Aktuelle Eskalation im Iran-Krieg: Teheran schwört Rache – US-Militärchefs zweifeln an Trumps Kurs
Teheran verurteilt die aktuellen Angriffe im Iran-Krieg, die IRGC kündigen Vergeltung an. Pentagon-Interna zeigen: Militärchefs warnen vor Überdehnung der Streitkräfte.
Das iranische Außenministerium hat die jüngsten US-Luftangriffe auf die Insel Larak in der Straße von Hormus scharf verurteilt. In einer auf Telegram veröffentlichten Stellungnahme erklärte das Ministerium, bei den Angriffen seien mehrere Angehörige der eigenen Streitkräfte getötet worden. Die Revolutionsgarden (IRGC) bezeichneten die US-Attacke als „Akt der Aggression“ und kündigten Vergeltung an. „Dies wird mit der Bestrafung des Aggressors beantwortet“, hieß es in einer von iranischen Staatsmedien verbreiteten IRGC-Erklärung.

Angesichts der aktuellen Angriffe im Iran-Krieg erklärte Präsident Masoud Pezeshkian laut Al Jazeera, Teheran sei „nicht auf der Suche nach Krieg“, werde aber „niemals tatenlos angesichts von Aggression“ zusehen. Er äußerte sich damit erstmals öffentlich zu den Angriffen, bevor er zu einem Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit nach Bischkek abreiste.
Iran-Krieg aktuell: USA greifen erneut in der Straße von Hormus an
Die aktuellen Angriffe im Iran-Krieg waren die ersten bekannten US-Attacken auf iranisches Territorium seit Ende Juli. Das für die Region zuständige US-Militärkommando Centcom teilte auf der Plattform X mit, US-Streitkräfte hätten „begrenzte, gezielte Maßnahmen“ gegen Minenlege-Einheiten der Revolutionsgarden ergriffen, die eine unmittelbare Bedrohung in der Straße von Hormus dargestellt hätten.
Centcom-Sprecher Captain Tim Hawkins erklärte gegenüber Newsweek: „In der vergangenen Woche hat Centcom die Räumung von Seeminen aus den internationalen Schifffahrtsrouten der Meerenge abgeschlossen. Die US-Streitkräfte überwachen das Gebiet genau und sind weiterhin bereit, den freien Warenfluss durch diesen wichtigen Seeweg zu schützen.“ Mitglieder der Revolutionsgarden seien dabei beobachtet worden, wie sie Raketen mit Seeminen in die Meerenge abfeuern wollten, hieß es weiter. Die USA nahmen dabei zwei Raketenabschussrampen auf Larak ins Visier, berichteten Axios, Fox News und CBS News unter Berufung auf einen US-Beamten.
Als Reaktion auf die Angriffe im aktuellen Iran-Krieg nahmen die Revolutionsgarden im Rahmen der Operation „Bestrafung des Aggressors“ die US-genutzten Luftwaffenstützpunkte King Hussein und Al-Asrak in Jordanien ins Visier. Das Königreich meldete, acht in den Luftraum eingedrungene Raketen abgefangen und zerstört zu haben, „bevor sie eine Gefahr für Bürger oder Eigentum hätten werden können“. Ein von CNN zitierter US-Beamter bestätigte dies; es seien bislang keine Einschläge gemeldet worden. Am Montag meldete der Iran zudem einen Drohnenangriff auf den US-genutzten Stützpunkt Al-Minhad in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Sorge wegen Lage im aktuellen Iran-Krieg: Trumps Militärs schlagen Alarm
Kurz vor der jüngsten Eskalation im aktuellen Iran-Krieg waren Warnungen aus dem US-Militär bekannt geworden. Laut Washington Post haben die Chefs von Armee, Marine und Luftwaffe bereits Mitte August im „Secretary of Defense Orders Book“ (SDOB) darauf hingewiesen, dass eine Verlängerung großangelegter Operationen die Fähigkeit der US-Streitkräfte gefährde, Bedrohungen an anderen Orten zu begegnen. Auch die Kommandeure der US-Einsatzkommandos für Europa, Asien und Lateinamerika schlossen sich dieser Einschätzung an.
Sie reagierten dem Bericht zufolge mit einer im SDOB als „Non-Concur“ bezeichneten Stellungnahme. Das US-Zentralkommando halte seit Monaten eine Streitmacht von mehr als 50.000 Soldaten in Alarmbereitschaft, heißt es in dem Bericht. Insbesondere die Marine habe ihre Kapazitäten bis an die Grenzen ausreizen müssen. Der Tenor der militärischen Führung lautet dem Bericht zufolge, die andauernde Iran-Operation habe „zu viel und zu lange“ gedauert.
Das Pentagon dementierte den Bericht zumindest in Teilen. „Vieles davon ist schlichtweg falsch“, schrieb Pentagon-Sprecher Sean Parnell auf der Plattform X. Er betonte zudem, dass die Veröffentlichung streng geheimer Lageberichte ein „Verbrechen“ sei. Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur bezeichnete Parnell den Artikel als „einen schlecht recherchierten Bericht voller Ungenauigkeiten“. Zu internen operativen Abläufen oder bestimmten Risikobewertungen wolle er sich nicht öffentlich äußern.
Straße von Hormus: Trump gerät immer mehr unter Druck
Die Straße von Hormus bleibt der zentrale Streitpunkt des nun seit sechs Monaten andauernden Konflikts. Vor Beginn des aktuellen Iran-Kriegs im Februar passierte rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls die Meerenge. Trotz wiederholter Behauptungen von US-Präsident Donald Trump, die Durchfahrt sei vollständig gesichert, liegt der Schiffsverkehr weiterhin deutlich unter dem Vorkriegsniveau. Laut der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) wurden seit Kriegsbeginn mindestens 71 Angriffe auf Schiffe registriert, bei denen 19 Handelsschiffer ums Leben kamen. (Quellen: Al Jazeera, Washington Post, Axios, Newsweek, dpa, AFP) (fbu)