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Anti-Terror-Einsatz: Mann soll islamistischen Anschlag geplant haben – belastende Chatverläufe

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Von: Johanna Werning

In der Nacht stürmten SEK-Ermittler eine Wohnung in Castrop-Rauxel. Ein 32-Jähriger soll einen Anschlag mit Cyanid und Rizin geplant haben.

Castrop-Rauxel – In der Nacht zu Sonntag gab es einen SEK-Großeinsatz in Castrop-Rauxel. Ein 32-Jähriger wurde festgenommen. Er soll einen islamistischen Anschlag geplant und vorbereitet haben. Der Mann sei verdächtig, sich für die Tat die Giftstoffe Cyanid und Rizin besorgt zu haben, teilten die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf, die Polizei Recklinghausen und die Polizei Münster am frühen Sonntagmorgen mit.

Das ist Cyanid und Rizin

►Das hochgiftige Rizin wird laut dem RKI in der Kriegswaffenliste unter „Biologische Waffen“ aufgeführt. Es ist ein Pflanzengift, das beim Rizinusbaum (Ricinus communis) vor allem in den Samen enthalten ist. Zu den Symptomen zählen Übelkeit und Erbrechen, Muskelschmerzen, Leber- und Nierenschäden sowie Kreislaufversagen, bei Inhalation Auswirkungen in den Atemwegen wie Lungenödeme.

►Cyanid ist ebenfalls hochgiftig, bereits kleinste Mengen wirken bei Menschen tödlich. Beim Kontakt von Cyaniden mit Wasser entsteht Blausäure (Cyanwasserstoff), die für ihren typischen Bittermandelgeruch bekannt ist. Die Atemgifte wirken sehr schnell, die Opfer sterben an Atemlähmung.

SEK-Einsatz in Castrop-Rauxel: Terror-Verdacht – belastende Chatverläufe

Update vom 12. Januar, 19:23 Uhr: Die Handys des 32-jährigen Mannes und dessen 25-jähriger Bruder wurden während der Ermittlungen beschlagnahmt und sichergestellt. Jetzt ist bekannt, dass sich auf den Handys Chatverläufe befinden, die die Männer belasten. Da bei der Razzia allerdings keine Giftstoffe oder andere Utensilien, die auf einen Bau einer Bio-Bombe hingewiesen haben, gefunden wurden, stellte die Verteidigerin des älteren Bruders beim Amtsgericht in Dortmund einen Antrag auf Haftprüfung. Rechtsanwältin Ina Klimpke sagte dem Kölner Stadt-Anzeiger gegenüber: „Ich bin der Meinung, dass mein Mandant entlassen werden muss“.

Ob er tatsächlich an Gift gekommen war und dieses etwa anderswo lagerte, beantworteten die Ermittler zunächst nicht. Auch wie konkret ein möglicher Anschlagsplan war und ob es ein konkretes Ziel gab, blieb zunächst unklar. Das sei noch Gegenstand der Ermittlungen, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft. 

Die Ermittlungen dauerten am Sonntagmorgen noch an. Die Polizei arbeitet mit Hochdruck, so Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU): „Wir hatten einen ernstzunehmenden Hinweis, der die Polizei dazu veranlasst hat, noch in der Nacht zuzugreifen.“

Anti-Terror-Einsatz: Zwei Festnahmen

Die Anti-Terror-Ermittler in Schutzanzügen durchsuchten die Wohnung des 32-Jährigen in Castrop-Rauxel. Er wurde den Angaben zufolge gemeinsam mit seinem Bruder, der sich in zufällig in der Wohnung aufhielt, festgenommen. Dieser war der Polizei zwar zuvor bekannt, allerdings aus Gründen, die nicht mit islamistischem Terror zusammenhängen. Ob er in die mutmaßlichen Anschlagspläne eingeweiht war, steht noch nicht fest. Die Männer sollen sich beide seit 2015 in Deutschland aufhalten.

