Massaker in Al-Faschir: Satellitenbilder enthüllen Ausmaß – Regierungschef fordert Uno-Ermittlungen
Die RSF-Miliz hat in Faschir ein Massaker verübt. Satellitenbilder lassen vermuten, dass die meisten Einwohner tot oder verschleppt sind. Nun werden Konsequenzen gefordert.
Al-Faschir – Satellitenbilder aus dem Weltraum offenbaren das ganze Ausmaß der Tragödie: 31 Ansammlungen von Objekten, die menschlichen Körpern ähneln, haben Forscher der US-Universität Yale in der sudanesischen Stadt Al-Faschir identifiziert – verteilt über Wohngebiete, Universitätsgelände und Militärstandorten. Die wissenschaftlichen Aufnahmen lieferten am Wochenende erschreckende Hinweise für das, was Augenzeugen als „Szenen eines Völkermords“ beschreiben.

Von den ursprünglich 260.000 Einwohnern der Stadt konnten nach UN-Angaben nur 65.000 Menschen fliehen, nachdem die RSF-Miliz Al-Faschir Ende Oktober nach 18-monatiger Belagerung eingenommen hatte. Zehntausende bleiben in der Stadt gefangen – ihr Schicksal ungewiss. „Wo sind all die Vermissten, die bereits monatelang Hunger und Gewalt in Al-Faschir überlebt haben?“, fragt Michel Olivier Lacharite von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Die wahrscheinlichste und erschreckende Antwort sei, „dass sie getötet werden“, wenn sie zu fliehen versuchten. Regierungschef Idris fordert Konsequenzen.
Krieg im Sudan: Nach Massaker fordert Regierungschef Ermittlungen
Die Indizien, dass die Gewalt in Al-Faschir dramatische Ausmaße annimmt, hatten sich in den vergangenen Tagen verdichtet. Die Wissenschaftler der Yale identifizierten zwischen Montag und Freitag vergangener Woche insgesamt 31 Ansammlungen von Objekten, die menschlichen Körpern ähneln – in Wohngebieten, auf dem Universitätsgelände und an Militärstandorten. Die Bilder gäben Anlass zur Annahme, dass die meisten Einwohner getötet oder gefangen genommen worden seien oder sich versteckt hielten.
Der sudanesische Regierungschef Kamil Idris fordert nun internationale Konsequenzen. „Sämtliche Verbrechen müssen juristisch verfolgt werden – auch international“, sagte Idris der Schweizer Zeitung Blick. Er rief am Wochenende die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen dazu auf, die RSF als terroristische Organisation einzustufen und gegen sie vorzugehen. Einen Uno-Friedenstruppeneinsatz lehnt der Regierungschef jedoch ab: „Internationale Truppen würden die Souveränität und die territoriale Integrität unseres Landes verletzen.“
Die RSF-Miliz hatte Al-Faschir am 26. Oktober nach rund 18 Monaten Belagerung eingenommen. Einen Tag später zog sich die sudanesische Armee aus der Region Darfur zurück. Die sudanesische Armee warf der RSF-Miliz vor, mehr als 2.000 unbewaffnete Zivilisten hingerichtet zu haben. Augenzeugen, die aus der Stadt geflohen waren, berichteten der Nachrichtenagentur AFP von „Szenen eines Völkermords“.
„Schreckliche Massengräueltaten und Morde“: Gravierende Folgen des Kriegs im Sudan
Das Ausmaß der humanitären Katastrophe wird durch die Zahlen verdeutlicht: Nach UN-Angaben konnten 65.000 Menschen aus Al-Faschir fliehen, Zehntausende sind jedoch weiterhin in der Stadt gefangen. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) sprach von „schrecklichen Massengräueltaten und Morden“, die sowohl willkürlich als auch ethnisch motiviert seien. Mit der Einnahme von Al-Faschir kontrolliert die RSF alle fünf größeren Städte in Darfur. Damit ist der Sudan faktisch geteilt: Die Miliz beherrscht den Süden, die Armee den Norden, Osten und das Zentrum.
Die RSF hat eine Konkurrenzregierung gegründet und drängt in die Region Kordofan vor, wo sie laut UN ebenfalls Gräueltaten beging. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) bezeichnete bei einer Sicherheitskonferenz in Bahrain die Lage im Sudan als apokalyptisch und sprach von „der größten humanitären Krise der Welt“. Seine britische Amtskollegin Yvette Cooper nannte die Berichte aus Darfur „wirklich schrecklich“ und prangerte Gräueltaten, Massenhinrichtungen, Aushungern und Vergewaltigung an. Großbritannien versprach Finanzhilfen in Höhe von fünf Millionen Pfund für den Sudan.
Der Konflikt zwischen der Armee von Militärherrscher Abdel Fattah al-Burhan und der RSF-Miliz seines früheren Stellvertreters Mohamed Hamdan Daglo begann im April 2023. Seitdem starben Zehntausende Menschen, rund zwölf Millionen mussten fliehen.
Die UN sieht die Lage als derzeit schwerste humanitäre Krise weltweit. (Quellen: dpa, AFP, Blick, Zeit, Spiegel) (fbu)