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Traditionsgeschäft schließt nach 66 Jahren – „wer weiß, was da noch auf uns zukommt“

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Von: Peter Sieben

Eine Frau steht mit Tüten in einem Geschäft und schau sich Kleidung an.
Ein beliebtes Traditionsgeschäft in Neuss muss schließen – und das nach mehr als 60 Jahren. (Symbolbild) © Westend61/Imago

In der Innenstadt von Neuss schließt mit Bayer Moden ein weiteres Traditionsgeschäft. Inhaberin Meike Bayer spricht über die Gründe für das Aus nach 66 Jahren.

Neuss – Es gibt Geschäfte, die geben einer Innenstadt ein Gesicht. In Neuss ist Bayer Moden so ein Laden. Schräg gegenüber der uralten Gaststätte „Em schwatte Päd“ gelegen, ist Bayer sozusagen der Anfang einer Perlenschnur von Traditionsgeschäften, die sich entlang der Niederstraße und Büchel bis zum Rheinischen Landestheater zieht. Die Kette verliert seit Jahren immer mehr Perlen – und zum Jahresende reiht sich nun auch überraschend die Damenboutiqe Bayer Moden aus.

Bayer Moden in Neuss
Eröffnung1956
AdresseNiederstraße 58
Verkaufsfläche400 Quadratmeter
SchließungEnde 2022

Bayer Moden in Neuss schließt nach 66 Jahren

„Ich habe mich schweren Herzens dazu entschlossen“, sagt Inhaberin Meike Bayer gegenüber 24RHEIN. Die 61-Jährige hatte zuletzt gesundheitliche Probleme, „mehrere OPs“, wie sie erzählt. Jetzt wolle sie ein bisschen mehr Zeit für die Familie haben. „Wenn man selbstständig ist, dann fehlt die Zeit einfach.“

1956 eröffnete Meike Bayers Vater Josef das Geschäft zunächst an der Further Straße. Es war die Zeit des Wirtschaftswunders, Frauen trugen bisweilen gern Nerz und hochwertige Kollektionen. Die Kundinnen kamen damals zum Einkaufen auch aus umliegenden NRW-Städten nach Neuss, aus Mönchengladbach oder Viersen. In den 70er Jahren vergrößerte sich die Boutique, der Laden zog an die Niederstraße, die Verkaufsfläche wuchs auf 400 Quadratmeter an.

Die Kundschaft blieb treu, heute gehören Damen im besten Alter zur Zielgruppe von Bayer. Der Online-Boom habe in deren Kaufverhalten eher keine große Rolle gespielt. Umso trauriger seien jetzt viele Stammkundinnen, erzählt Meike Bayer. „Aber die Corona-Zeit haben wir schon auch zu spüren bekommen, die Leute gehen auch heute nicht mehr so in die Innenstadt“, sagt sie.

Unsichere Zeiten für Geschäfte: „Wer weiß, was noch auf uns zukommt“

Rathaus am Markt in Neuss
Die Innenstadt von Neuss wird um ein Traditionsgeschäft ärmer. © Werner Otto / IMAGO

Eine Nachfolge habe sich nicht gefunden. „In der Familie machen alle was anderes, und so leicht ist das nicht, jemanden zu finden, der das Geschäft übernimmt“, sagt Meike Bayer. Bei einer Übernahme müsse man eine mehrmonatige Finanzierung mitbedenken und Ware einkaufen – das sei riskant, sagt die Geschäftsfrau. Gerade jetzt seien die Zeiten unsicher, alles werde teurer: „Und wer weiß, was da noch auf uns zukommt.“

Bayer Moden hört auf – aber Meike Bayer freut sich auf die Zukunft

Sie gehe nun mit einem lachenden und einem weinenden Auge „in Rente“, wie sie sagt. Die meisten der Verkäuferinnen von Bayer Moden arbeiten in Teilzeit, viele von ihnen werden ebenfalls in Rente gehen. Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an, sang Udo Jürgens einst – Bayer Moden hört zwar nach genau 66 Jahren auf. Aber Meike Bayer freut sich auf die Zukunft und mehr Freizeit: „Ich finde es toll, dass viele zu mir sagen: Nach so langer Zeit gönnen wir es dir.“ (pen) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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