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„Aktenzeichen XY … ungelöst“: Alles, was man über die ZDF-Sendung wissen muss

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Von: Oliver Schmitz

Eine Projektion des Logos der Sendung «Aktenzeichen XY ... ungelöst» ist am 20.01.2016 in einem Studio in Geiselgasteig bei München (Bayern) an einer Glasscheibe zu sehen.
Die ZDF-Sendung Aktenzeichen XY ist eine der ältesten noch laufenden Fernsehsendungen überhaupt. (Archivbild) © Matthias Balk/dpa

Sie ist eine der am längsten laufenden TV-Reihen in Deutschland: Aktenzeichen XY. Die ZDF-Sendung hilft der Polizei häufig bei der Lösung ungeklärter Kriminalfälle.

Köln – Seit einigen Jahren erlebt das sogenannte „True Crime“-Genre in allen medialen Formen einen regelrechten Boom. Egal, ob Podcasts, Bücher, Magazine oder Videos – wahre Kriminalgeschichten sind beliebt.

Bereits seit über 50 Jahren beschäftigt sich auch die vom ZDF ausgestrahlte Fernsehsendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ genau mit solchen echten Fällen – überwiegend aus Deutschland. Damit erreicht man Monat für Monat Millionen von Zuschauern und hilft tatsächlich regelmäßig dabei, die Täter der noch ungeklärten Fälle tatsächlich zu überführen.

Aktenzeichen XY: Das Konzept der ZDF-Sendung

Während die meisten „True Crime“-Formate lediglich wahre Kriminalfälle erzählen, gibt es bei Aktenzeichen XY eine besondere Herangehensweise. Die aktuell von Rudi Cerne moderierte Fernsehsendung beschäftigt sich – wie es der volle Name schon sagt – nur mit noch ungelösten Polizeifällen. Dabei werden diese anfangs zuerst in etwa zehnminütigen filmischen Rekonstruktionen dem Publikum präsentiert und im Anschluss mit einem zuständigen Polizeibeamten nochmals detailliert besprochen.

Im Anschluss können die Zuschauer alle möglichen Hinweise wie Beobachtungen oder erkannte Zusammenhänge – die zur Lösung der Fälle beitragen – an die Polizei übermitteln. Das funktioniert in erster Linie telefonisch bei der zuständigen Dienststelle, deren Nummern auf der XY-Seite einsehbar sind. Am Sendungstag zwischen 20:15 und 1:30 Uhr ist zusätzlich das Studiotelefon zu den Kommissaren unter der Nummer (089) 95 01 95 freigeschaltet. Die XY-Redaktion selbst ist zwar per E-Mail „xy@zdf.de“ erreichbar, weist aber darauf hin, dass die Hinweise am besten direkt an die Polizei gehen sollten. Mithilfe der Zuschauerhinweise werden die Ermittlungen anschließend häufig weitergeführt oder neu eröffnet.

Pro Sendung werden drei bis sechs ungelöste Fälle vorgestellt. Neben den „Filmfällen“, die in den von professionellen Schauspielern nachgestellten Szenen zu sehen sind, gibt es auch die „Studiofälle“. Bei diesen verzichtet man auf die vorherigen Kurzfilme, stattdessen wird der jeweilige Fall vom zuständigen Polizeibeamten selbst erläutert. Für die Erklärungen werden dann diverse Materialien wie Personenfotos, Phantombilder oder Abbildungen markanter Gegenstände (Beweisstücke) eingeblendet. Bei diesen Fällen wird häufig nicht nur nach den Tätern, sondern auch nach der Identität von Opfern beziehungsweise Toten gefahndet.

Neben dem Hauptthema, dem Lösung ungeklärter Kriminalfälle, gibt es in der Sendung auch noch weitere kleinere Teilrubriken:

Aktenzeichen XY: Wann ist die ZDF-Sendung zu sehen?