Ein Mann wird von Beamten des Spezialeinsatzkommandos (SEK) mit Schutzmaske in Gewahrsam genommen. Anti-Terror-Ermittler haben in Castrop-Rauxel im nördlichen Ruhrgebiet einen 32-Jährigen festgenommen, der einen islamistischen Anschlag vorbereitet haben soll.
In Castrop-Rauxel gab es in der Nacht zu Sonntag einen Anti-Terror-Einsatz. © WTVnews/dpa

Wie die dpa aus Sicherheitskreisen erfuhr, wird vermutet, dass er Anhänger einer sunnitischen islamistischen Terrorgruppe ist. Er soll demnach nicht im Auftrag staatlicher iranischer Behörden gehandelt haben. Letzteres bestätigte auch der Sprecher der Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft. Er sagte weiter, es gebe Hinweise auf ein islamistisch geprägtes Weltbild, aus denen eine Anschlagsplanung resultiere. Unklar blieb am Sonntag zunächst, ob und wann der Mann einem Haftrichter vorgeführt werden soll.

Anschlag in Castrop-Rauxel geplant: Beweismittel in blauen Fässern abtransportiert

Wegen der biologisch-chemischen Gefahren für die Einsatzkräfte waren laut einem Bericht der „Bild“ auch Mitarbeiter des Robert Koch-Instituts (RKI) als Berater vor Ort. Auch mehrere Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes (BKA) und ein Entschärfer-Kommando seien im Einsatz gewesen. Das BKA wollte sich nicht zu dem Einsatz äußern und verwies auf die Generalstaatsanwaltschaft.

Die Fahnder schlugen gegen Mitternacht zu. Der Einsatzort wurde weiträumig abgesperrt. Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte waren mit einem Großaufgebot vor Ort. Zahlreiche Einsatzkräfte trugen Schutzanzüge. Beweismittel wurden in blauen Fässern zu einer Dekontaminationsstelle gebracht, die bei der Feuerwehr eingerichtet war, wie ein dpa-Reporter berichtete.

Bei der Durchsuchung im Ruhrgebiet haben die Ermittler in der Wohnung des Verdächtigen jedoch keine Giftstoffe gefunden. Das sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur.

Blaue Fässer stehen bei einem Anti-Terror-Einsatz beim Einsatzort.
. Beweismittel wurden in blauen Fässern zu einer Dekontaminationsstelle gebracht. © tv7news.de/dpa

„Der Beschuldigte ist verdächtig, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben“, teilten die Ermittler mit. „Die Durchsuchung dient der Auffindung entsprechender Giftstoffe und anderer Beweismittel.“ Der 32-Jährige und der zweite in Gewahrsam genommene Mann wurden in Unterhosen und T-Shirt beziehungsweise mit nur notdürftig übergeworfener Jacke über die Straße in ein Einsatzfahrzeug geführt, wie Augenzeugen berichteten. Keiner der beiden habe Widerstand geleistet. Laut einem Bericht des WDR soll es sich bei den beiden Männern um Brüder handeln.

Anti-Terror-Einsatz in Castrop-Rauxel: Hinweis kam vom „befreundeten Geheimdienst“

„Beweismittel wurden sichergestellt und werden ausgewertet“, schrieben die Ermittlungsbehörden. Ob der 32-Jährige einem Haftrichter vorgeführt werde, sei noch nicht entschieden. Das Verfahren wird bei der Zentralstelle Terrorismusverfolgung Nordrhein-Westfalen bei der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf geführt.

Polizei-Großeinsatz in Castrop-Rauxel.
Feuerwehr und Polizei sind in Castrop-Rauxel im Einsatz. © Christoph Reichwein/dpa

Nach Informationen der „Bild“ ermittelt das Bundeskriminalamt seit mehreren Tagen gegen den Iraner. Ein „befreundeter Geheimdienst“ solle die deutschen Sicherheitsbehörden über die Anschlagsgefahr mit einer chemischen Bombe gewarnt haben.  Tippgeber waren die USA.

Es habe einen Hinweis von einer US-amerikanischen Sicherheitsbehörde gegeben, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf. Man habe den Hinweis auf den 32-Jährigen am Samstag bekommen und sei zu dem Schluss gekommen, dass unmittelbar ein Durchsuchungsbeschluss erwirkt und vollstreckt werden müsse. (jw mit dpa) Tipp: Fair und verlässlich informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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