Papst Franziskus soll Tätern helfen – Aktivistinnen erheben schwere Vorwürfe
Franziskus trägt das Image des Reformer-Papstes. Aktivistinnen werfen ihm jedoch vor, Missbrauchs-Täter systematisch zu schützen.
Vatikanstadt – Das erste Mal hat Papst Franziskus sich 2014 für Missbrauchsfälle durch katholische Geistliche entschuldigt. Zuletzt bat er 2022 nach zahlreichen Leichenfunden in Kanada Gott um Vergebung für die Vergehen an indigenen Kindern in Christianisierungs-Internaten. Beim „Anti-Missbrauchsgipfel“ 2019 präsentierte der Papst sich mit einer 21-Punkte-Liste als Reformer. Der Guardian berichtet nun von Aktivistinnen, die Franziskus vorwerfen, wegzusehen, ja Täter gegenüber Misshandelten sogar zu bevorzugen.
Anne Barrett Doyle, Mitbegründerin von „Bishop Accountability“, einem Online-Archiv zur Dokumentation von Missbrauchsfällen der katholischen Kirche, spricht laut Guardian von einem „Muster“. Der Papst widersetze sich tatsächlichen Reformen. Zehn Fälle seit 2019 würden zeigen, dass Franziskus die Interessen beschuldigter Geistlicher über die der Betroffenen stelle. Der slowenische Priester Marko Rupnik etwa sei 2020 nach Vorwürfen sexueller und psychologischer Übergriffe gegen Nonnen exkommuniziert, 2023 jedoch wieder in einer Diozöse aufgenommen worden.

Aktivistin: Papst sieht bei Missbrauch weg
Der Guardian zitiert auch die Aktivistin Doris Reisinger, die sich unter anderem mit Fällen befasst hat, bei denen Priester Nonnen zu Abtreibungen gezwungen haben. Der Papst habe den Missbrauch von Nonnen zwar zugegeben, aber keine Konsequenzen daraus gezogen. Im Gegenteil: Während er Abtreibungen öffentlich verurteile, verschließe er die Augen vor Priestern, die Nonnen zu Abtreibungen zwingen. Diese würden ihre Schicksale größtenteils verschweigen, weil sie riskieren, aus ihren Orden ausgeschlossen und obdachlos zu werden.
Doris Reisinger hatte sich bereits im Fall von Benedikt XVI. dafür starkgemacht, den Ruf vom Papst als Chefaufklärer nicht zu glauben. Joseph Ratzinger hat in seiner Zeit als Erzbischof von München und Freising mutmaßlich von Missbrauchsfällen durch einen Priester gewusst und ist untätig geblieben.

Personalentscheidungen helfen Tätern
Auch Papst Franziskus scheint bei Personalfragen nicht so genau hinzusehen. Die Organisation „Bishop Accountability“ hat schon vergangenes Jahr eine Entscheidung des Papstes kritisiert. Franziskus hatte den Erzbischof von La Plata in Argentinien, Monsignore Victor Manuel Fernández, zum Präfekten des Dikasteriums für Glaubenslehre ernannt. Zu dessen Aufgaben gehört auch die Aufarbeitung von Vorwürfen sexuellen Missbrauchs gegen Geistliche. Fernández habe in der Vergangenheit einen mehrfach beschuldigten Priester in La Plata unterstützt und weiterarbeiten lassen. (ses)