Die reguläre Ausgabe der Sendung Aktenzeichen XY läuft insgesamt zwölfmal pro Jahr, also einmal im Monat im Fernsehen. Die Erst-Ausstrahlung einer XY-Folge findet für gewöhnlich an einem Mittwoch um 20:15 Uhr im Hauptprogramm des ZDF statt. Die jeweils 90-minütige Sendung wird anschließend am gleichen Abend nochmals bei ZDFneo und einen Tag später bei ZDFinfo gezeigt. Darüber hinaus sind die Folgen für kurze Zeit nach der Fernseh-Ausstrahlung auch in der ZDF-Mediathek abrufbar.

Aktenzeichen XY: Geschichte, Spezialausgaben und 50-Jahres-Bilanz

Die Fernsehreihe Aktenzeichen XY wurde vor über 50 Jahren gestartet und erstmals am 20. Oktober 1967 im ZDF ausgestrahlt. Damit ist sie eines der ältesten Formate des deutschen Rundfunk-Unternehmens. Erfinder und erster Moderator war der Journalist Eduard Zimmermann, der die Sendung anschließend auch zu seiner großen Popularität im deutschen Sprachraum führte. Von 1968 bis 2003 entstand sie in Zusammenarbeit mit dem ORF und dem SRF.

Am 7. Juni 1968 wurde zum ersten Mal ein in der Sendung behandelter Fall mit Zuschauer-Hilfe aufgeklärt. Dabei handelte es sich um den Mord an Dr. Boll. Bereits zwölf Stunden nach der Ausstrahlung gelang damals die Festnahme des bis dahin unbekannten Täters. Aktenzeichen XY wurde anfangs aus den ZDF-Studios in Wiesbaden produziert. Ab dem 12. September 1969 folgte der Umzug in die Studios der ZDF-Tochter FSM in Unterföhring bei München (heute: Bavaria Studios). Seitdem ist das Zuschauer-Telefon für Hinweise unter (089) 95 01 95 zu erreichen.

Im Zuge der 100. Sendung von Aktenzeichen XY erhielt Eduard Zimmermann am 7. Oktober 1977 das Bundesverdienstkreuz. Am 16. Juni 1986 wurde ihm schließlich sogar das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Zum 30-jährigen Jubiläum der Sendung wurde im Jahr 1997 eine von Frank Elstner moderierte Sondersendung ausgestrahlt. Im Gespräch mit Eduard Zimmermann wurden dabei vier besonders spektakuläre Fälle anhand der jeweiligen originalen Fahndungsfilme präsentiert.

Eduard Zimmermann vor einem Logo der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“
Eduard Zimmermann war nicht erster Moderator, sondern auch Schöpfer und Urheber von Aktenzeichen XY. © Istvan Bajzat/dpa

Nach 35 Jahren wurde am 8. November 2002 die 350. Folge von Aktenzeichen XY ausgestrahlt. Dabei war Eduard Zimmermann beim aktuellen Moderator Rudi Cerne zu Gast. Dabei wollte er einen erneuten Anlauf für die Aufklärung des Mordfalls Ursula Herrmann (1981) starten, der ihm nach eigenen Aussagen besonders am Herzen lag.

Am 10. Mai 2007 erschien die 400. Folge der Fernsehsendung. Dabei waren Eduard Zimmermann, Sabine Zimmermann, Butz Peters, Konrad Toenz, Werner Vetterli und Stephan Schifferer im Studio zu Gast.

Die 500. Sendung wurde am 14. Oktober 2015 im ZDF ausgestrahlt. Seit Januar 2010 werden die Folgen von Aktenzeichen XY als Aufzeichnungen im Programm von ZDFneo und später auch im ZDF-Hauptprogramm sowie ZDFinfo wiederholt

Neben den mittlerweile über 560 regulären XY-Folgen hat man vor über zehn Jahren begonnen in unregelmäßigen Abständen noch sogenannte Spezialausgaben auszustrahlen. Diese befassen sich grundsätzlich mit einem besonderen Thema wie Vermisstenfällen oder Betrugsfällen. Einige Sondersendungen im Überblick:

