Diese Zeichen zeigen, dass es einem Pferd nicht gut geht

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Von: Kirsten Lemke

Nahaufnahme vom Auge eines weißen Pferdes
An den Augen eines Pferdes können Pferdekenner viel ablesen – auch, ob es dem Pferd gut geht. © Wirestock/Imago

Pferde sind Meister darin, Schmerzen oder Krankheit zu verstecken. Diese 15 Warnsignale sollte jeder Reiter kennen.

Als Fluchttiere dürfen Pferde in der Natur keine Schwäche zeigen. Das würde sie sonst zu leichten Opfern machen. Es kommt sogar vor, dass Pferde schwache oder kranke Herdenmitglieder verstoßen, um die Sicherheit der Gruppe zu wahren. Deshalb sollten Reiter und Pferdebesitzer wissen, woran man erkennt, dass es einem Pferd nicht gut geht.

1. Stumpfes Fell oder kahle Stellen im Fell des Pferdes

Wenn es dem Pferd nicht gut geht, kann man das häufig am Fell sehen. Bei Stoffwechselproblemen oder Nährstoffmängeln ist das Fell stumpf und struppig. Auch das Equine Cushing-Syndrom äußert sich durch Veränderungen im Fell. Kahle Stellen können auf einen Pilzbefall oder eine andere Erkrankung der Haut hindeuten. Hat das Pferd Bissspuren oder Verletzungen, ist es auch möglich, dass es gemobbt wird.

2. Das Pferd zeigt das Schmerzgesicht

Pferdekennern genügt ein Blick ins Gesicht des Pferdes, um Schmerzen zu erkennen. Beim sogenannten Schmerzgesicht sind die Augen zusammengekniffen, die Ohren zurückgelegt, die Maulpartie angespannt und die Zähne aufeinander gepresst. Manchmal knirschen die Pferde sogar mit den Zähnen. Die Nüstern sind hochgezogen oder stark geweitet, der Kopf wird eher tief getragen. Über den Augen und im Bereich der Nüstern sind Falten erkennbar. Manchmal tritt auch die Kiefermuskulatur hervor. Wer vermutet, dass sein Pferd Schmerzen hat, sollte umgehend einen Tierarzt anrufen und die Ursache abklären lassen.

3. Verhaltensstörungen beim Pferd

Pferde reagieren sehr sensibel auf Stress. Ist er chronisch, zum Beispiel durch schlechte Haltungsbedingungen, kann das Pferd Verhaltensstörungen entwickeln. Beim Koppen setzt das Pferd mit den Zähnen auf und saugt hörbar Luft ein. Beim Weben wippt es hin und her und verlagert das Gewicht von einem auf das andere Vorderbein. Aber auch das Zähnewetzen, bei dem das Pferd seine Zähne an den Gitterstäben der Boxen reibt, kann die Vorstufe einer Verhaltensstörung sein. Ist das der Fall, sollte man den Auslöser für dieses Pferdeverhalten finden und die Haltungsbedingungen verbessern oder das Training anpassen.

4. Das Pferd hat keinen Appetit

Wenn das Pferd plötzlich nicht mehr frisst, ist das ein Alarmsignal. Die Verdauung des Pferdes ist darauf ausgelegt, dass es ständig kleine Mengen raufaserreiches Futter frisst. Bei einem 500 Kilogramm schweren Pferd kommen gut zehn Kilogramm Raufutter am Tag zusammen. Um gesundheitliche Probleme zu vermeiden, sollten Fresspausen nicht länger als sechs Stunden dauern. Eine zu schnelle Futterumstellung oder Stress durch einen Stallwechsel können dazu führen, dass das Pferd nicht frisst. Es ist aber auch möglich, dass Zahn- oder Verdauungsprobleme dahinterstecken, die tierärztlich geklärt werden müssen.

