Katzenhalsbänder sind weniger gefährlich als lange angenommen

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Von: Kirsten Lemke

Eine schwarz-weiße Katze sitzt draußen und trägt ein Halsband mit GPS-Tracker.
Halsbänder für Katzen sind noch immer umstritten. Sie können aber sinnvoll sein, etwa um einen GPS-Tracker daran zu befestigen. © IMAGO / Depositphotos

Lange hieß es, dass Katzenhalsbänder zu gefährlich sind. Jetzt rät sogar das Haustierregister Tasso zu Halsbändern bei Katzen. Woher kommt der Sinneswandel?

Viele Tierschutzorganisationen raten nach wie vor davon ab, Katzen ein Halsband anzulegen. „Die Liste mit möglichen Verletzungen und Risiken bei der Verwendung von Katzenhalsbändern ist lang“, schreibt beispielsweise das Heimtierregister Findefix auf seiner Webseite. Ein Halsband sei nicht nur eine Gefahr für die Katze, die es trägt, sondern auch für andere Katzen, die beim Spiel oder Kampf darin hängenbleiben können, heißt es.

Studie zeigt: Vorfälle mit Katzenhalsbändern sind selten

Auch das Haustierregister Tasso hat sich lange gegen Katzenhalsbänder ausgesprochen. Mittlerweile ist man jedoch anderer Meinung. „Die Empfehlung, der wir uns dabei angeschlossen haben, ist mindestens 20 Jahre alt. Bei den verwendeten Materialien und Verschlüssen gab es seitdem Fortschritte“, sagt Peter Raehse, Berater Innovations bei Tasso im Interview gegenüber Landtiere.de.

2022 wollten Raehse und seine Kollegen herausfinden, wie gefährlich Katzenhalsbänder tatsächlich sind. Dazu haben sie eine Studie bei der Veterinärmedizinischen Universität in Wien in Auftrag gegeben. „Die Studie hat mehr als 31.000 Katzen erfasst, von denen mehr als 5.000 aus unterschiedlichen Gründen ein Halsband trug“, berichtet Peter Raehse. In 2,7 Prozent der Fälle hatte dies eine Verletzung zur Folge. Dem gegenüber berichteten 23 Prozent aller Teilnehmenden von Katzen, die nie wieder nach Hause gekommen sind. 27 Prozent der befragten Personen gaben an, dass ihre Katzen in Verkehrsunfälle verwickelt waren. „Das Risiko einer Verletzung oder gar Todesfolge in Zusammenhang mit dem Halsband ist deutlich geringer ist als andere Risiken, denen Katzen beim Freigang ausgesetzt sind“, fasst er zusammen.

Katzen orten per GPS-Tracker

Halsbänder haben den Vorteil, dass man daran einen GPS-Tracker befestigen kann, um die Katze auf ihren Streifzügen durch die Nachbarschaft orten zu können. Das ist nicht nur interessant, sondern kann im Zweifel auch das Leben der Samtpfote retten. Denn Katzen entlaufen dreimal häufiger als Hunde. 2024 wurden allein bei Tasso 90.600 Katzen als vermisst gemeldet, 70.000 konnten durch die Registrierung zu ihren Besitzern zurückgebracht werden. Ein Viertel aller entlaufenen Katzen verschwindet jedoch spurlos. „Diese Lücke kann durch den gezielten Einsatz von Ortungstechnik verringert werden“, meint Peter Raehse. Oft bleibt es ein Rätsel, warum Katzen verschwinden. Manchmal tauchen sie von allein wieder auf, etwa, weil sie versehentlich eingesperrt wurden. „Neugierige Katzen schlüpfen auch mal unbemerkt in ein Fahrzeug und fahren mehrere hunderte Kilometer als blinder Passagier mit.“

Das passende Halsband

Material: angenehm und robust, aber ohne scharfe Kanten oder raue Stellen, die die empfindliche Katzenhaut reizen könnten
Passform: Zwei Finger müssen bequem zwischen Halsband und Katzenhals passen, um Atmung und Bewegungsfreiheit nicht einzuschränken.
Verhalten: „Wenn die Katze sich nicht ständig am Halsband kratzt oder versucht, mit ihrer Pfote zwischen Hals und Halsband zu gelangen, ist das ein guter Hinweis für die richtige Passform“, sagt Katzenexpertin Birga Dexel.
Verschluss: Öffnungskraft des Sicherheitsverschlusses sollte zu Größe und Gewicht der Katze passen.

