11 Minuten mehr Schlaf, 5 Minuten mehr Bewegung – so kann das Herzrisiko sinken

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Von: Constanze Julita

Spaziergänger im Herbst in Sarajevo
Ein kurzer Spaziergang, etwas mehr Schlaf, eine Handvoll Gemüse mehr – kleine Gewohnheiten mit möglicherweise großer Wirkung aufs Herz. © IMAGO/Samir Jordamovic

Wer etwas länger schläft, sich etwas mehr bewegt und etwas ausgewogener isst, könnte sein Herzrisiko deutlich senken – das legt eine neue Großstudie nahe.

Wer denkt, ein gesundes Herz erfordere radikale Diäten, tägliche Sporteinheiten und eiserne Disziplin, liegt möglicherweise falsch. Eine neue Studie aus dem European Journal of Preventive Cardiology legt nahe, dass bereits winzige, kombinierte Veränderungen im Alltag in Zusammenhang mit einem spürbar niedrigeren Risiko für schwere Herzerkrankungen stehen könnten.

Wie Schlaf, Bewegung und Ernährung gemeinsam das Herzrisiko senken

Die Studie von Koemel et al. (März 2026) analysierte Daten von mehr als 53000 Erwachsenen aus der UK Biobank, einer der größten Gesundheitsdatenbanken weltweit. Über einen Beobachtungszeitraum von acht Jahren wurden schwere kardiovaskuläre Ereignisse erfasst: Herzinfarkte, Schlaganfälle und Herzinsuffizienz.

Das Besondere an diesem Ansatz: Schlaf und körperliche Aktivität wurden nicht per Fragebogen erhoben, sondern mithilfe von Wearables, also Geräten, die Bewegung und Schlaf am Handgelenk messen. Ergänzt wurde dies durch einen validierten Ernährungsqualitätsscore. Die Forschenden betrachteten alle drei Verhaltensweisen, Schlaf, körperliche Aktivität mit moderater bis hoher Intensität (MVPA) und Ernährungsqualität, erstmals gemeinsam und in Kombination.

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Das Ergebnis: Wer alle drei Bereiche gleichzeitig, wenn auch nur geringfügig, verbesserte, zeigte in der Beobachtung deutlich günstigere Risikowerte. Eine kombinierte Zunahme von rund elf Minuten Schlaf pro Nacht, knapp fünf Minuten moderater Bewegung täglich und einer kleinen zusätzlichen Portion Gemüse, etwa 25 bis 40 Gramm, stand in Zusammenhang mit einem um zehn Prozent niedrigeren Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse.

Wer hingegen die günstigste Kombination aller drei Verhaltensweisen aufwies, nämlich acht bis neuneinhalb Stunden Schlaf, 42 bis 104 Minuten MVPA täglich und eine moderate Ernährungsqualität, hatte im Vergleich zur ungünstigsten Gruppe ein um 57 Prozent niedrigeres Risiko.

Warum einzelne Maßnahmen oft scheitern – und die Kombination wirkt

Schlaf, Bewegung und Ernährung werden in der Forschung traditionell getrennt betrachtet. Allerdings beeinflussen sie sich gegenseitig auf vielfältige Weise. Schlechter Schlaf kann die Ausschüttung von Appetithormonen stören und dazu beitragen, dass die Kalorienzufuhr steigt. Körperliche Aktivität wiederum kann die Schlafqualität verbessern, während Schlafmangel die Leistungsfähigkeit tagsüber einschränken kann. Und die Ernährungsqualität beeinflusst, wann und wie gut jemand einschläft und wie viel Energie für Bewegung zur Verfügung steht.

Genau diese Wechselwirkungen machen den kombinierten Ansatz so interessant: Wer alle drei Bereiche gleichzeitig, wenn auch nur minimal, verändert, braucht in jedem einzelnen Bereich weniger zu tun, um eine klinisch relevante Wirkung zu erzielen. Die Studie zeigt, dass Schlaf in Isolation dreimal so viel zusätzliche Zeit bräuchte, rund 30 Minuten statt elf, um denselben Effekt zu erzielen wie die Kombination aller drei Verhaltensweisen.

Für die verschiedenen Herzerkrankungen zeigten sich dabei unterschiedliche Muster: Den stärksten Zusammenhang mit dem kombinierten Lebensstilscore wies die Herzinsuffizienz auf, gefolgt von Schlaganfall und Herzinfarkt. Auch die Rolle des Schlafs variierte je nach Erkrankungstyp – ein Hinweis auf unterschiedliche biologische Mechanismen, die die Forschenden in ihrer Arbeit ausführlich diskutieren.

Wie Sie gesunde Routinen in Ihren Alltag integrieren können

Die Studie liefert keine Patentrezepte – aber sie benennt konkrete Größenordnungen, die als Orientierung dienen können:

  • Schlaf: Rund elf Minuten mehr pro Nacht können bereits einen Unterschied machen. Wer regelmäßig zu spät ins Bett geht, könnte damit beginnen, die Schlafenszeit schrittweise vorzuziehen, ohne den Wecker früher zu stellen. Dabei hilft Ihnen unser kostenloses Ratgeber-PDF für einen besseren Schlaf.
  • Bewegung: Fünf zusätzliche Minuten moderater bis intensiver Aktivität täglich – ein zügiger Spaziergang, eine kurze Radfahrt, Treppensteigen statt Aufzug. Wie Sie Bewegung problemlos in Ihren Alltag integrieren, erfahren Sie im PDF mit der 30-Tage-Challenge.
  • Ernährung: 25 bis 40 Gramm mehr Gemüse pro Tag, das entspricht etwa einer kleinen Handvoll Cherrytomaten oder ein paar Löffeln Spinat mehr auf dem Teller. Mit der Mittelmeer-Diät geht gesunde Ernährung ganz einfach. Laden Sie sich hierfür den kostenlosen Ernährungsplan zur mediterranen Ernährung herunter.

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Laden Sie sich in der PDF-Bibliothek kostenlos den Ratgeber „Mediterrane Ernährung“ herunter. © IPPEN.MEDIA

Was diese Studie leisten kann – und was nicht

Die Ergebnisse sind ermutigend, aber sie müssen eingeordnet werden. Die UK Biobank ist bekannt dafür, eine gesündere und sozioökonomisch besser gestellte Bevölkerung abzubilden als den britischen Durchschnitt. Zudem wurde die Ernährung per Selbstauskunft erhoben, während Schlaf und Bewegung objektiv gemessen wurden. Daraus entsteht eine methodische Ungleichheit, die die Aussagekraft der Ernährungsdaten einschränkt. Auch Störfaktoren wie Rauchen, Alkohol oder genetische Vorbelastungen lassen sich in Beobachtungsstudien nie vollständig ausschließen.

Die Forschenden fordern deshalb ausdrücklich kontrollierte Interventionsstudien, um zu prüfen, ob gezielte, kleine Verhaltensänderungen tatsächlich das Herzrisiko senken.

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