Familien kehren Deutschland den Rücken: Unternehmer nennt vier Hauptfaktoren fürs Auswandern

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Von: Kai Hartwig

Immer mehr Menschen entscheiden sich fürs Auswandern. Ein deutscher Familienvater erläutert seine Beweggründe und nennt besonders beliebte Ziele.

Deutschland gilt seit Jahrzehnten als Zuwanderungsland. Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts wurden im Jahr 2024 von den Behörden insgesamt 1.694.192 Zuzüge registriert. Doch es gibt auch Menschen, die stattdessen den umgekehrten Weg gehen – und Deutschland den Rücken kehren. So zählte das Statistische Bundesamt 1.264.009 Menschen, die 2024 die Bundesrepublik Richtung Ausland verließen und auswanderten.

Maltas Hauptstadt Valletta ist beliebt bei Kreuzfahrtgästen und lässt sich auch einfach auf eigene Faust erkunden.
Maltas Hauptstadt Valletta. Eine deutsche Familie hat sich entschlossen, in das Land auszuwandern. © Michael Piepgras/Imago

Unter diesen waren 269.986 Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit. Damit zogen mehr Deutsche aus der Bundesrepublik weg, als deutsche Staatsbürger sich dorthin begaben (189.107). Auch Maximilian Schreiber hat sich entschlossen, Deutschland zu verlassen. Warum er diesen Schritt gemeinsam mit seiner Familie geht, erklärt der Unternehmer bei der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media.

Deutscher Familienvater wandert nach Malta aus – und erklärt seine Beweggründe

Der Verein „DIA – Deutsche im Ausland e.V.“ unterstützt laut eigenen Angaben deutschsprachige Reisende, die sich entweder nur vorübergehend oder aber für längere Zeit im Ausland aufhalten. Sei es aus privaten oder auch beruflichen Gründen. Auf der DIA-Website heißt es: „Das ‚beste‘ Land zum Auswandern gibt es nicht absolut – es hängt von den persönlichen Prioritäten ab. Für Familien mit Kindern zählen Bildungssystem und Sicherheit. Für Berufseinsteiger stehen Arbeitsmarkt und Visazugang im Vordergrund. Für Rentner sind Steuerlast, Gesundheitsversorgung und Lebenshaltungskosten entscheidend.“

Die Wahl von Maximilian Schreiber und seiner Familie fiel auf Malta. Der Inselstaat im Mittelmeer befindet sich zwischen Italiens südlicher Insel Sizilien und der nordafrikanischen Küste. Schreiber ist Unternehmer, Wirtschaftsjurist und Gründungsberater. Durch seinen Berufsalltag ist er immer wieder mit Chancen und Herausforderungen neuer Standorte konfrontiert.

Unternehmer verlässt mit Familie Deutschland – „Wer heute auswandert, macht das nicht spontan“

Bei der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media bestätigt er die Erkenntnisse des Vereins DIA. „Bildung, Steuern, Lebenshaltungskosten, Sicherheit – das sind die vier Hauptfaktoren. Alles andere ist zweitrangig“, sagt Schreiber zu den Gründen, warum Familien Deutschland verlassen.

Dies sei weniger ein Trend, sondern vielmehr eine nachhaltige Entwicklung. „Wer heute auswandert, macht das nicht spontan. Das ist in den meisten Fällen durchgerechnet und geplant“, erklärt Schreiber unserer Redaktion. „Die Voraussetzungen haben sich verändert. Durch Remote-Arbeit sind viele Familien nicht mehr an einen Standort gebunden. Gleichzeitig ist der Zugang zu Informationen deutlich besser geworden.“

Unternehmer Maximilian Schreiber
Maximilian Schreiber wandert mit seiner Familie nach Malta aus. Bei der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media erklärt der Unternehmer, warum die Schreibers diesen Schritt gehen. © Maximilian Schreiber

Diese Länder stehen bei deutschen Auswanderern besonders hoch im Kurs – Bildungssystem als wichtiger Grund

Schreiber ergänzt: „Deshalb landen viele bei ähnlichen Ländern. Schweiz, Österreich, Spanien, Portugal oder die Vereinigten Arabischen Emirate.“ Letzteres Land hat allerdings derzeit mit den Auswirkungen des Iran-Kriegs zu kämpfen. Seit Kriegsbeginn kam es immer wieder zu Angriffen des Irans auf die Vereinigten Arabischen Emirate, was dem Image des Landes gerade im Hinblick auf die Sicherheit schadet.

Doch warum ziehen die Schreibers nach Malta? Einerseits sei das Land „klein, effizient und international“, so der Unternehmer. Dank einfacher Organisation und Strukturen werden „Entscheidungen schneller getroffen, Prozesse sind klarer und es gibt weniger bürokratische Hürden“. Das zeige sich auch im Alltag, begründet Schreiber bei der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media seine Entscheidung, dorthin auszuwandern.

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Auch die Stärken des maltesischen Bildungssystems waren für die Schreibers einer der wichtigsten Gründe, in das Land zu ziehen: „Die internationale Ausrichtung ist ein großer Vorteil.“ Auf Malta werden Kinder mehrsprachig aufgezogen – aus Sicht des Unternehmers „ein handfester Wettbewerbsvorteil“.

Schaut man auf Zahlen der Europäischen Union (EU), so hat das Land mit einer Fläche von gerade einmal 316 km2 und einer Bevölkerung von nur 574.250 Menschen viel zu bieten. „Mit einem Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt von 40.900 Euro belegt Malta den neunten Platz in der Europäischen Union und liegt damit deutlich über dem EU-Durchschnitt (38.100 Euro).“ 

In Deutschland „stimmt für viele das Verhältnis nicht mehr“

Dagegen hat Deutschland laut Schreiber ein Problem: „Familien schauen sich an, was sie bekommen und was sie dafür zahlen. Und da stimmt für viele das Verhältnis nicht mehr.“ In der Bundesrepublik gebe es „hohe Abgaben, steigende Kosten und gleichzeitig Systeme, die nicht mehr zuverlässig funktionieren“, kritisiert er. „Und wenn andere Länder bessere Rahmenbedingungen bieten, wird die Entscheidung schnell rational.“

Dabei sieht Schreiber in Deutschland vor allem ein Problem bei der Umsetzung. „Es fehlt nicht an Geld, es fehlt an funktionierenden Strukturen“, glaubt er. Insbesondere im Bildungssystem habe dies negative Auswirkungen. „Dazu kommt die Bürokratie. Prozesse dauern zu lange, sind zu kompliziert und oft schlicht ineffizient. Das kostet Zeit, Geld und Nerven. Für Familien bedeutet das vor allem: unnötige Reibung im Alltag.“

Wenn Deutschland es schaffen sollte, Bürokratie deutlich abzubauen und das Bildungssystem wieder ans Laufen zu bringen, könnte sich die Zahl der Auswandernden wieder verringern. Schreiber fasst es pragmatisch zusammen: „Am Ende geht es um ein Grundprinzip: Systeme müssen funktionieren. Wenn das gegeben ist, bleiben die Menschen. Wenn nicht, gehen sie.“ (Quellen: eigene Recherche, Statistisches Bundesamt, DIA – Deutsche im Ausland e.V., Europäische Union) (kh)

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