Bevor es alle entdecken: Neun Gründe, warum Finnland jetzt auf Ihre Reiseliste gehört
Mehr als 100.000 Seen, riesige Wälder, drei Millionen Saunen, eine spannende Kulturszene und ganz besonders glückliche Menschen: Das ist Finnland. Als Reiseziel ist es noch ein Geheimtipp.
„Finnland? Da ist es doch immer kalt und dunkel.“ Das ist eines der Vorurteile, über das die Finnen nur lachen können. Natürlich ist es in dem skandinavischen Land nicht so heiß wie am Mittelmeer. Aber dunkel ist es nur im Winter – im Sommer geht die Sonne zeitweise praktisch gar nicht unter. Und es gibt noch viel mehr Gründe für einen Sommerurlaub in Finnland. Wir stellen neun davon vor.

1. Die Natur
„Land der 1000 Seen“ wird Finnland auch genannt. Das ist eine heftige Untertreibung, denn es sollen etwa 188.000 sein. Dazu kommen dichte Kiefern-, Birken- und Fichtenwälder, die etwa 74 Prozent der Landesfläche ausmachen. Selbst in der Hauptstadt Helsinki gibt es Wälder. Die Finnen haben eine sehr innige Beziehung zu ihnen. Kein Wunder, dass es im Land über 40 Nationalparks und viele weitere Schutzgebiete gibt.
Zu den bekanntesten gehören die Nationalparks Pallas-Yllästunturi im Nordwesten, Nuuksio bei Helsinki, Kurjenrahka bei Turku im Süden, Urho-Kekkonen im Norden und Koli im Osten.
Wer lieber Strand- als Wanderurlaub machen will, hat in Finnland ebenfalls genügend Auswahlmöglichkeiten. An den Küsten gibt es herrliche, weiße Sandstrände. Die berühmtesten sind Yteri, Hanko, Pihlajasaari und Nallikari. Fürs Baden allerdings muss man hartgesotten sein: Das Wasser erreicht im Schnitt nur 15 bis 20 Grad. Die Seen werden je nach Tiefe etwas wärmer.
Finnland
Nur etwa 5,5 Millionen Menschen leben in Finnland – das sind etwa 18,3 Einwohner pro Quadratkilometer. Die meisten (1,6 Millionen) wohnen in der Hauptstadt Helsinki.
Das Land teilt sich in vier Regionen auf: die Region Helsinki im Süden, Küste und Schärenmeer im nördlicheren Westen, die Seenplatte im Osten und Lappland im Norden.
Berühmt ist Finnland für seine Natur. Es gibt über 40 Nationalparks (einer davon liegt nur 45 Minuten vom Stadtzentrum Helsinkis entfernt). Fast 74 Prozent der Landesfläche sind Wald, dazu kommen tausende Seen, außerdem 1250 Kilometer Küste mit schönen Stränden.
Anreise: mit dem Flugzeug nach Helsinki-Vantaa oder mit dem Schiff z.B. von Travemünde nach Helsinki (tägliche Überfahrten)
2. Das Jedermannsrecht
Naturliebhaber wissen es zu schätzen: „Jokamiehenoikeus“, das Jedermannsrecht, bedeutet, dass sich jeder überall frei in der Natur bewegen darf. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber für etwa 90 Prozent der Landesfläche gilt das Recht, das zum Beispiel bedeutet, dass man ohne Genehmigung des Grundeigentümers die Natur genießen, Beeren und Pilze sammeln und sogar zelten darf. Klar: Gärten sind tabu, und man muss auch genug Abstand zu Wohnhäusern halten.
Die Finnen nutzen das Recht gerne. Beeren- und Pilzesammeln gehören zu ihren Lieblingsbeschäftigungen, viele besitzen sogar ein Häuschen in der Natur. „Wir fahren im Sommer regelmäßig dorthin“, sagt Meri Sipäla von Visit Finland. Die Häuschen sind oft sehr einfach, ohne Luxus, aber mit Zugang zum See und – natürlich – mit Sauna.
