Iran-Krieg spitzt sich in Hormus-Straße zu – BRICS stellen eindeutige Forderung: „Maximale Zurückhaltung“

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Von: Felix Busjaeger

Ein Toter nach dem Angriff auf ein iranisches Containerschiff: Der Iran-Krieg gefährdet Seewege und treibt Öl-, Gas- und Transportpreise.

Update: Mit einem Treffen im Oman soll nach iranischen Angaben eine Lösung für den anhaltenden Konflikt um die Straße von Hormus gesucht werden – einen zentralen Streitpunkt im Krieg. Irans Präsident Massud Peseschkian zufolge wollen der Iran und Oman am Montag in der omanischen Hauptstadt Maskat ein Abkommen über neue Schiffsrouten durch die Meerenge unterzeichnen. Auch die arabischen Golfstaaten seien eingeladen, um über die Einzelheiten der Vereinbarung informiert zu werden, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Mehr. Bahrain will das Treffen boykottieren.

Eine rasche Öffnung der Meerenge für die internationale Schifffahrt wird allerdings nicht erwartet. Nach iranischen Angaben müssten die USA dem Abkommen zunächst zustimmen – unter den Bedingungen, dass die amerikanische Seeblockade und die militärischen Einsätze der US-Streitkräfte beendet werden. Das regionale Treffen im größeren Kreis könnte der Vereinbarung dennoch zusätzliches Gewicht verleihen und eine mögliche Einigung zwischen Teheran und Washington voranbringen.

Erstmeldung: Bei einem Angriff auf ein iranisches Containerschiff nahe der Insel Hengam in der Straße von Hormus ist am Sonntagmorgen ein Besatzungsmitglied getötet worden, vier weitere wurden verletzt. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna erfolgte die Attacke durch ein „unbekanntes Projektil“. Zuvor hatte bereits die britische Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO) über einen Angriff in der Meerenge berichtet; ob es sich um denselben Vorfall handelt, blieb zunächst unklar.

Iran-Krieg - Straße von Hormus
Die Straße von Hormus ist inzwischen der zentrale Streitpunkt im Iran-Krieg. (Archivbild) © Vahid Salemi/AP/dpa

Die Straße von Hormus gilt im aktuellen Iran-Krieg längst als zentraler Streitpunkt im Krieg zwischen den USA und Teheran. Der Iran blockiert die wichtigste Passage für Öl-, Flüssiggas- und Düngerexporte weitgehend. Als Vergeltung für iranische Raketenangriffe verhängte US-Präsident Donald Trump die „Tanker für Tanker“-Doktrin, im Rahmen derer das US-Militär inzwischen auch zivile iranische Schiffe angreift. Wegen der Blockade und der steigenden US-Preise steht Trump vor den wichtigen Parlamentswahlen im November innenpolitisch stark unter Druck.

Lage im Nahen Osten aktuell angespannt: Iran-Krieg und Huthi-Konflikt sorgen für Chaos

Parallel zur aktuellen Lage im Iran-Krieg verschärft sich die Lage im Jemen und an der Meerenge Bab al-Mandab drastisch. Nach einem raschen Vormarsch entlang der Westküste eroberten die proiranischen Huthi zuletzt die Distrikte Hays und Al-Khawkhah, die Hafenstadt Mokka sowie den Küstenort Dhubab und die strategisch wichtige Insel Perim. Durch die Kontrolle dieser knapp 20 Kilometer breiten Meeresstraße droht der Miliz die faktische Blockade einer Handelsroute, über die 10 bis 15 Prozent des weltweiten Schiffsverkehrs laufen. Eine direkte Bitte des saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman um militärische Unterstützung lehnten die USA jedoch ab.

