Wie Stress durch Digitalisierung entsteht – und was Sie im Joballtag dagegen tun können
Stress im Privatleben kennt jeder. Doch auch digitales Arbeiten kann nervlich belasten. Was verbirgt sich hinter dem Begriff Technostress?
Rund zwei Drittel aller Erwerbstätigen in Deutschland nutzen Computer oder computergesteuerte Geräte. Dabei kann sogenannter Technostress entstehen.
Was ist der Ursprung von Stress?
Stress entsteht, wenn uns innere oder äußere Reize stark beanspruchen. Stress ist nicht automatisch negativ. Vor rund 12.000 Jahren hat er unser aller Überleben gesichert. Drohte beispielsweise Gefahr durch wilde Tiere, schütteten unsere Vorfahren Stresshormone aus, ihre Herzen klopften und sie atmeten schneller. Diese Mechanismen waren sowohl auf der Flucht als auch im Kampf sehr nützlich.
Heutzutage ist unser Leben nicht mehr ständig in Gefahr. Stress erfahren wir jedoch nach wie vor. Liegen unsere Nerven regelmäßig blank, erschöpfen sich unsere körpereigenen Ressourcen. Körper, Geist und Seele beginnen zu leiden.

Was ist Technostress?
Technostress ist eine besondere Form des Stresses. Den Begriff prägte der Psychologe Craig Brod in den 80ern. Technostress entsteht durch den Einsatz von Technologie. Er tritt auf, sobald uns das Arbeiten in der digitalen Welt überfordert. Wie jede Art von Stress kann sich auch Technostress auf unsere physische oder psychische Gesundheit auswirken.
Welche Formen von Technostress gibt es?
Eine Forschungsgruppe um die Wissenschaftlerin Monideepa Tarafdar identifizierte fünf unterschiedliche Arten, wie Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) Stress auslösen können:
- Techno-Overload: Techno-Overload entsteht beispielsweise, wenn während unserer Arbeit immer wieder Mails oder Chat-Nachrichten eingehen. Wir werden ständig abgelenkt und aus dem Arbeitsfluss herausgerissen. Infolgedessen müssen wir länger arbeiten.
- Techno-Invasion: Das Arbeiten mit Informationstechnologien führt dazu, dass wir immer und überall erreichbar sind. Die Grenze zwischen Arbeit und Privatem verschwimmt.
- Techno-Komplexität: Unsere digitale Arbeit ist so herausfordernd und komplex, dass wir uns unzulänglich fühlen. Als Folge davon verbringen wir noch mehr Zeit damit, Anwendungen, Abläufe oder Ähnliches zu erlernen.
- Techno-Uncertainty: Erklärt an einem Beispiel: Nach Monaten haben wir endlich verstanden, wie Google Analytics 3 funktioniert. Wir freuen uns genau einen Tag darüber und erfahren dann, dass wir in Kürze mit Google Analytics 4 arbeiten müssen, weil Version Nr. 3 abgeschaltet wird. Hinter Techno-Uncertainty steckt der Stress, den kontinuierliche Veränderungen und Erweiterungen hervorrufen.
- Techno-Insecurity: Beschreibt Situationen, in denen wir uns von Personen mit weitreichenden Kenntnissen oder von KI bedroht fühlen.
Wie macht uns digitaler Stress krank?
Technostress äußert sich sehr unterschiedlich. Wir können an physischen, mentalen oder emotionalen Symptomen leiden. Zu den Krankheitsbildern gehören Kopfschmerzen, Rückenbeschwerden, Konzentrationsprobleme, Erschöpfungszustände oder Ängste. Technostress kann auch im Burnout münden.
Vor einigen Jahren untersuchte eine großangelegte Studie der Universität St. Gallen die Auswirkungen der Digitalisierung der Arbeit auf die Gesundheit von Beschäftigten. Die Wissenschaftler fanden zum Beispiel heraus, dass ein hoher Digitalisierungsgrad mit hoher emotionaler Erschöpfung einhergeht. Auch ließen sich mehr Konflikte zwischen Arbeit und Familie darauf zurückführen.
Was reduziert den Technostress und können wir ihn ganz vermeiden?
Wenn Sie in einem digitalisierten Beruf arbeiten, lässt sich Technostress leider nicht komplett vermeiden. Es gibt aber Taktiken, mit denen Sie ihn zumindest reduzieren können:
- Gezielter kommunizieren
- Beantworten Sie nur dringende Nachrichten sofort. Für alle anderen planen Sie einen festen Zeitslot ein. Dieser Tipp lässt sich übrigens auch für die private Kommunikation anwenden.
- Pausen einlegen
- Pausen sind wichtig. Protokollieren Sie Ihre Bildschirmzeit und planen Sie ganz gezielt Offline-Zeiten ein.
- Geheimwaffe Papier
- Notieren Sie sich Gedanken oder kleine To-do-Listen auf Papier, statt hierfür eine Anwendung zu nutzen. Eine japanische Studie hat ergeben, dass sich diese Methode besser eignet, um Informationen nachhaltig abzuspeichern.
- Technisches Multitasking stoppen
- Schließen Sie auf Ihrem Bildschirm alle unnötigen Fenster. So können Sie sich besser auf die vor Ihnen liegende Aufgabe konzentrieren. Wenn Sie mit Tools wie Slack oder ähnlichem arbeiten, stellen Sie dort Zeiten ein, in denen Sie beschäftigt sind und nicht für Termine zur Verfügung stehen.
- Geräte und Tools regelmäßig auf den Prüfstand stellen
- Ihr Drucker funktioniert nur, wenn Sie in einem bestimmten Winkel am Kabel ziehen? Tauschen Sie ihn aus, denn derartigen Stress können Sie vermeiden. Genauso verhält es sich mit veralteten Programmen.
- Achtsamkeitsübungen und Meditation
- Indem Sie Achtsamkeit und Meditation üben, werden Sie gelassener und entspannter. Technostress kann Ihnen dann nicht mehr so viel anhaben.
- Beziehen Sie Ihren Arbeitgeber ein
- Sie können sich bei der Arbeit nicht gut konzentrieren, weil die Anwendung XY nicht richtig funktioniert oder weil im Abteilungschat ständig die Post abgeht? Sprechen Sie das bei Ihrer Führungskraft an. Diese hat in aller Regel mehr Spielraum, derartige Stressfaktoren zu reduzieren als Sie selbst.
Nicht verpassen: Alles rund ums Thema Karriere finden Sie im Karriere-Newsletter unseres Partners Merkur.de.
Technostress und Social Media
Technostress entsteht nicht nur während des Arbeitens. Auch, wenn Sie nach Feierabend auf Instagram, Facebook und Co. unterwegs sind, kann das stressen. Und zwar, obwohl Sie die Plattformen nutzen, um sich abzulenken. Verwenden Sie Social Media deshalb bewusst und haben Sie dabei Ihre Bildschirmzeit im Blick.