3. Die Saunen
„Sauna“ ist wahrscheinlich das einzige finnische Wort, das weltweit bekannt ist (zur Sprache kommen wir später noch). Auch wenn die Idee des Schwitzbades aus Ostasien kommt, haben die Finnen die Sauna in ihrer heutigen Form erfunden. Das Wort „Sauna“ bedeutet „Schwitzstube“ oder „finnisches Bad“. Ein Leben ohne Sauna? Für Finnen absolut undenkbar. Etwa drei Millionen Schwitzhütten soll es geben. Bei fünfeinhalb Millionen Einwohnern ist das schon eine eindrucksvolle Zahl. Sogar in Wohnungen, ausgedienten Bussen und im Parlament von Helsinki findet man sie.

„Hauptstadt“ der Sauna ist Tampere. Dort steht mit der Rajaportti-Sauna auch die älteste des Landes – sie wurde 1906 eröffnet. Zu den bekanntesten Saunen gehört Löyli in Helsinki, ein eindrucksvolles Holzgebäude im Hafenviertel. Aber auch die meisten Ferienhütten haben eigene Saunen.
Außer Konkurrenz: Polarlicht und Pistenspaß im Winter
Auch wenn es hier um den Sommer geht: Es gibt viele gute Gründe, auch den Winterurlaub in Finnland zu verbringen. Der wohl interessanteste ist das Polarlicht. Die Lichtspiele am Winterhimmel sind pure Magie – und wer sie einmal gesehen hat, wird sie ganz sicher nicht vergessen. Vor allem in Lappland sind die Chancen groß.
Zwar gibt es in Finnland keine steilen Berge, Wintersportler kommen trotzdem auf ihre Kosten: Es gibt langgezogene Hügel mit guten Pisten, die teilweise mit Flutlicht erhellt werden. Die bekanntesten Skigebiete sind Ylläs, Ruka und Levi. Überall gibt es auch gut gespurte Loipen, außerdem können Sie Fahrten mit dem Husky-Schlitten machen oder Sportarten wie Ice-Karting ausprobieren – das fühlt sich an wie ein Autorennen auf Eis. Und natürlich muss man im Winter das Weihnachtsmanndorf Santa Claus Village in Rovaniemi besuchen!
4. Eine entspannte Hauptstadt
Mit nur 657.000 Einwohnern (wenn man den Großraum mitzählt, sind es etwa 1,6 Millionen) ist Helsinki eine eher kleine Hauptstadt. Aber sie hat es in sich: Die Stadt ist ein Traumziel für alle, die nordische Architektur und Design lieben. Die Finlandia-Halle von Alvar Aalto mit ihrer weißen Marmorfassade ist ein echter Blickfang. Das gilt auch für das 1931 erbaute Parlament und die unterirdische Temppeliaukio-Kirche. Besuchen Sie die moderne Oodi-Bibliothek, die Uspenski-Katherale und natürlich Helsinkis Wahrzeichen, den Dom.
Überall in der Stadt gibt es Cafés und Restaurants, und Design-Liebhaber zieht es zudem in die vielen Flagship-Stores, etwa Möbel wie den Arteks-Hocker von Alvar Aalto, Glas von Iittala oder Mode von Marimekko.

5. Kultur und Erfindungen
Die Finnen sind Erfinder von Figuren wie den Mumins (in Naantali gibt es den Freizeitpark Muminwelt) und den Angry Birds (auch ihnen werden mehrere Parks gewidmet). Außerdem verdankt ihnen die Welt unter anderem das Linux-Betriebssystem, den Süßstoff Xylit, Nokia-Handys, Fiskars-Scheren, salzige Lakritze („salmiakki“), den Geschirr-Abtropfschrank, Fußgänger-Reflektoren und Kurioses wie Hosen mit angenähten Gummistiefeln.
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6. Die Sprache
Die Finnen, so schrieb mal Bertolt Brecht, sind ein Volk, das in zwei Sprachen schweigt. Das stimmt nur so halb. Tatsächlich schweigen die Menschen gern. Smalltalk liegt ihnen nicht, sie denken länger nach, bis sie etwas sagen. Aber Besuchern gegenüber sind sie äußerst herzlich. Und sie haben einen selbstironischen Witz, den man spürt, wenn man sie näher kennenlernt.
Zwei Sprachen gibt es tatsächlich in Finnland. Neben Finnisch ist auch Schwedisch die Amtssprache, was für Touristen Vorteile hat. Während man Schwedisch ganz gut verstehen kann, ist das fürs Finnische nahezu unmöglich. Auch das Erraten ist schwierig: „Toilette“ bedeutet zum Beispiel „kaymäla“ oder „huusi“; „mökki“ ist das Sommerhaus am See. Wichtig ist auch „kahvia“, der Kaffee. Die Finnen sind nämlich die Weltmeister im Kaffeetrinken (noch vor den Italienern).