Im Jemen herrschte nach dem jüngsten Vormarsch der Huthi eine angespannte Ruhe. Eine Hauptstraße zur zuvor umkämpften Stadt Tais sei wieder geöffnet, hieß es aus örtlichen und aus Militärkreisen. Die Huthi-Miliz hatte Stellungen der Regierungstruppen dort zuvor angegriffen, die Hafenstadt Mokka westlich von Tais eingenommen und kontrolliert inzwischen die gesamte Westküste des Landes. Regierungstruppen griffen den Militärquellen zufolge erneut Huthi-Ziele im Raum von Tais an. Auch der Huthi-Fernsehsender Al-Masirah berichtete, Saudi-Arabien habe dort Ziele bombardiert. Das Königreich unterstützt die international anerkannte Regierung im Jemen im Kampf gegen die Iran-treue Miliz. 

Die Huthi griffen zuletzt den saudi-arabischen Armeestützpunkt Scharurah mit Drohnen und Raketen an und feuerten Projektile auf die Grenzregion Dschasan, wobei zwei Menschen verletzt und eine Moschee beschädigt wurden. Saudi-Arabien reagierte mit 129 Luftangriffen innerhalb von 48 Stunden auf Huthi-Gebiete. Zudem wurden Grenzübergänge im Irak schrittweise wieder geöffnet, nachdem dort zuvor Startvorrichtungen für Drohnen entdeckt worden waren, die für Angriffe auf die saudi-arabische Ost-West-Pipeline verantwortlich gemacht werden.

„Am Ende braucht es für die Huthis nicht viel, um den Schiffsverkehr durch die Meerenge Bab al-Mandab abzuschnüren“, sagte Philipp Dienstbier, Leiter des Regionalprogramms Golf-Staaten der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, dem Tagesspiegel. „Allein die abstrakte Gefahr, dass Schiffe von Drohnen oder Raketen der Miliz beschädigt werden könnten, reicht oft aus, damit Schiffsversicherer keine Police ausstellen und Reedereien ihre Schiffe auf alternative Routen schicken.“

„Maximale Zurückhaltung“ gefordert: BRICS-Staaten werden wegen aktuellem Iran-Krieg deutlich

Beim BRICS-Gipfel im indischen Neu-Delhi riefen die Mitgliedstaaten, darunter der Iran und Saudi-Arabien, in einer gemeinsamen Erklärung zu „maximaler Zurückhaltung“ im Nahen Osten auf. Zugleich kritisierten sie „einseitige Zwangsmaßnahmen“ und Sanktionen. Am Rande des Gipfels trafen sich der emiratische Staatspräsident Mohammed bin Sajid und Irans Präsident Massud Peseschkian zu ersten Deeskalationsgesprächen seit Konfliktbeginn. Zudem planen die Golfstaaten und der Iran ein Krisentreffen im Oman, um neue Schiffsrouten in der Straße von Hormus zu verhandeln.

Die wirtschaftlichen und humanitären Folgen sind immens. „Die Folgen gehen weit über steigende Öl- und Gaspreise hinaus“, erklärte der geopolitische Analyst Marc Saxer laut Tagesspiegel. „Unterbrechungen bei den Düngemittelexporten könnten eine Lebensmittelkrise auslösen, während Engpässe bei Helium und petrochemischen Rohstoffen die Produktion von Halbleitern und Batterien beeinträchtigen könnten.“ Die Chefin der Linkspartei, Ines Schwerdtner, wurde laut Tagesschau deutlich: „Während die internationale Diplomatie versagt, sollen die Menschen hier die Rechnung an der Tankstelle bezahlen. Gleichzeitig drehen die Ölkonzerne unkontrolliert an der Preisschraube und verdienen Milliarden an der Krise.“

Wegen der Bedrohung der Seewege müssen viele Handelsschiffe den enormen Umweg um das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas nehmen, was die Transportzeiten um einen Monat verlängert und die Frachtkosten massiv erhöht. Der Rohölpreis der Sorte Brent stieg auf fast 110 US-Dollar. In Deutschland kletterten die Dieselpreise stellenweise auf bis zu 2,58 Euro pro Liter. Im Jemen wurden durch die Kämpfe bereits über 1.000 Menschen getötet oder verletzt und mehr als 76.000 Personen vertrieben. (Quellen: dpa, afp, Tagesspiegel, Guardian, Tagesschau) (fbu)

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