Im Notfall gilt die 112 - überall in der EU

Im Notfall zählt jede Sekunde. In allen europäischen Ländern kann man die 112 anrufen, wenn medizinische Hilfe nötig ist. Für neue Autos gilt künftig ein neuer technischer Standard bei automatischen Notrufen.
Manchmal sind Kalender-Daten gute Eselsbrücken: An jedem Freitag, den 13., mahnen Feuerwehren und Hilfsorganisationen die Bürger, Rauchmelder in Betrieb zu nehmen. Und am 11. Februar begehen jedes Jahr Rettungsdienste und Automobilclubs den „Europäischen Tag des Notrufs 112“. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) liefert wichtige Informationen zu diesem Tag.
Seit wann gibt es die Notrufnummer 112 in Deutschland?
1973 beschlossen die Ministerpräsidenten der Bundesländer und die Bundesregierung die Einführung der bundesweit einheitlichen Notrufnummern 110 und 112. 1991 entschied auch der EU-Ministerrat, dass - teils in Ergänzung zu den nationalen Notrufnummern - die 112 in allen EU-Ländern die nächstgelegene Notrufleitstelle erreichen muss. Seit 2008 hilft die 112 kostenfrei auch aus dem Mobilfunknetz. Selbst von Mobiltelefonen ohne Guthaben kann die Notrufnummer angewählt werden.
Wie viele Notrufe werden pro Jahr in Deutschland abgesetzt?
Pro Tag werden in Deutschland durchschnittlich 70.000 bis 80.000 Notrufe abgesetzt, wie die Deutsche Telekom am Dienstag mitteilte. 2025 waren es insgesamt 31,5 Millionen. 72 Prozent aller Notrufe in Deutschland laufen über das Mobilfunk-Netz.
Was bedeutet es, dass die meisten Notrufe über das Handy eingehen?
Geht ein Notruf per Smartphone bei der 112 ein, wird der exakte Standort des oder der Anrufenden automatisch mitgeschickt und alle 20 Sekunden aktualisiert. Dadurch können Feuerwehr, Notarzt und Rettungswagen den Unglücksort sehr schnell finden. Da ein Großteil der Handys über eine Kamera verfügt, diskutieren Expertinnen und Experten, ob und wie solche Notrufe auch als Videogespräch stattfinden können. Der direkte Blick auf den Einsatzort könnte die Rettungskette entlasten oder verbessern.
Es gibt auch viele Notrufe, die von Autos automatisch abgesetzt werden.
Auch Fahrzeuge setzen Notrufe ab. 2025 lösten Fahrzeuge allein im Netz der Telekom rund 155.000 Mal Alarm aus. Seit April 2018 müssen alle neuen Fahrzeuge in der EU mit diesem Notrufsystem ausgestattet sein. eCall verbindet sich nach einem Unfall automatisch oder auf Knopfdruck mit der 112. Gleichzeitig übermittelt das System den Unfallort, die Art der Auslösung und die Fahrzeugdaten. Gerade erst haben ADAC, Telekom, Vodafone und andere Anbieter eine neue Generation von eCall-Technik vorgestellt. Statt der bisherigen 2G- und 3G-Netze werden 4G- und 5G-Netze genutzt. Damit soll Hilfe schneller ermöglicht werden.
Für Reisende ist wichtig, ob die 112 auch in anderen Ländern gilt. Wie sieht das aus?
Seit 2009 gilt die Notrufnummer 112 in allen EU-Mitgliedstaaten. Nicht alle EU-Bürgerinnen und -Bürger wissen das. Denn in 19 der 27 Länder gibt es neben der 112 weitere nationale oder regionale Notrufnummern. Deren Nutzung jedoch geht anscheinend zurück, wie ein aktueller Bericht der Europäischen Kommission nahelegt. Auch in Ländern, die nicht der EU angehören, gilt die 112, darunter etwa Großbritannien, Liechtenstein und die Schweiz.
Was fragen die Rettungsleitstellen, wenn man die 112 wählt?
Diese W-Fragen werden gestellt: Was ist passiert? Wo ist es passiert? Wann ist es passiert? Wie viele Menschen sind verletzt? Wer ruft an? Die Gesprächsführung sollte man dem Disponenten in der Leitstelle überlassen. Danach sollte man auf mögliche Rückfragen warten und nicht einfach auflegen.
