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Bläck Fööss: Mitglieder, Titel, Geschichte ‒ alles zu den Urgesteinen des Kölner Karneval

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Von: Mick Oberbusch

Die Mitglieder der Kölschen Musikgruppe „Bläck Fööss“, 2011
Die Bläck Fööss, hier in der Besetzung von 2011, gehören zweifellos zu den wichtigsten Kölner Bands (Archivbild). © Horst Galuschka/Imago

Köln: Für viele sind die Bläck Fööss die wichtigste kölsche Band des Kölner Karneval. Seit über 50 Jahren stehen sie auf der Bühne ‒ und sind noch lange nicht fertig.

Köln ‒ Direkt zum Einstieg eine Preisfrage: Wer kann mit den Bandnamen „Singing End“, „Stowaways“ oder „The Beat Stones“ etwas anfangen? Während die meisten Kölnerinnen und Kölner wohl nun mit dem Kopf schütteln, wissen ältere Karnevalistinnen und Karnevalisten womöglich, dass sie es hier mit den Vorgänger-Bands der heute als Bläck Fööss bekannten Urgesteine aus dem Kölner Karneval zu tun haben. Denn als die „Fööss“ 1970 mit ihrer musikalischen Reise begannen, war noch nicht abzusehen, wohin es für die Band einmal gehen würde ‒ oder dass sie auf Kölsch singt. Inzwischen dauert die Mission der Band - wie auch die der Höhner - schon mehr als 50 Jahre an. Aber der Reihe nach.

Bläck Fööss: Gründungsmitglieder der Band ‒ früher durch Beatmusik bekannt

NameInstrument(e)in der Band von/bis
Tommy EngelGesang1970-1994
Erry StoklosaGesang, Gitarre, Percussionseit 1970
Bömmel LückerathGitarre, Banjo, Violineseit 1970
Hartmut PriessBass, Gitarre, Mandoline1970-2018
Franz Peter SchüttenGesang, Gitarre, Percussion1970-2017
Dieter JaenischPiano, Akkordeon1970-1974, 1977-1980

Als Ende der 60er Jahre die Beatmusik international populär wird ‒ von der Band „Beatles“ hat man möglicherweise schonmal gehört ‒, machen sich auch einige Musiker aus Köln auf, diesen Musikstil zu erobern. Unter dem Namen „Stowaways“ treten im September 1968 Hartmut Priess, Peter Schütten und Ernst „Erry“ Stoklosa bei einem Beatfestival in den Sartory-Sälen auf, wo sie den ersten Preis gewinnen.

Schnell wird die Gruppe, in den Anfangsjahren um Sänger Tommy Engel, Pianist Dieter „Joko“ Jaenisch und Gitarrist Günther „Bömmel“ Lückerath ergänzt, auch für Karnevalsveranstaltungen gebucht, wo sie die größten Hits der Beatles zum Besten gibt. Es dauert allerdings nicht lange, bis die kölsche Band beginnt, auf Karnevalslieder umzusteigen ‒ obwohl dies ursprünglich nicht als musikalisches Standbein geplant ist.

Bläck Fööss Band-Geschichte: „Drink doch eine met“ wird in den 70ern zum Erfolg

Vielmehr will man den guten Ruf der Beatgruppe „Stowaways“ nicht durch kölsche Musik „gefährden“ und legt sich unter dem Namen „De Bläck Fööss“ (bedeutet soviel wie „die nackten Füße“) ein immerhin noch englisch klingendes Pseudonym zu, unter dem man sich künftig als Kölns erste Mundart-Gruppe auf lokale Stücke konzentriert. Die erste Single mit dem Titel „Rievkooche-Walzer/Selverhuhzick“ („Reibekuchen-Walzer/Silberhochzeit) wird 1970 nur 2000 mal verkauft, ein Jahr später gelingt der Gruppe mit dem Titel „Drink doch eine met“ ihr erster großer, kölscher Erfolg.

Der Song wird 1972 veröffentlicht und kommt beim Publikum sehr gut an ‒ nur nicht bei den konsertiven Erz-Karnevalisten, weil die Gruppe mit lange Haaren, Jeans und barfuß auftritt ‒ Zu viel Rock‘n‘Roll, zu wenig Karneval. Das mit den nackten Füßen gibt man kurz darauf wieder auf (Verletzungsgefahr), den anderen Stilelementen bleiben die Musiker jedoch jedoch treu.