5. Aggressives Verhalten gegenüber anderen Pferden

Normalerweise sind Pferde friedliche Zeitgenossen. Sie lieben ein harmonisches Umfeld und eine stabile Herdenstruktur. Verhält ein Pferd sich aggressiv gegenüber Artgenossen, ist das ein eindeutiger Hinweis, dass in der Gruppenzusammensetzung oder im Stallmanagement etwas nicht stimmt. Gibt es viel Fluktuation in der Gruppe, sorgt das für Unruhe und Stress. Die Pferde müssen ständig die Rangordnung neu ausfechten. Werden neue Pferde nicht richtig integriert, kann das sogar ernste Verletzungen nach sich ziehen.

Auch wenn zu viele Pferde auf zu wenig Raum gehalten werden und nicht ausreichend Ressourcen wie Futterplätze, Tränken und Liegeflächen zur Verfügung stehen, führt das zu Kämpfen. Übrigens bedeutet das nicht nur Stress für das gemobbte Pferd. Auch die ranghohen „Mobber“ stehen ständig unter Strom bei dem Versuch, Ressourcen zu verteidigen.

6. Nasenausfluss beim Pferd

Hat das Pferd schleimigen, gelb-grünlich verfärbten Nasenausfluss, steckt meist ein gesundheitliches Problem dahinter. Es kann sich um eine Infektion, zum Beispiel Druse beim Pferd, oder um eine Entzündung handeln. Manchmal sind auch Fremdkörper in den Atemwegen der Grund oder Probleme an den Pferdezähnen. Oft geht Nasenausfluss mit Unwohlsein oder Schmerzen einher und ist daher ein Fall für den Tierarzt. Heller, dünnflüssiger Nasenausfluss ist hingegen größtenteils harmlos und kein Grund zur Sorge. An diesen zehn Zeichen kann man erkennen, dass es einem Pferd gut geht.

7. Das Pferd zeigt kein Interesse

Pferde sind von Natur aus neugierig. Teilnahmslosigkeit ist ein Warnsignal. Denn auch Pferde können Depressionen bekommen, zum Beispiel wenn sie zu wenig Bewegung an frischer Luft oder kaum Kontakt zu Artgenossen haben. Doch auch Überforderung im Training oder Langeweile lassen Pferde abstumpfen. Reagiert das Pferd kaum oder gar nicht auf seine Umwelt, steht oft allein oder schaut gegen die Wand, ist es unglücklich. Fühlt das Pferd sich in seinem Stall unwohl, kann es helfen, eine andere Haltungsart auszuprobieren, zum Beispiel die Gruppenhaltung. Ist der Tagesablauf zu eintönig, können abwechslungsreiche Unternehmungen für neuen Schwung sorgen.

8. Sorgenfalten über dem Auge des Pferdes

Das Auge des Pferdes ist der Spiegel der Seele. Daher lässt sich am Pferdeauge viel ablesen. Ist der Blick starr oder das Auge trüb, stimmt meist etwas nicht. Schmerzen oder Augenprobleme beim Pferd könnten dahinterstecken. Ist das Weiße im Auge des Pferdes erkennbar, kann das für Angst oder Panik sprechen. Auch den Fältchen über dem Auge sollten Pferdebesitzer Beachtung schenken: Starke, dachförmige Augenfalten können auf Stress, Angst oder Schmerzen hindeuten. Ist das Pferd entspannt, sind kaum oder keine Fältchen erkennbar. Ein internationales Forscherteam hat vor gut zehn Jahren bereits herausgefunden, dass „Unterschiede in der Ausprägung der Augenfalten wertvolle Informationen über das Wohlergehen von Pferden liefern können“, wie es in der Studie heißt.

9. Das Pferd zeigt Koliksymptome

Eine Kolik beim Pferd ist immer ein Notfall. Daher sollten Pferdebesitzer die Symptome schnell erkennen und rechtzeitig handeln. Häufiges Wälzen, zum Bauch schauen und mit den Beinen dagegen schlagen sind eindeutige Zeichen für Schmerzen und ein Fall für den Tierarzt. Aber auch subtilere Hinweise können auf Schmerzen hindeuten, wie etwa häufiges Gähnen oder Schweifschlagen.

