Sport nach Persönlichkeit wählen: So finden Sie die passende Bewegungsart

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Von: Silke Böttcher

Wenn es darum geht, welcher Sport zu einem passt, sollte man auch die eigene Persönlichkeit berücksichtigen. Das zeigt eine neue Studie.

Frankfurt – „Ich sollte endlich mehr Sport machen“ – das ist einer der typischen Sätze, die viele Menschen schon gesagt haben. Nur: Welcher Sport sollte es sein, damit man auch am Ball bleibt und nicht nach kurzer Zeit die Lust verliert? Eine Studie des University College London, die jüngst im Fachmagazin „Frontiers in Psychology“ veröffentlicht wurde, zeigt, welche Rolle die Persönlichkeit bei der Wahl der passenden Sportart spielt.

Eine Frau steht auf einer Yogamatte und macht eine Yoga-Übung
Yoga zum Beispiel ist eine passende Bewegungsart für alle, die sich gleichzeitig entspannen möchten. (Symbolfoto) © IMAGO/Maria Chistyakova

Die Forscher wollten herausfinden, ob die Persönlichkeit die körperliche Fitness, die Freude an Bewegung durch Intensität und die Teilnahme an einem Trainingsprogramm in der Allgemeinbevölkerung vorhersagen kann. Sie nutzten dafür die fünf Hauptmerkmale der Persönlichkeit, auch als „Big 5“ bezeichnet: Extraversion, Gewissenhaftigkeit, Neurotizismus, Offenheit und Verträglichkeit.

Die „Big 5“ der Persönlichkeit

  • Extraversion (Menschen mit einer großen Ausprägung dieses Merkmals sind gesprächig, spontan, durchsetzungskräftig und kontaktfreudig).
  • Gewissenhaftigkeit (ein hohes Maß ist mit Zuverlässigkeit, Disziplin, Durchhaltevermögen, Organisiertheit und Ehrgeiz verbunden).
  • Neurotizismus (wer viel davon hat, ist eher ängstlich und nervös, er macht sich oft Sorgen und ist schnell gekränkt).
  • Offenheit (ein hohes Maß spricht für neugierige und fantasievolle Menschen, die gern neue Erfahrungen machen).
  • Verträglichkeit (Menschen mit einer hohen Ausprägung sind freundlich, mitfühlend, hilfsbereit und lieben Harmonie).

Achtwöchiges Training für Studienteilnehmer

Dafür wurden die Teilnehmer entweder einem achtwöchigen Training zu Hause mit Radfahren und Krafttraining oder einer Ruhe-Kontrollgruppe zugewiesen. Fürs Radfahren gab es drei Ausdauer-Einheiten (langes, leichtes Training, Schwellentraining und hochintensives Intervalltraining, kurz HIIT), das Krafttraining bestand aus Körpergewichtsübungen wie Kniebeugen oder Sit-ups. Anschließend sollten die Teilnehmer notieren, wie viel Spaß sie bei den Übungen hatten.

Persönlichkeitsmerkmale können die Freude an Trainingsintensität vorhersagen

Für ihre Studie analysierten die Wissenschaftler die „Big 5“ in Bezug auf Sport und sportliche Vorlieben. Ergebnisse:

  1. Extraversion: Die Wissenschaftler erkannten, dass Extraversion mit einer größeren Freude an Aktivitäten mit höchster Intensität verbunden ist. Zu ihnen passen zum Beispiel intensive HIIT-Einheiten. Auch bei Ausdauer und Kraft hatten sie bessere Werte. Außerdem brachten die Forscher Menschen mit einem hohen Maß an Extraversion mit einem stärkeren Engagement im organisierten Sport in Verbindung. So eignen sich Mannschafts-Sportarten gut für sie.
  2. Gewissenhaftigkeit: Diese Eigenschaft brachten die Wissenschaftler mit einer höheren allgemeinen Fitness und mehr wöchentlichen Stunden mit körperlicher Aktivität in Verbindung. Menschen mit einem hohen Maß an dieser Eigenschaft waren sehr erfolgreich beim Durchführen von Liegestützen, außerdem hielten sie bei Übungen wie „Planks“ länger durch. Dabei geht es ihnen weniger um den Spaß am Sport, sondern darum, dass ihnen die Bewegung guttut. Besonders intensiv muss das Training für sie nicht sein.
  3. Neurotizismus: Er ist mit einer geringeren Freude an Aktivitäten verbunden, die eine anhaltende Anstrengung erfordern – das Persönlichkeitsmerkmal ist außerdem mit einer schlechteren Herzfrequenzerholung verbunden. Menschen mit einer hohen Ausprägung dieser Eigenschaft mögen am liebsten leichte Trainingseinheiten, bei denen sie nicht beobachtet werden. Diese Menschen profitieren nach Angaben der Forscher am meisten von den stressreduzierenden Effekten eines aeroben Trainings.
  4. Offenheit: Sie spielt eine geringere Rolle für Sport-Vorlieben. Die Wissenschaftler stellten fest, dass sie nicht mit einem besonderen Maß an Engagement an körperlicher Aktivität zusammenhängt. Hier seien weitere Studien nötig, erklärten sie. Allerdings betonen die Forscher, dass Offenheit mit einem größeren Körperbewusstsein in Verbindung gebracht wird. Menschen mit einem hohen Maß an Offenheit empfanden anstrengende Übungen als weniger belastend. An Schwellen- und HIIT-Training hatten sie allerdings weniger Spaß.
  5. Verträglichkeit: Auch sie spielt in Bezug auf sportliche Vorlieben keine große Rolle. Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem Persönlichkeitsmerkmal und körperlicher Aktivität gibt, wenn andere Persönlichkeitsmerkmale berücksichtigt werden. Allerdings wird Verträglichkeit grundsätzlich mit positiven Erfahrungen im Sport in Verbindung gebracht. Menschen mit einem hohen Maß haben mehr Spaß an leichten, langen Trainings beziehungsweise Ausdauer-Einheiten.

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