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Prozess-Beginn nach Standl-Rauswurf: WDR von der Klage „überrascht“

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Von: Isabel Wetzel

Die ehemalige WDR-Moderatorin Simone Standl bei dem Prozess vor dem Arbeitsgericht in Köln.
Die ehemalige WDR-Moderatorin Simone Standl bei dem Prozess vor dem Arbeitsgericht in Köln. © 24RHEIN

Moderatorin Simone Standl kämpft vor Gericht gegen ihren Rauswurf beim WDR. War es Altersdiskriminierung? Ein Termin vor dem Arbeitsgericht bringt keine Einigung.

Köln – Die ehemalige „Lokalzeit“-Moderatorin Simone Standl und der Westdeutsche Rundfunk (WDR) sind beim ersten Termin vor Gericht nicht zu einer Einigung gekommen. Standl hatte Klage gegen den öffentlich-rechtlichen Sender erhoben, nachdem sie im Sommer 2021 als Moderatorin und Nachrichtensprecherin abgesetzt worden war.

Die Moderatorin und ihr Anwalt Rolf Bietmann wollen durch das Gericht in erster Linie bestätigen lassen, dass zwischen Simone Standl und dem WDR bereits seit dem 1. März 1998 ein unbefristetes Arbeitsverhältnis besteht. Stellt das Gericht dieses Arbeitsverhältnis fest, wäre die einseitige „Beendigungserklärung“, die Standl im Oktober 2020 vom Sender bekommen hat, nicht wirksam und die Moderatorin hätte beim Sender weiterhin beschäftigt werden müssen.

Moderatorin Simone Standl klagt gegen den WDR: Arbeitnehmerin oder Freie Mitarbeiterin?

Beim ersten Termin vor dem Arbeitsgericht in Köln, der sogenannten Güteverhandlung, haben Simone Standl und ihr Anwalt am Dienstagnachmittag (16.11.2021) genau diesen Punkt noch einmal deutlich gemacht. Das Gericht soll also klären, ob bei einer über 30 Jahre fortgesetzten „festen, freien Mitarbeit“ ein Arbeitsverhältnis besteht, oder nicht. Ein Kriterium dafür ist, ob die Moderatorin und Nachrichtensprecherin beim WDR „weisungsabhängig“ tätig war. Das heißt, ob sie bezüglich Zeit, Ort oder Inhalt ihrer Tätigkeit eigene Entscheidungen treffen konnte. Durch diese kleine, aber feine Unterscheidung ergeben sich nämlich bedeutende Rechte, wie unter anderem der Kündigungsschutz, den freie Mitarbeiter nicht genießen.

Das ist ein Gütetermin/eine Güteverhandlung

Ein Gütetermin ist eine mündliche Verhandlung vor Gericht. Dabei sollen die beiden Parteien einen Vergleich schließen können. Zunächst wird dem Vorsitzenden Richter dazu der Sachverhalt geschildert. Schöffen und Zeugen werden bei einem Gütetermin nicht benötigt. Kommt es nicht zu einer Einigung, wird der Kammertermin angesetzt, bei dem der Rechtsstreit vor einem Schöffengericht und gegebenenfalls mit der Anhörung von Zeugen fortgesetzt wird.

Aus der Frage nach dem Arbeitsverhältnis ergibt sich daher gleich der zweite Punkt der Anklage von Standl gegen den WDR: Hätte die Moderatorin weiterhin beschäftigt werden müssen, stünden ihr noch Gehälter von Juli bis mindestens Oktober 2021 zu.

Moderatorin klagt nach WDR-Rauswurf: Altersdiskriminierung beim Sender?

Die Frage, ob die 59-jährige Moderatorin wegen ihres Alters beim WDR entlassen wurde, kam bei dem Gütetermin vor dem Kölner Arbeitsgericht nur kurz zur Sprache. Anwalt Bietmann erklärte, dass auch der Nachweis einer solchen Altersdiskriminierung die Beendigung des Arbeitsverhältnisses unwirksam machen würde.

