Blick nach Sachsen-Anhalt: CSD-Organisatoren besorgt wegen AfD – „Queere Community hat Angst“

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Von: Christian Stör

Drag* March vor dem CSD
Menschen nehmen am Drag* March vor dem Brandenburger Tor teil. © Fabian Sommer/dpa

Der Berliner CSD findet zweitägig unter dem Motto „Haltung ist hot“ statt. Das Erstarken der AfD und ein raueres Klima prägen die Debatte.

Das Erstarken der AfD schwebt wie ein Damoklesschwert über dem Christopher Street Day (CSD) in Berlin. Vorstandsmitglied Thomas Hoffmann brachte es auf den Punkt: „Die Positionen dieser Partei sind eindeutig und die queere Community hat Angst“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Angesichts der AfD-Werte in den Umfragen vor der Landtagswahl Sachsen-Anhalt ist seine Sorge nur zu begründet.

Ikkimel, Sängerin, tritt am „Demokratieabend“ des Berliner Christopher Street Days (CSD) am Brandenburger Tor auf.
Ikkimel, Sängerin, tritt am „Demokratieabend“ des Berliner CSD am Brandenburger Tor auf. © Fabian Sommer/dpa

Hoffmann warnte auch allgemein vor einem raueren gesellschaftlichen Klima. „Queere Menschen stehen weltweit unter mehr Druck“, sagte er. Bestehende Rechte würden teils wieder rückabgewickelt und auch die Hasskriminalität steige an. Mit ihrem zweitägigen CSD wollten sie ein ganz klares Zeichen dagegensetzen und sagen: „Wir werden nicht kleiner, sondern größer. Wir werden nicht leiser, sondern lauter“, sagte Hoffmann. „Und zwar so lange, bis alle Menschen in Deutschland frei, sicher und selbstbestimmt leben können.“

Organisatoren des CSD: Queere Menschen stärker unter Druck

Die Organisatoren erwarten zum Berliner CSD Hunderttausende Menschen. Das Motto lautet „Haltung ist hot“. Eine angekündigte Gegendemonstration aus dem rechten Lager mit rund 100 Personen sorge ihn derzeit nicht sonderlich, sagte Hoffmann. Man gehe von geringem Zuspruch aus und stehe „in einem sehr vertrauensvollen Austausch mit der Berliner Polizei“.

Dennoch nannte er die Entwicklung „sehr besorgniserregend“: Früher habe es keine Gegendemonstrationen gegen den Berliner CSD gegeben. Dass es der rechten Bewegung 2024 in Bautzen, Leipzig und anderen Städten gelungen sei, massiv gegen CSDs zu mobilisieren, sei „wirklich eine Entwicklung, die nicht nur unserer Community Angst machen sollte, sondern allen Menschen, die in Freiheit und in Vielfalt leben wollen“.

Drag* March vor dem CSD
Organisatoren des CSD: Queere Menschen stärker unter Druck. © Fabian Sommer/dpa

Höffner zieht CSD-Wagen zurück – nach Kritik an AfD-Spende

Für zusätzliche Kontroversen sorgte im Vorfeld die Teilnahme des Möbelhauses Höffner, das in diesem Jahr erstmals mit einem eigenen Wagen beim Umzug am 25. Juli hatte mitfahren wollen. Wie der Tagesspiegel berichtete, hat sich das Unternehmen nach Kritik aus der queeren Community nun aber entschieden, doch nicht teilzunehmen. Hintergrund ist eine Spende von Höffner-Gründer und Inhaber Kurt Krieger: Im Februar war bekannt geworden, dass der Milliardär 18.000 Euro an die AfD gespendet hatte. Krieger hatte die Spende damals verteidigt und der B.Z. gesagt: „Mit meiner politischen Einstellung hat das nichts zu tun.“ Es sei zudem nicht alles falsch, was die AfD sage.

Nachdem die geplante CSD-Teilnahme des Unternehmens bekannt geworden war, entzündete sich vorwiegend in sozialen Medien Kritik an dem Widerspruch zwischen der Spende des Eigentümers und dem öffentlichen Auftritt beim CSD; auch das queere Berliner Stadtmagazin Siegessäule berichtete darüber. „Der Christopher Street Day ist ein starkes Zeichen für Vielfalt, Respekt, Gleichberechtigung und Zusammenhalt“, erklärte Höffner dem Tagesspiegel. „Wir möchten nicht, dass dieser Fokus durch eine Debatte über unsere Teilnahme verschoben wird.“

Der Schriftzug an einem Schild der U-Bahn-Station Alexanderplatz wurde im Rahmen des CSD in „Alex (m/w/d/x)“ umbenannt.
Der Schriftzug an einem Schild der U-Bahn-Station Alexanderplatz wurde im Rahmen des CSD in „Alex (m/w/d/x)“ umbenannt. © Fabian Sommer/dpa

CSD-Vorstand hatte Höffner-Teilnahme wegen AfD-Spende zunächst abgelehnt

Das Unternehmen betonte zugleich, an seiner grundsätzlichen Haltung festzuhalten: „Unsere Haltung bleibt jedoch unverändert: Wir stehen weiterhin an der Seite der LGBTQIA+-Community und setzen uns für ein respektvolles, offenes und vielfältiges Miteinander ein.“ Man engagiere sich seit Jahren für queere Menschen, etwa beim Lesbisch-schwulen Stadtfest in Schöneberg, bei der „Gay Night at the Zoo“ oder durch Spenden an Initiativen wie die Gala „Künstler gegen Aids“: „Vielfalt verdient nicht nur Sichtbarkeit, sondern nachhaltige Unterstützung“. Die Entscheidung sei dem Unternehmen schwergefallen, besonders bedauere man dies „für unsere Kolleg:innen, die sich mit großem Engagement auf diesen Tag gefreut haben“.

Der CSD-Vorstand hatte die Teilnahme Höffners zunächst wegen Kriegers AfD-Spende abgelehnt. „Der Berliner CSD lehnt die AfD und ihre politischen Ziele entschieden ab“, stellte der Vorstand klar. Nach erneuter Prüfung des Einzelfalls hatte der Vorstand den Wagen schließlich doch zugelassen. Ausschlaggebend gewesen seien „das langjährige Engagement des Unternehmens, Gespräche mit der Geschäftsführung sowie mit queeren Mitarbeitenden, die sich aktiv an uns gewandt haben“. Das Unternehmen habe damit „eine Haltung gezeigt, die klar im Widerspruch zu der Spende ihres Eigentümers steht“. Der Vorstand räumte ein, dass „viele Menschen diese Abwägung anders bewertet haben“, und kündigte an, die Teilnahmebedingungen künftig weiterzuentwickeln: „Unser Ziel bleibt, Menschen und Strukturen zu stärken, die sich innerhalb ihrer Unternehmen für Vielfalt, Demokratie und queere Sichtbarkeit einsetzen.“ (Quellen: dpa, Tagesspiegel) (cs)

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