Noch ein paar Worte gefällig? Guten Tag heißt „Hyvää Päivää“, Auf Wiedersehen „Näkemiin“, und Danke „kiitos“. Eines der längsten Worte überhaupt ist übrigens Lentokonesuihkuturbiinimoottoriapumekaanikkoaliupseerioppilas (Übersetzung: Flugzeug-Jet-Turbinenmotor-Assistenz-Mechaniker, Unteroffizier, in der Ausbildung). Und einer der lustigsten Sätze: Vasta vastaa vasta vastaavasta vastavastaavasta (die Übersetzung ist genauso ulkig: Der Badequirl reagiert nur auf die jeweilige Person, die für den Badequirl verantwortlich ist).
7. Glückliche Menschen mit „Sisu“
Immer wieder landet Finnland im „World Happiness Report“ ganz vorne – 2025 schon zum achten Mal. Meri Sipälä fallen gleich mehrere Gründe dafür ein: Die Natur, die offene Gesellschaft und das Design sind nur einige davon. „Oft sind es ganz simple Sachen“, hat sie erkannt. Der Waldspaziergang, das Wochenende in der Hütte oder ein gutes Essen sind Beispiele.
Wichtig ist aber auch die soziale Gleichheit mit einem hohen Maß an Fairness und Solidarität. Die Menschen haben Vertrauen in die Regierung und die Institutionen, es gibt ein starkes soziales Sicherheitsnetz, Chancengleichheit und ein weltweit anerkanntes Bildungssystem. Und es gibt „Sisu“. Das ist eine typische Charaktereigenschaft der Finnen. „Man kann es als Mindset des Nicht-Aufgebens und Einander-Vertrauens bezeichnen“, erklärt Meri Sipälä. Wer Sisu hat, versucht mit eigener Kraft, aus schwierigen Situationen herauszukommen. Nicht verbissen, sondern mit finnischem Dickkopf und viel Humor.
Übrigens: Auch wenn die Finnen eher gelassen sind – jedes Jahr beim Mittsommerfest zeigen sie, dass sie wild und sehr ausgelassen sein können.
8. Schräge Hobbys
Die Finnen haben nicht nur Berühmtheiten wie die Rockbands HIM und The Rasmus, Architekten wie Alvar Aalto, Sportler wie Mika Häkkinen, Kimi Räikkönen, Paavo Nurmi und Matti Nykänen hervorgebracht. Sie lieben auch schräge Weltmeisterschaften: etwa im Frauentragen, Luftgitarre-Spielen, Handy-Weitwurf, Sumpffußball und Gummistiefel-Weitwurf. Außerdem haben sie eine Schwäche für Tango. Den finnischen, natürlich, der düsterer und melancholischer ist als der argentinische. Ein Highlight in diesem Jahr ist das Midsummer Tango Weekend (3.-6. Juli) in Helsinki.
9. Das Essen
Finnen lieben Kartoffeln und alles, was sie im Wald pflücken können. Und daraus bereiten sie wahre Köstlichkeiten. Die Küche ist naturbelassen, regional und saisonal.
Zu den bekanntesten Speisen gehören die finnische Lachssuppe, Frühkartoffeln mit Hering, karelische Pirogge (Karjalanpiirakka), Grillimakkara (Grillwürste mit Senf), das finnische Roggenbrot Ruisleipä, Knisterkäse (Leipäjusto – er knistert beim Reinbeißen), Finn-Crisp-Kräcker oder das Fladenbrot Rieska.

Für die Kaffeetafel servieren die Finnen z.B. Mustikkapiirakka (Blaubeerkuchen) und Korvapuusti – das Wort bedeutet „Ohrfeige“ und ist ein sehr leckeres Zimtbrötchen. Unbedingt probieren sollten Sie auch Fazer-Schokolade, Salzlakritze und Moltebeeren. Die sehen aus wie eine Mischung aus Himbeeren und Erdbeeren und schmecken ziemlich sauer. Als Marmelade aber sind sie richtig lecker.
Es gibt auch einige Restaurants, die mit Michelin-Sternen gekrönt sind, etwa das „Palace“, das „Olo“ und das „Grön“ in Helsinki. Hier wird die nordische Küche auf höchstem Niveau serviert.