10. Das Pferd sieht eingefallen aus

Stehen bei einem Pferd die Knochen hervor, können Unterernährung oder ein Parasitenbefall dahinterstecken. Auch bei dehydrierten Pferden sind die Flanken eingefallen. Doch nicht jedes Pferd, das mager aussieht, ist krank. Im Alter verschwinden bei Pferden die Muskeln und die Knochen treten hervor. Das ist normal und dem Pferd kann es trotzdem gut gehen. Wer ein vermeintlich abgemagertes Pferd sieht, sollte zudem auf den allgemeinen Zustand achten. Verfilztes Langhaar und lange Hufe können weitere Indizien für Vernachlässigung sein. Bei einem konkreten Verdacht sollte man vorsichtshalber das Veterinäramt informieren.

11. Eine hochgezogene Bauchlinie

Angespannte Bauchmuskeln kann man an einer Linie erkennen, die sich unterhalb der Rippen abzeichnet. Spannt das Pferd in Ruhe dauerhaft den Bauch an, ist das ein Hinweis auf Schmerzen. Magengeschwüre oder Verdauungsprobleme können für die hochgezogene Bauchlinie verantwortlich sein. Reagiert das Pferd empfindlich auf Berührungen am Bauch, ist das ein weiteres Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Beobachtet man bei seinem Pferd eine hochgezogene Bauchlinie, sollte man vorsichtshalber einen Tierarzt rufen. Insbesondere, wenn das Pferd weitere Schmerzanzeichen zeigt.

12. Das Pferd bewegt sich steif

Ein Pferd, dem es gut geht, bewegt sich locker in allen Gangarten. Ist die Bewegung vom Pferd steif, deutet in den meisten Fällen auf Schmerzen hin. Entweder hat das Pferd muskuläre Verspannungen oder Blockaden, die durch einen Pferdephysiotherapeuten oder -osteopathen behandelt werden müssen. Es kann aber auch Kreuzverschlag dahinterstecken, eine schmerzhafte Muskelerkrankung, die durch zu große Belastung nach einer Ruhepause entstehen kann. Auch bei Arthrose bewegen sich die Pferde anfangs häufig steif, was sich jedoch bessert, je länger sie in Bewegung sind.

13. Das Pferd lahmt

Wenn das Pferd lahmt, hat es Schmerzen. Eine Lahmheit kann einen harmlosen Grund haben, wie beispielsweise ein eingetretenes Steinchen oder ein Hufgeschwür. Hufgeschwüre sind zwar schmerzhaft, lassen sich aber gut durch den Tierarzt und Hufschmied behandeln. Es können aber auch ernste Gründe dahinterstecken, etwa Hufrehe, Entzündungen oder Verletzungen von Sehnen und Bändern oder des Knochens. Daher sollte man eine Lahmheit immer von einem Tierarzt abklären lassen.

14. Das Pferd hat Durchfall

Pferde setzen normalerweise runde Kotballen ab, die als Pferdeäpfel bekannt sind. Verändert sich die Konsistenz derselben, sollten Pferdebesitzer wachsam sein. Besonders Durchfall ist ein Warnsignal. Zwar kann leichter Durchfall auch durch eine Futterumstellung oder Stress entstehen. Es können aber auch Pferdekrankheiten, Parasiten oder Vergiftungen dahinterstecken. Ist das Pferd zudem apathisch, hat Fieber und ist schwach, sollte man sofort einen Tierarzt rufen.

15. Der Schweif wird eingeklemmt oder schief gehalten

Der Schweif des Pferdes ist ein wichtiges Kommunikationsmittel. Normalerweise solle er locker hängen und hin und wieder eine Fliege verscheuchen. Klemmt das Pferd den Schweif jedoch ein, kann es Schmerzen haben. Trägt das Pferd den Schweif schief, mögen Blockaden oder Verspannungen dahinterstecken. Schlägt es wild mit dem Schweif hin und her, ist das ein Zeichen von Stress oder Angst. Achtung: Auch wenn das Pferd kurz davor ist, auszuschlagen, kündigt es das durch Schweifschlagen an.

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