1. 24RHEIN
  2. Rheinland & NRW

AnnenMayKantereit singen bei Demo in Lützerath bitterböses Schmählied auf Robert Habeck

Erstellt:

Von: Peter Sieben

AnnenMayKantereit bei einem Konzert in Lützerath
Die Kölner Band AnnenMayKantereit in Lützerath. © Peter Sieben

DIe Kölner Band AnnenMayKantereit spielte im besetzten Lützerath. Weil die Abbruchkante einsturzgefährdet ist, konnte der Auftritt nicht wie geplant starten.

Erkelenz – Die Grünen sind in Lützerath nicht wohlgelitten. „Die Grünen werden ihr blaues Wunder erleben“, sagt eine Aktivistin, die im Dorf lebt, und meint wohl die nächsten Wahlen. Viele hier sind enttäuscht von der Partei, weil sich NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck mit RWE darauf verständigt haben, dass Lützerath abgerissen wird. Das kommt offenbar auch bei der Kölner Band AnnenMayKantereit gar nicht gut an, die spontan ein Konzern am besetzten Ort gab und die Grünen mit einem Schmählied bedachte.

AnnenMayKantereit beim Konzert in Lützerath vor einer großen Menschenmenge
Mehrere Tausend Menschen waren beim Konzert am Sonntag in Lützerath dabei. © Peter Sieben

Lützerath-Räumung steht kurz bevor

Der Abriss von Lützerath ist Teil eines Deals mit dem Energiekonzern im Rahmen des vorgezogenen NRW-Kohleausstiegs 2030. Durch das Abkommen werden zwar fünf Tagebau-Dörfer vor dem ursprünglich geplanten Abriss bewahrt, aber Lützerath muss weichen, damit RWE die Braunkohle darunter abbaggern und den Abraum zur Befestigung der Tagebauböschungen nutzen kann. Mona Neubaur hatte erst jüngst noch einmal bekräftigt, dass der Abriss aus energiepolitischer und tagebauplanerischer Sicht unumgänglich sei. Ob die Lützerath-Räumung aber tatsächlich unvermeidlich ist, gilt als umstritten. Studien zufolge wird die Braunkohle unter Lützerath nicht benötigt, um die Energieversorgung in Deutschland sicherzustellen. Auch Klimaaktivistin Luisa Neubauer hatte die Grünen deshalb zuletzt scharf kritisiert.

AnnenMayKantereit in Lützerath: Auftrittsort spontan geändert

Und nun auch die Kölner Band AnnenMayKantereit. Die Musiker waren schon früher bei Demos etwa von Fridays for Future aufgetreten. Ihr Konzert am besetzten Lützerath sollte eigentlich direkt an der Abbruchkante vom Tagebau Garzweiler starten – mit viel Symbolkraft: Denn im Hintergrund hätte man den gigantischen Braunkohlebagger von RWE gesehen, der sich Tag für Tag näher an Lützerath heran gräbt.

Doch das Gelände war komplett unterspült, offenbar sind gewaltige Mengen Wasser aus einem Rohr ausgetreten. „Da herrscht jetzt Lebensgefahr“, sagt ein Polizist vor Ort. Womöglich wurde die Leitung sabotiert, sagt er – genaues wisse man noch nicht.

Bitterböses Schmählied auf Robert Habeck und die Grünen

Tatsächlich mussten die knapp Zuschauer auf dem Gelände durch extrem rutschigen Matsch waten. Nach Schätzungen eines Polizisten vor Ort waren etwa 4.000 bis 5.000 da, später war die Rede von 2.000, die Aktivisten selbst sprachen von 7.000 Menschen – die tatsächliche Anzahl liegt wohl irgendwo dazwischen. Die meisten von ihnen hatten ein ganzes Stück zu Fuß gehen müssen, um in Lützerath anzukommen, denn die Straße, die zum kleinen Dorf führt, ist gesperrt. „Allen, die hier sind, und Lützerath befreien, möcht ich sagen: danke. Ohne euch könnten wir hier nicht sein“, sang AnnenMayKantereit-Sänger Henning May im ersten Song, begleitet nur von Akustikgitarre.

Und die Sache mit den Grünen wurmt die Band offenbar gewaltig. „Das hier kennen die Älteren unter euch sicher noch“, so May, der zur Melodie vom Hit „Jesus“ der 90er-Jahre-Comedy-Band „Die Doofen“ ein bitterböses Schmählied auf Robert Habeck anstimmte. Ähnlich wie Jesus, habe dieser auch „langes Haar und Latschen an“ – und der Refrain: „Habeck, Habeck, du warst echt ok, doch dann kam RWE.“

Abbruchkante vom Tagebau Garzweiler bei Lützerath
Eigentlich hatte das Konzert an der Abbruchkante stattfinden sollen, doch das Gelände ist unterspült – es herrschte Lebensgefahr. © Peter Sieben

Gut eine halbe Stunde dauerte der Gig. Direkt im Anschluss kam es zu unschönen Szenen: Aktivisten und Polizisten gerieten in Lützerath aneinander, nach Angaben der Polizei gab es Steinwürfe auf Sicherheitskräfte. (pen)

Auch interessant