung Tausender genetischer Varianten auf die Altersfähigkeit ab.

Das Ergebnis: Höhere Bildung, ein höheres Einkommen, regelmäßige Bewegung, eine gesündere Ernährung und soziales Engagement standen in deutlichem Zusammenhang mit einer höheren inneren Leistungsreserve. Rauchen sowie Schlaf außerhalb des empfohlenen Fensters von sieben bis neun Stunden waren mit niedrigeren Werten assoziiert.

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Wann Gene beim Alterungsprozess den Unterschied machen – und wann nicht

Der eigentlich neue Befund der Studie liegt tiefer: Die Forschenden fanden Hinweise darauf, dass die genetische Veranlagung beeinflusst, wie stark bestimmte Lebensstilfaktoren wirken. Zudem ist dieser Effekt vom Alter abhängig.

So zeigte sich, dass der polygene Score für innere Leistungsreserve bei Personen zwischen 45 und 64 Jahren deutlich mit deren tatsächlicher Leistungsreserve zusammenhing. Bei Menschen ab 65 Jahren war dieser Zusammenhang statistisch nicht mehr nachweisbar. Die Forschenden interpretieren dies als möglichen Hinweis darauf, dass im höheren Alter die akkumulierten Lebensstil- und Umwelteinflüsse zunehmend die genetische Ausgangslage überlagern.

Ernährung, Bildung, Schlaf: Wer profitiert am meisten?

Besonders aufschlussreich waren die sogenannten Gen-Umwelt-Interaktionen: Unter den 45- bis 64-Jährigen schien ein höherer Bildungsabschluss besonders jenen zugutezukommen, deren genetische Veranlagung für innere Leistungsreserve geringer war. Bei der mediterranen Ernährung deuteten die Daten auf ein ähnliches Muster. Menschen mit einer genetisch niedrigeren Veranlagung für innere Leistungsreserve profitierten stärker von einer gesunden Ernährung als jene mit günstiger genetischer Ausgangslage.

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Beim Schlaf zeichnete sich ein differenzierteres Bild ab: Zu langer Schlaf (mehr als neun Stunden) wirkte sich bei genetisch begünstigten Personen mittleren Alters besonders negativ aus. Zu kurzer Schlaf (weniger als sieben Stunden) war hingegen bei älteren Personen ab 65 Jahren mit einem besonders ausgeprägten Rückgang der inneren Leistungsreserve assoziiert, wenn diese genetisch weniger gut aufgestellt waren.

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Die Forschenden betonen ausdrücklich, dass es sich um erste, vorläufige Befunde handelt, die in größeren und diverseren Stichproben repliziert werden müssen. Die Stichprobe bestand zu 97 Prozent aus Personen europäischer Abstammung, was die Übertragbarkeit auf andere Bevölkerungsgruppen einschränkt. Zudem erlaubt das Querschnittsdesign keine Aussagen über Ursache und Wirkung.

Gesundes Altern: Welche Faktoren Sie selbst in der Hand haben

Trotz dieser Einschränkungen unterstreicht die Studie, was sich in der Altersforschung zunehmend abzeichnet: Gesundes Altern ist kein Schicksal, das allein in den Genen steht. Allerdings formen die Gene den Rahmen, in dem Lebensstilentscheidungen wirken.

Die gute Nachricht: Ernährung, Bewegung, Schlaf und Bildung sind veränderbar. Genau hier sehen die Forschenden den größten Hebel – nicht für pauschale Empfehlungen, sondern für gezieltere Präventionsansätze, die individuelle genetische Profile berücksichtigen. Wer früh ansetzt, hat offenbar die besten Chancen: Die Daten deuten darauf hin, dass der Lebensstil gerade in der Lebensmitte, zwischen 45 und 64 Jahren, besonders wirksam ist, um die eigene Altersfähigkeit zu beeinflussen.

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