Eine aktuelle Umfrage von Weenect bestätigt das Ergebnis der Tasso-Studie. „Nur 0,47 Prozent der befragten Katzenhalter berichteten von Vorfällen im Zusammenhang mit Halsbändern. Schwere Fälle wurden unter den rund 2.000 Teilnehmenden nicht gemeldet“, berichtet Adrien Harmel von der Firma Weenect, die GPS-Tracker für Haustiere herstellt, gegenüber Landtiere.de. Das liege auch an der Weiterentwicklung von sicheren Katzenhalsbändern, um die Verletzungsgefahr zu verringern. „Die meisten gemeldeten Vorfälle hatten völlig andere Ursachen – zum Beispiel Verkehrsunfälle, das Eingesperrtwerden, das Verschwinden der Katze oder Kämpfe mit anderen Tieren.“ Dennoch verzichten viele Katzenhalter weiterhin auf Halsbänder. So gab fast jeder zweite Befragte in der Umfrage an, sich gegen ein Halsband zu entscheiden, weil er fürchtet, seine Katze könne damit hängenbleiben. „Die wahrgenommene Gefahr bleibt hoch, obwohl es dafür kaum belastbare Daten gibt“, so Harmel weiter. Auch für Hunde können Halsbänder ein Risiko darstellen.

Katzen gut an Halsband und Tracker gewöhnen

Doch Katzen ticken anders als Hunde. Das Tragen eines Halsbandes mitsamt Tracker muss man den Samtpfoten schonend beibringen. Katzenexpertin Birga Dexel rät zum Halsband-Training mit dem Clicker in der Wohnung. „Im Training wird jedes gewünschte Verhalten durch einen Clicker markiert und unmittelbar mit einem Leckerchen belohnt“, schildert sie die Vorgehensweise für Landtiere.de. Hier erklärt Birga Dexel exklusiv für Landtiere.de, wie man Katzen an Silvesterlärm gewöhnen kann.

Dabei ist vor allem Geduld gefragt: „Nach unserer Erfahrung neigen Katzenhalter beim Clickertraining mit ihren Katzen häufig dazu, zu schnell vorzugehen und zu wenig Geduld mitzubringen. Katzen benötigen Zeit, um sich an das neue Tragegefühl am Hals und an die veränderte Bewegung zu gewöhnen“, berichtet die renommierte Katzentrainerin aus ihrer Praxis und versichert: „Fast jeder Katze kann man ein Halsband und somit einen Tracker antrainieren.“ Zunächst ist es ratsam, dass man Halsband und Tracker nur beim Training in den eigenen vier Wänden anlegt und danach wieder abnimmt. „Man sollte regelmäßig die Haut am Hals auf Scheuerstellen kontrollieren und prüfen, ob das Halsband noch sicher und richtig sitzt“, rät Birga Dexel. Auch die Funktionstüchtigkeit des sicheren Halsbandes muss man regelmäßig testen.

Sind Halsbänder mit Glöckchen sinnvoll?

Katzenhalsbänder mit Glöckchen sollen Vögel vor jagenden Katzen schützen. In der Theorie. „Katzen lernen oft sehr schnell sich mit dem Glöckchen anders zu bewegen, so dass keine Geräusche entstehen“, weiß Katzenexpertin Birga Dexel. Hinzu kommt, dass das Glöckchen für das sensible Ohr der Katze sehr störend sein kann.

Nach draußen darf die Katze mit dem Halsband erst, wenn sie sich daran gewöhnt hat und es beim Training in der Wohnung stressfrei trägt. „Die Katze bewegt sich normal, frisst, spielt und schläft entspannt. Sie zeigt keine Anzeichen von Stress oder Unbehagen wie ständiges Kratzen am Halsband oder einen hölzernen Gang“, beschreibt Birga Dexel die Zeichen. Natürlich sollte man vor jedem Freigang sichergehen, dass das Halsband richtig angelegt ist. Ab diesem Zeitpunkt dürfen Katzen zum ersten Mal nach draußen.

GPS-Tracker ersetzt keinen Chip

Doch auch wenn das Tier einen GPS-Tracker trägt, ersetzt das nicht das Chippen der Katze und die Registrierung, um entlaufene Tiere eindeutig identifizieren zu können und ihren Haltern zuzuordnen. Denn das Tracking per GPS hat seine Grenzen. Der Akku eines Trackers läuft nicht ewig. Es kann auch passieren, dass die Katze das Gerät verliert, etwa wenn sich der Sicherheitsverschluss des Halsbands öffnet oder sich in einem Funkloch befindet.

Letztendlich muss der Katzenhalter selbst entscheiden, ob er seinen Freigänger mit einem Halsband samt Tracker ausstatten möchte oder nicht. „Ein gut sitzendes Halsband mit zuverlässig öffnendem Notmechanismus und GPS-Tracker kann einer Katze mehr Sicherheit bringen“, fasst Peter Raehse zusammen.

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