Für den weiteren Verlauf des Prozesses ziehe er daher auch in Betracht, andere ehemalige Mitarbeiter des WDR als Zeugen zu benennen, die in der Vergangenheit ähnliche Erfahrungen machen mussten. Als Beispiele führte Bietmann neben Christine Westermann und Daniela Junghans unter anderem Claudia Ludwig an, deren Rauswurf 2012 für Empörung sorgte. Die damals 51-Jährige sagte schon zu dem Zeitpunkt: „Es war seit Längerem angedacht, dass der WDR gern etwas Jüngeres hätte.“ Der WDR dementiert die Vorwürfe.

Die ehemalige „Lokalzeit“-Moderatorin Simone Standl und ihr Anwalt Rolf Bietmann vor dem Arbeitsgericht in Köln.
Die ehemalige „Lokalzeit“-Moderatorin Simone Standl und ihr Anwalt Rolf Bietmann vor dem Arbeitsgericht in Köln. © 24RHEIN

Moderatorin Simone Standl gegen den WDR: Beschäftigung auf jede Sendung befristet?

Der WDR wurde am Dienstag (16.11.2021) vor Gericht von einem Anwalt des Justiziariats, also der Rechtsabteilung des Senders, vertreten. Er stellte im Prozess klar, dass aus Sicht des WDR kein festes Arbeitsverhältnis mit Simone Standl bestanden hatte, sondern lediglich eine „programmgestaltende, freie Mitarbeit“. Das bedeutet, dass Standl im rechtlichen Sinne keine Arbeitnehmerin beim WDR gewesen sei und ihr folglich auch kein Kündigungsschutz zustehe.

Der WDR-Vertreter erklärte bei der Verhandlung auch, dass an die Abrechnung der einzelnen Einsätze der Moderatorin für den WDR jeweils ein sogenannter Mitwirkendenvertrag gekoppelt war, der die Beschäftigung für jeden einzelnen Sendetag befristet habe. Die letzte Befristung sei dann am 30. Juni 2021 ausgelaufen. Simone Standl widerspricht.

Kein Kompromiss: Streit zwischen dem WDR und Ex-Moderatorin Standl geht weiter

Auf die Frage der Richterin, ob es im Vorfeld der Verhandlung zwischen den Parteien bereits Gespräche bezüglich einer einvernehmlichen Lösung des Konflikts gegeben hatte, blieb es zunächst still im Saal. Rolf Bietmann, der Anwalt von Simone Standl sagte schließlich, er habe bislang kein Vergleichsangebot vom WDR erhalten.

Der Justiziar des Senders sah zunächst gar nicht die Notwendigkeit, sich zu einigen. Man habe „das Beschäftigungsverhältnis ordnungsgemäß abgewickelt“ und bereits regen Kontakt mit dem Vorgänger von Anwalt Bietmann gehabt, erklärte er vor Gericht. Dass darauf noch eine Klage folgen sollte, habe ihn „ehrlich gesagt überrascht“.

„Gerne beim WDR weiterarbeiten“: Lokalzeit-Moderatorin Simone Standl hofft auf Einigung

Nach dem Gütetermin am Arbeitsgericht erklärte Simone Standl gegenüber 24RHEIN, was sie sich von der Klage verspricht. „Klar, ich würde gerne beim WDR weiter arbeiten“, sagte sie, je nachdem wie man sich einigen werde, könne sie sich auch weiterhin vorstellen für den Sender zu arbeiten und würde sich das auch wünschen. Außerdem sei es wichtig, ein Zeichen dafür zu setzen, dass die Fernseh- und Rundfunkanstalten mit „festen, freien Mitarbeitern“ nicht umgehen könnten, wie sie wollten – gerade nach so langjähriger Zusammenarbeit und Loyalität, wie sie bei ihr bestanden habe.

Es wurde ein neuer Termin vor der Kammer des Arbeitsgerichts für den 17. Februar 2022 angesetzt. Bis zu dem Termin findet ein weiterer Austausch auf dem Schriftweg statt. Auch im Februar kann es zunächst einen weiteren Güteversuch geben, bevor das Gericht zu einem Urteil kommt. (iwe) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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