Nordsee-Gipfel in Hamburg: Merz will Weichenstellung bei Windkraft und Wasserstoff

Erstellt:

Von: Felix Busjaeger

In Hamburg findet der Nordsee-Gipfel statt. Laut IG Metall droht ohne echte Aufträge für Offshore-Wind der „Offshore-Zug radikal an uns vorbei“ zu fahren. 

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat am Montag zum dritten Nordsee-Gipfel nach Hamburg geladen, um die Energie-Partnerschaft der Anrainerstaaten zu intensivieren. Im Rathaus versammeln sich Staats- und Regierungschefs sowie Energieminister aus neun Nordsee-Ländern, um über die Zukunft der maritimen Energiegewinnung zu beraten.

Windkraft auf See
Beim Nordsee-Gipfel in Hamburg stehen Offshore-Windparks im Fokus. (Archivbild) © Sina Schuldt/dpa

Das ambitionierte Ziel von Friedrich Merz ist klar definiert: Die Nordsee soll zum „größten Reservoir für saubere Energie weltweit“ werden. Der Gipfel fokussiert sich auf den grenzüberschreitenden Ausbau der Offshore-Windenergie, die Entwicklung des Wasserstoffmarkts und den Aufbau einer leistungsfähigen, vernetzten Offshore-Infrastruktur im gesamten Nordseeraum, die „ambitioniert“ vorangetrieben werden soll.

Nordsee-Gipfel in Hamburg: Merz plant Weichenstellung für Energiepolitik

Den Windparks auf See kommt eine zentrale Rolle beim Erreichen der Klimaziele zu, ebenso wie dem Einsatz von Wasserstoff als Ersatz für fossile Energien. Zusätzlich steht die Vernetzung von Windparks für einen verstärkten internationalen Stromhandel auf der Agenda. Dem Kanzler zufolge sollen in Hamburg die Weichen gestellt werden, um grenzüberschreitende Energieerzeugung und –transport zu ermöglichen.

Hamburg präsentiert sich als idealer Gastgeber für das hochkarätige Treffen. Der Senat begründet die Standortwahl damit, dass Hamburg „als einer der wichtigsten Wirtschaftsstandorte Europas sowie als Zentrum für die Windenergie- und Wasserstoffwirtschaft der richtige Standort für den Nordsee-Gipfel“ sei. Zwei Drittel der deutschen Offshore-Windprojekte werden aus der Hansestadt gesteuert. Zudem ist Hamburg mit Leuchtturmprojekten wie dem geplanten Wasserstoff-Groß-Elektrolyseur in Moorfleet Vorreiter in der Wasserstoffwirtschaft.

Zu den prominenten Teilnehmern zählen der belgische Premier Bart De Wever, die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sowie die Regierungschefs von Irland, Luxemburg, Norwegen und den Niederlanden – Micheál Martin, Luc Frieden, Jonas Gahr Støre und Dick Schoof. Nicht dabei sind Großbritanniens Premier Keir Starmer und der französische Präsident Emmanuel Macron, jedoch werden die Energieminister aller neun Nordsee-Anrainerstaaten erwartet.

Nordsee-Gipfel in Hamburg: Erwartungen an Treffen hoch

Das Programm beim Nordsee-Gipfel in Hamburg ist dicht getaktet: Die Energieministerinnen und -minister kommen bereits am Sonntagabend zu einem gemeinsamen Abendessen zusammen. Die Staats- und Regierungschefs werden vom Bundeskanzler am Montag zunächst im Baakenhafen empfangen, wo eine Besichtigung des Mehrzweckschiffs „Neuwerk“ auf dem Programm steht. Anschließend folgt eine Arbeitssitzung im Rathaus sowie eine gemeinsame Stakeholderkonferenz mit über 100 Wirtschaftsvertretern.

Doch die Erwartungen an konkrete Ergebnisse sind hoch. Die IG Metall Küste übt bereits im Vorfeld Druck auf die Bundesregierung aus. „Da dürfen der Bundeskanzler und die Wirtschaftsministerin auf dem Gipfel nicht schöne Ankündigungen oder gute Erklärungen mitbringen, sondern müssen tatsächlich Aufträge liefern“, fordert Daniel Friedrich, Chef der IG Metall Küste. Da müsse es jetzt endlich einen Durchbruch geben, „weil irgendwann fährt ansonsten dieser Offshore-Zug radikal an uns vorbei“.

Friedrich sagte, im Moment nehme er viel Unruhe in der Branche wahr. Dazu beigetragen habe auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), als sie erklärt hatte, dass künftig im Land nicht mehr so viel Strom gebraucht werde. „Ich finde, die Ministerin sollte eigentlich den Ansatz haben, dass sie in ganz Deutschland guten, günstigen, verlässlichen Strom sicherstellen will – deswegen brauchen wir auch den Ausbau“, sagte der Gewerkschafter.

Nordsee-Gipfel in Hamburg: Umweltminister pochen auf klares Windkraft-Bekenntnis

Vor dem Nordsee-Gipfel in Hamburg haben die Umweltminister von Niedersachsen und Schleswig-Holstein auf ein klares Bekenntnis zu den Windkraft-Ausbauzielen in der Nordsee gedrängt. Deutschland müsse zudem die Ausschreibungsregeln für Offshore-Windkraftanlagen dringend reformieren, damit die Windflächen für die Bieter wieder attraktiver werden, teilte das Ministerium in Kiel mit.

„Die Bundesregierung hat die längst überfällige Überarbeitung des Ausschreibungs-Designs bislang völlig verschlafen“, sagte Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt (Die Grünen). Der Stillstand im Bundeswirtschaftsministerium müsse enden, sonst drohe ein kostspieliger Rückschlag beim Offshore-Ausbau. Er hoffe, der Gipfel in Hamburg werde ein „Weckruf“ für die Energiewendepolitik. (Quellen: dpa, MOPO) (fbu)

Kommentare

$Teilen