Bläck Fööss: Bekannt aus dem Kölner Karneval ‒ Zahlen und Fakten zur kölschen Kultband

Ab 1973 gehören die „Fööss“ dann endgültig zu den absoluten Zuschauermagneten in jeder Session. In diesem Jahr erscheint mit dem von Komponist Hans Knipp verfassten „Mer losse d‘r Dom en Kölle“ eine echte Karnevals-Hymne, die noch heute auf keiner Fastelovends-Veranstaltung fehlen darf. Ebenso erscheint 1973 mit „En unserem Veedel“ eine der wohl schönsten Hymnen der kölschen Musikgeschichte. Im selben Jahr erreicht man durch den Titelsong zur Zeichentrickserie „Wickie und die starken Männer“ deutschlandweit Bekanntheit. Die Basis der Band bleibt jedoch Kölle: Mit „Ming eetste Fründin“ (1976), dem „Buuredanz“ (1977) und „Kaffeebud“ (1978) feiert man in den 70er Jahren riesige Hits.

So richtig kommerziell erfolgreich wird die Band dann aber in den 80er Jahren. Der Titel „Katrin“ erreichte 1985 erstmals in der Band-Geschichte die deutschen Charts, das im selben Jahr veröffentlichte „Frankreich, Frankreich“ erreicht sogar Platz neun und verkauft 190.000 Einheiten. Es ist das bis heute erfolgreichste Stück der Band.

Bläck Fööss: Frankreich, Kaffeebud, Katrin und Stammbaum ‒ ihre bekanntesten Lieder (Auswahl)

Längst als Top-Adresse im Kölner Karneval etabliert, kommt es 1994 zu künstlerischen Differenzen in der Band, woraufhin Gründungsmitglied Tommy Engel die Gruppe verlässt. Ersetzt wird er vom Sänger Kafi Biermann, der bis 2016 zur Band gehören soll. Auch ohne Engel schreibt die Band ihre Erfolgsgeschichte weiter, davon zeugen Songs wie „Wenn et Leech usjing em Roxy“ (1996) oder „Mer bruche keiner“ (1998).

Zur Jahrtausendwende gelingt dann mit „Unsere Stammbaum“ im Jahr 2000 ein Hit, der sich rund um das Thema Toleranz dreht und gegen Fremdenfeindlichkeit positioniert ‒ was beweist, dass die Bläck Fööss nicht nur Partymusik machen, sondern auch weit über den Tellerrand hinausschauen. So treten sie nach 1992 auch 2012 bei der Neuauflage von „Arsch huh“ gegen rechte Gewalt auf.

Bläck Fööss 2022 ‒ aktuelle Besetzung und Instrumente der Band

NameInstrument(e)in der Band seit
Mirko BäumerGesang2017
Erry StoklosaGesang, Gitarre, Percussion1970
Bömmel LückerathGitarre, Mandoline, Violine1970
Hanz ThodamBass2019
Pit HuppertenGesang, Gitarre2017
Ralph GusoviusSchlagzeug, Akkordeon1994
Andreas WegenerPiano, Synthesizer2005
Christoph GranderathGitarre, Mandoline2020

Ende der 90er Jahre starten die Fööss dann auch mit ihren jährlichen Silvester-Konzerten in der Lanxess Arena, die Shows dauern meist um die drei bis vier Stunden und enden mit einem knallenden Feuerwerk zum Jahreswechsel. A propos Wechsel: Von den Ursprungs-Mitgliedern der Band sind aktuell nur noch „Erry“ Stoklosa und „Bömmel“ Lückerath offiziell Teil der Band, wobei letzterer 2019 nach einem Karnevalsauftritt einen Schlaganfall erlitt und mehrer Monate pausieren musste. 2017 kam mit Mirko Bäumer als Ersatz für Kafi Biermann ein neuer Sänger hinzu, seit diesem Jahr hat die Band insgesamt vier neue Mitglieder begrüßen dürfen.

Dennoch bleiben die Fööss auf Konzerten natürlich noch ihren größten Hits aus den 80er, 90er und 2000er Jahren treu und unterhalten Fans damit noch heute. Beatmusik und englische Texten sucht man auf ihren Konzerten allerdings vergebens. In Anbetracht der kölschen Hits auch nicht das Schlechteste. (ots/mo) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln, Rheinland & NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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