Nicht nur die lange Laufzeit und somit lange Kooperation mit polizeilichen Behörden lässt schon darauf schließen, dass das Prinzip der Sendung tatsächlich funktioniert. Im Zuge des 50-jährigen Jubiläums im Oktober 2017 präsentierte die XY-Redaktion eine Statistik von allen bis dato behandelten Fällen (500). Seit 1967 waren insgesamt 4586 Fälle behandelt worden, von denen wiederum 1853 anschließend aufgeklärt werden konnten. Damit liegt die Erfolgsquote von Aktenzeichen XY bei rund 40 Prozent.

Insgesamt wurden 2319 Täter festgenommen. Während in der Sendung am meisten Tötungsdelikte behandelt wurden (1732), konnten vor allem Betrugsfälle aufgeklärt werden (59,8 Prozent).

In Deutschland kamen die allermeisten Fälle auch aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen (817). Es folgen Bayern (544) und Hessen (509). Außerhalb der Bundesrepublik gab es die meisten Fahndungen in Österreich (469), gefolgt von der Schweiz (463). Es gab bis 2017 sogar 15 Fälle aus den Niederlanden.

Aktenzeichen XY: Die Moderation der beliebten Krimi-Sendung

Eduard Zimmermann hatte nicht nur die Idee zu Aktenzeichen XY, sondern war auch der allererste und bisher längste Moderator der ZDF-Sendung. Erst startete am 20. Oktober 1967 mit der ersten Ausstrahlung und hörte am 24. Oktober 1997 nach der 300. Folge auf.

Butzr Peters (rechts) und Sabine Zimmermann (links) waren Co-Moderatoren der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“
Sabine Zimmermann (links) und Butz Peters (rechts) waren mehrere Jahre Co-Moderatoren von Aktenzeichen XY. © IMAGO/United Archives

Anschließend übernahm Butz Peters, der XY gemeinsam mit Zimmermanns Tochter Sabine bis 2001 moderierte. Sabine Zimmermann war bereits seit der 200. Folge am 6. November 1987 als Co-Moderatorin tätig.

Aktenzeichen-Moderator Rudi Cerne bei der Sendung
Rudi Cerne ist seit 2002 Moderator von „Aktenzeichen XY“. © Annette Riedl/dpa

Am 18. Januar 2002 übernahm dann schließlich Rudi Cerne als alleiniger Moderator, der sich seitdem zum prägenden Gesicht der Sendung entwickelt hat.

Aktenzeichen XY: Bekannte Fälle aus Nordrhein-Westfalen

In seiner mehr als 50 Jahren langen Geschichte hat Aktenzeichen XY einige äußerst spektakuläre Fälle behandelt. Einige Fahndungen aus NRW sind stark in Erinnerung geblieben. So auch der Mordfall Regina Neudorf. Die damals 17-Jährige verschwand auf dem Nachhauseweg von einer Diskothek, anschließend wurde ihre Leiche zerstückelt in einem Wald gefunden. Ihre Arme und Beine lagen abgetrennt neben dem Torso. Der Täter konnte nie aufgespürt werden.

Aufgrund einer spektakulären Raubserie wurde Marius L. als Netto-Räuber bekannt. Er hatte mit einem befreundeten Netto-Gebietsleiter 34 Netto-Filialen in ganz Deutschland überfallen und 750.000 Euro erbeutet. Er wurde letztlich geschnappt und zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt.

Ebenfalls geklärt hatte sich letztlich der Vermisstenfall der 14-jährige Luljeta T. aus Mechernich bei Bonn. Nach einem Streit war sie von Zuhause abgehauen und verschwunden. Sie hatte wohl einen sieben Jahre älteren Mann im Internet kennengelernt und wollte diesen sogar heiraten. Als sich ihre Eltern in einer XY-Sendung an die Öffentlichkeit wandten, sah auch Luljeta zu und kehrte nach über einem Jahr zu ihrer Familie zurück. (os)

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