Drama um ausgesetztes Baby in Bielefeld: Führen Pinguin-Socken zur Mutter?
Im Drama um das an einer Schule in Bielefeld ausgesetzte Baby hat die Polizei Fotos gefundener Kleidung veröffentlicht. Führen sie zur Mutter? Auch ein weißes Auto interessiert die Ermittler.
Bielefeld - Ein frisch geborenes Baby, an einem Schulhof in Bielefeld in der Kälte zurückgelassen: Die Nachricht vom Zufallsfund eines sterbenden Säuglings durch einen Spaziergänger bewegte die Menschen weit über die Stadt und über Nordrhein-Westfalen hinaus. Das kleine Mädchen hat dank der Einsatzkräfte und Ärzte überlebt. Das Rätselraten um die Mutter geht auch Tage nach den dramatischen Ereignissen vom Samstag, 6. Januar, weiter. Wer ist sie? Wo ist sie? Wie geht es ihr? Und über allem schwebt die Frage: Warum?
Drama um ausgesetztes Baby in Bielefeld: Führen Pinguin-Socken zur Mutter?
Die Suche nach der Mutter läuft. Polizei und Staatsanwaltschaft veröffentlichten am Donnerstag, 11. Januar, Bilder von Kleidungsstücken, die auf einem Parkplatz am Ende einer Sackgasse an der Südschule im Bielefelder Stadtbezirk Brackwede gefunden wurden. Dabei handelt es sich um „eine rosa Frottee-Hose der Größe 40/ 42, ein Slip sowie Socken.“ Die Socken sind blau-weiß geringelt und haben jeweils einen Pinguinaufdruck. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um die Kleidung der Mutter handelt.

Ausgesetztes Baby in Bielefeld: Zeugen melden weißes Auto an der Schule
Zeugen schilderten, dass an dem Morgen in der Sackgasse ein weißes Auto gesehen wurde, in dem ein Mann und eine Frau saßen. „Dabei könnte es sich um die Mutter handeln“, sagte eine Polizeisprecherin gegenüber wa.de. „Wer weitere Beobachtungen gemacht oder Hinweise zu der Mutter, der gefundenen Bekleidung oder nähere Angaben zu dem Auto machen kann, sollte sich bei der Polizei melden.

Das gilt auch für Personen, denen einen Frau aufgefallen ist, die sich in den vergangenen Monaten verändert habe, etwa durch auffällige Gewichtszunahme und -abnahme, das plötzliche Tragen von sehr weiter Kleidung oder die Vermeidung von anstrengenden Tätigkeiten oder Sport. „Die Mutter sowie Zeugen werden gebeten, sich unter 0521/545-4646 bei der Polizei zu melden“, heißt es.
Ausgesetztes Baby in Bielefeld: Geburt wohl auf dem Schulgelände
Was genau sich in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden an der Schule und dem angrenzenden Spielplatz abgespielt hat, bleibt vorerst nur zu erahnen. Es spricht einiges dafür, dass das Baby tatsächlich dort entbunden wurde. Ermittler fanden neben der Nabelschnur, die der Spaziergänger am Vormittag entdeckt hatte, auch Blutspuren an einer Mauer. Das Baby entdeckten Polizisten ein Stück entfernt und laut Polizeisprecherin ein „bisschen versteckt“.
Diese Tatsache führte zur Einsetzung einer Mordkommission. „Wenn man bei Frosttemperaturen draußen ein Baby ohne Bekleidung so ablegt, dass es durch normale Spaziergänger nicht gefunden werden kann, nimmt man billigend in Kauf, dass es nicht überlebt“, so die Polizeisprecherin. Immerhin: Der Zustand des bei der Entdeckung stark unterkühlten Babys ist stabil. Das Mädchen wird aber weiterhin auf der Intensivstation behandelt und soll in einer Pflegefamilie untergebracht werden. Über mögliche Folgeschäden der Geburt lassen sich noch keine Aussagen treffen.
Erst im November 2023 wurde in Bielefeld ein totes Baby in einem Waldstück gefunden. Die jungen Eltern – 19 und 22 Jahre alt – sitzen in U-Haft. Der Fund des Babys auf dem Schulgelände in Bielefeld weckt Erinnerungen an einen Fall im Sauerland. Dort hatte im Jahr 2019 eine Frau nach einer Alleingeburt ihr neugeborenes Kind in Handtücher gewickelt und in einem zugeknoteten Müllsack hinter dem Haus abgelegt. Eine Ärztin im Krankenhaus, in das die verzweifelte Mutter wegen starker Blutungen gebracht wurde, alarmierte die Polizei, die das lebend Baby fand.