Was tun, wenn der Rettungswagen unterwegs ist?
Jemand sollte die Rettungskräfte am Einsatzort in Empfang nehmen, zum Beispiel an der Straße. Schlecht ist, wenn der Rettungswagen kommt, aber etwa die Wohnung nicht finden kann. Dann gehen wertvolle Minuten verloren. Sind die Rettungskräfte da, sollen Angehörige oder Passanten sich am besten zurückhalten und nur auf die Fragen antworten, die die Rettungskräfte stellen. Sollte der Patient ins Krankenhaus gebracht werden müssen, sind insbesondere Informationen über Vorerkrankungen und eingenommene Medikamente wichtig. Auch eine Telefonnummer von Angehörigen sollte weitergegeben werden - falls vorhanden, auch eine Patientenverfügung.
Artikel der KNA
Dieser Beitrag stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Soll man bei akuten Gesundheitsproblemen immer die 112 anrufen?
Nein. Die stark vereinfachte Faustregel lautet: Besteht ein akuter oder sogar lebensbedrohlicher Notfall, sollte der Notruf 112 angerufen werden. Das gilt etwa für Atemstillstand, Schock, Herz-Kreislaufstillstand, starke Blutungen und Verbrennungen, schwere Unfallverletzungen und akute Vergiftungen.
Die Rede ist immer wieder von einer Überlastung der Rettungsdienste. Warum?
Der Notruf 112 wird durch eine Vielzahl von Anrufen belastet, die keine akuten Notfälle sind. Es gibt Menschen, die die Nummer aus vermeintlichem Spaß oder aus Einsamkeit wählen. Das Deutsche Rote Kreuz beklagte am Montag, dass die Einsatzzahlen der Rettungsdienste in den vergangenen gut 20 Jahren um zwei Drittel gestiegen seien. Das liege auch daran, dass die 112 häufig bei kleineren medizinischen Fällen gewählt werde. Vielen Bürgern ist offenbar nicht klar, dass sie auch die ärztliche Bereitschaftshotline 116117 rund um die Uhr anrufen können. Im Zweifelsfall sollte man aber die 112 anrufen. Die entsprechende Leitstelle wird dann entscheiden, ob es sich wirklich um einen medizinischen Notfall handelt oder nicht.
Besonders in ländlichen Regionen dauert es lange, bis der Rettungswagen kommt. Was tun?
Hilfsorganisationen wie die Björn-Steiger-Stiftung und die Malteser arbeiten daran, Ersthelfer-Alarmierungssysteme einzurichten - wie zum Beispiel den Gemeindenotfallsanitäter oder den „First Responder“. Damit sollen Ersthelfer, die sich in der Nähe aufhalten, über Smartphone-Apps alarmiert werden und Erste Hilfe leisten, bis der Notarzt eintrifft.
Die Bundesregierung hat eine Reform der Notfallmedizin und der Rettungsdienste angekündigt. Was bedeutet das?
Die Bereitschaftsdienstnummer 116117 und der Notruf 112 sollen über eine Akutleitstelle miteinander vernetzt werden. So sollen Anrufende direkt auf die richtige Versorgungsebene gelotst, Notaufnahmen der Krankenhäuser entlastet werden und über telemedizinische Angebote auch Bereitschaftspraxen einen Teil der Arbeit abgenommen bekommen.
Aber es gibt auch strukturelle Mängel?
Die Björn-Steiger-Stiftung kritisierte am Dienstag, dass in Deutschland täglich Menschen sterben, weil es strukturelle Probleme gebe: So seien in vielen europäischen Ländern Leitstellen bereits vollständig digital vernetzt, sie arbeiteten mit international standardisierten medizinischen Abfragesystemen und seien integraler Bestandteil der Gesundheitsversorgung. Deutschland hingegen verharre in föderalen Zuständigkeitskonflikten zwischen Kommunen und Bundesländern. Die Stiftung forderte eine vollständige Digitalisierung der Leitstellen und bundeseinheitliche Qualitätsstandards bei Ausbildung, Ausrüstung und Behandlungssicherheit.