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Acht Punkte in Flensburg: Polizei stoppt rasenden Lkw-Fahrer auf der A1

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Auf der A1 bei Greven stoppt die Polizei einen Lkw-Fahrer und stellt gleich mehrere Verkehrsverstöße fest. Der Mann verliert seinen Führerschein.

Greven/Münster – Die Polizei Münster hat einen Lkw-Fahrer aus dem Verkehr gezogen – seinen Führerschein wird der wohl nicht so schnell wiedersehen. Auf dem Rastplatz „Kroner Heide“ an der A1 bei Greven in Nordrhein-Westfalen haben die Beamten am Montagvormittag nämlich nicht nur einen Verkehrsverstoß „enthüllt“, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht.

Insgesamt zehn Geschwindigkeitsverstöße des 26-jährigen Fahrers haben die Beamten der Polizei Münster festgestellt. „Beim Auslesen der Daten des digitalen Fahrtenschreibers entdeckten die Beamten für die letzten acht Wochen unter anderem zehn Geschwindigkeitsüberschreitungen, für die Bußgelder in Höhe von 140 oder 175 Euro sowie Punkte in Flensburg vorgesehen sind“, teilte die Polizei mit.

Lkw-Fahrer verliert Führerschein – Polizei liest digitalen Fahrtenschreiber aus

Zwei dieser Verstöße – mit Geschwindigkeiten von jeweils 122 km/h und 123 km/h – seien dabei sogar mit einem Bußgeld von 255 Euro pro Verstoß sowie einem Fahrverbot festgeschrieben. In der Summe, so teilte die Polizei Münster mit, führe dies „wahrscheinlich“ dazu, dass der Lkw-Fahrer „seinen Führerschein aufgrund der 8-Punkte-Grenze verlieren wird“.

Der digitale Fahrtenschreiber funktioniert dabei wie folgt: Er enthält einen Chip, der die Fahr- und Arbeitszeiten des jeweiligen Fahrers für 28 Tage speichert. Ein digitaler Tachograph archiviert diese Informationen dann für 365 Tage. Darüber hinaus erfasst er für 24 Stunden alle Geschwindigkeiten sekundengenau sowie Geschwindigkeitsüberschreitungen. Dem Lkw-Fahrer auf der A1 bei Greven wurde dies zum Verhängnis.

Allgemeine Verkehrskontrolle: Polizei entdeckt Verkehrssünder

Wie Polizeisprecherin Vanessa Arlt im Gespräch mit wa.de erklärte, habe sich der Lkw-Fahrer im Vorfeld nicht auffällig verhalten. „Die Kollegen haben eine allgemeine Verkehrskontrolle durchgeführt“, sagte sie. Dabei hätten die Beamten den 26-Jährigen dann routinemäßig kontrolliert – und aus dem Verkehr gezogen.

„Da wir den Fahrtenschreiber ausgelesen haben, können wir für jeden Verstoß einen neuen Tatentschluss nachweisen“, sagte Polizeisprecherin Arlt. Was dazu führen dürfte, dass der Lkw-Fahrer nun für eine ziemlich lange Zeit ohne Führerschein auskommen muss. Vor etwas mehr als acht Jahren hätte das vielleicht noch anders ausgesehen.

Bußgeldkatalog-Reform: Acht Punkte in Flensburg reichen, um den Führerschein zu verlieren

Zur bisher größten Reform des Bußgeldkatalogs kam es nämlich am 1. Mai 2014. Die über 50 Jahre alte Punktekartei veränderte sich grundlegend – aus dem Verkehrszentralregister (VZR) wurde das Fahreignungsregister (FAER). Eine der zahlreichen Neuerungen im Flensburger Punktesystem: „Statt ab 18 Punkten wird der Führerschein nun bereits ab 8 Punkten entzogen. Im Gegenzug werden Verkehrsverstöße nicht mehr mit bis zu 7 Punkten, sondern ‚lediglich‘ mit 1 bis 3 Punkten geahndet.“

Punkte, so schreibt es das Portal bussgeldkatalog.org weiter, gebe es seit der Reform „im Wesentlichen auch nur noch für Verstöße, die im Zusammenhang mit der Verkehrssicherheit stehen.“ Diese Grenze der acht Punkte hat der Lkw-Fahrer, den die Polizei auf der A1 bei Greven stoppte, erreicht. Die entsprechenden Konsequenzen gehen ebenfalls aus dem Bußgeldkatalog hervor.

Lkw-Fahrer muss mindestens sechs Monate ohne Führerschein auskommen

So ist bei acht Punkten der Führerschein für mindestens sechs Monate weg. „Aufgrund der Überschreitung der Punktegrenze kommt es nicht zu einem Fahrverbot, sondern zu einem Führerscheinentzug“, erklärte Polizeisprecherin Arlt auf Nachfrage. Dadurch bekommt der verkehrssündige Lkw-Fahrer seinen Führerschein nicht nach einer bestimmten Zeit automatisch zurück, sondern nur durch einen Antrag auf Neuerteilung. Wann er diesen stellen kann, das muss die entsprechende Bußgeldstelle entscheiden. So weit hätte es aber gar nicht erst kommen müssen.

Das deutsche Verkehrsrecht bietet nämlich auch die Möglichkeit, Punkte abzubauen. Dazu müssen auffällig gewordene Kraftfahrer an einem sogenannten Fahreignungsseminar (FES) teilnehmen. Die Kosten: Zwischen 550 bis 650 Euro laut Bußgeldkatalog. Für manche Verkehrssünder eine sich lohnende Investition. So wird zwar der Punktestand durch einen Seminarbesuch lediglich um eins reduziert und auf diese Art und Weise lässt sich nur alle fünf Jahre ein Punkt abbauen – der Führerscheinentzug könnte so aber abgewendet werden.

Punkte in Flensburg können auch verjähren

Die zweite Möglichkeit zum Punktabbau: Einfach auf die Verjährung setzen. Hier gilt: Ein einzelner Punkt für eine Ordnungswidrigkeit verfällt nach zweieinhalb Jahren, zwei Punkte für Straftaten oder schwere Ordnungswidrigkeiten werden erst nach fünf Jahren getilgt, drei Punkte für Straftaten mit Führerscheinentzug werden erst nach zehn Jahren aus dem Fahreignungsregister gelöscht. Die beste Lösung daher: Direkt an die Verkehrsregeln halten. Sonst könnte es einem schnell so ergehen wie dem Lkw-Fahrer auf der A1 bei Greven.

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