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„Mr. Sportschau“ ist tot: Trauer um Reporter-Legende Ernst Huberty

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Von: Benjamin Stroka

Ernst Huberty 2003 vor dem Sportschau-Logo.
Ernst Huberty war der erste Moderator der ARD-Sportschau (Archivbild von 2003). © Chai v.d. Laage/Imago

Reporter-Legende Ernst Huberty ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Huberty moderierte 1961 die allererste Sportschau und kommentierte viele große Fußballspiele.

Köln – Der langjährige „Sportschau“-Moderator und Fußballkommentator Ernst Huberty ist tot. Er starb am 24. April im Alter von 96 Jahren, wie der WDR mitteilt. Huberty moderierte am 4. Juni 1961, also vor mehr als 60 Jahren, die allererste Sportschau.

„Wir nehmen traurig Abschied von Ernst Huberty. Als „Mr. Sportschau“, wie ihn das Publikum liebevoll nannte, hat er als erster Moderator diese Sendung entscheidend geprägt: wohltuend unaufgeregt und mit großer Seriosität. Ernst Huberty bleibt uns allen nicht nur als Moderator der ‚Sportschau‘, sondern auch als Sportreporter-Legende ewig in Erinnerung“, sagte WDR-Intendant Tom Buhrow.

Vom Sportschau-Moderator zum WDR-Sportchef

Huberty wurde am 22. Februar 1927 als Sohn eines luxemburgischen Vaters in Trier geboren. 1950 begann er seine Karriere als Sportjournalist beim Südwestfunk in Baden-Baden. Dort arbeitete Huberty als Sportreporter und Moderator. 1957 zog es ihn zum WDR, wo er zunächst Teil der Redaktion der Sendung „Hier und Heute“ wurde. 1960 wechselte er dann in die WDR-Sportredaktion.

Dort wurde Huberty 1961 das Gesicht der Sportschau. Er moderierte die allererste Sendung am 4. Juni 1961 und blieb über 20 Jahre lang Moderator der Sportschau. 1963 wurde die Bundesliga gegründet und brachte dem Format noch mehr Aufmerksamkeit. Das Filmmaterial musste anfangs sogar noch von Motorradkurieren aus den Stadien zum Sender nach Köln gefahren werden. In den 1970er Jahren war die „Sportschau“ Kult. Wirklich jeder kannte Ernst Huberty mit seinem astrein gekämmten silbernen Klappscheitel. Bis zu 15 Millionen Zuschauer schalteten jedes Mal ein. Es wurde zu einem samstäglichen Ritual für Millionen Deutsche.

Huberty wurde zwischenzeitlich sogar zum WDR-Sportchef. In der Folgezeit kommentierte er auch viele Sport-Großereignisse, darunter einige legendäre Fußballländerspiele, wie das WM-Halbfinale 1970 zwischen Deutschland und Italien, die unvergessene „Wasserschlacht von Frankfurt“ zwischen Deutschland und Polen bei der WM 1974 oder die „Nacht von Belgrad“ (EM-Finale 1976).

Vom WDR abgeschoben ging es zu Premiere

1982 wurde Huberty vom WDR wegen einer zu hohen Spesenabrechnung ins Regionalprogramm abgeschoben und als Sportchef abgesetzt. Sportfans blieb er danach aber trotzdem noch erhalten. In den 1990er-Jahren wechselte Huberty zum damals noch jungen Pay-TV-Sender „Premiere“ (heute Sky) und kommentierte über mehrere Jahre Bundesliga-Spiele. 2002 sorgte er zudem für Aufsehen, als er für ein Bundesligaspiel bei Sat.1 einsprang.

Huberty gab sein Wissen und seine Erfahrung aber auch an die nächsten Generationen weiter – sogar noch bis zu seinem 87. Lebensjahr. Als Moderatoren-Coach half er schon in den 1990ern vielen späteren TV-Größen, darunter Reinhold Beckmann, Monica Lierhaus oder Oliver Welke. Eine besondere Anekdote zu Huberty erzählte Welke vor einigen Jahren in einer WDR-Hommage zu Hubertys 90. Geburtstag.

„Ich hatte mal einen Coaching-Termin mit ihm, und er kam ‚n kleinen Tick zu spät, was sehr ungewöhnlich ist, weil Ernst Huberty kommt immer superpünktlich. Mir fiel auf, dass es auf einmal ein bisschen nach Rauch roch in dem Zimmer. Und dann sagte er in seiner formvollendeten Art, er müsse sich entschuldigen, er würde ein bisschen nach Rauch riechen, sein Haus sei gestern abgebrannt.“ Er habe sich mit seiner Frau Inge gerade noch retten können. Ein Grund, den Termin abzusagen, sei das für Huberty aber natürlich nicht gewesen. (bs mit dpa-Material)

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