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Bonn: Corona-Ausbruch in drei Großfamilien

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Von: Johanna Werning

Frauen stehen neben einem Hinweisschild zur Maskenpflicht an einer Haltestelle.
Während viele Städte und Kreise in NRW mittlerweile bei unter 35 liegen, ist die Inzidenz in Bonn mit 70,7 immer noch hoch. (Symbolbild) © Oliver Berg/dpa

In Bonn haben Corona-Ausbrüche in drei Großfamilien Anteil an der hohen Inzidenz in der Stadt. Insgesamt gibt es in den Familien 58 bestätigte Fälle.

Bonn – Nordrhein-Westfalen scheint das Coronavirus immer weiter unter Kontrolle zu bringen. Am Freitag, 4. Juni, liegt die landesweite Inzidenz bei 34,3 (Quelle: Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen). In vielen Kommunen und Kreisen in NRW sind die Werte noch niedriger. Doch es gibt Ausreißer. In Bonn ist die Inzidenz mit 70,7 (Stand: 4. Juni) vergleichsweise hoch. Zuletzt stagnierte die Bonner Inzidenz mehrere Tage bei einem Wert um die 80. Anfang der Woche wurde ein Corona-Ausbruch in einer Großfamilie aus Bad Godesberg mit inzwischen 30 bestätigten Infektionen bekannt. Mittlerweile kamen noch zwei Großfamilien dazu.

Corona in Bonn: Infektionen in Großfamilie steigen an

In der Großfamilie in Bad Godesberg sprach die Stadt Anfang der Woche zunächst von 25 positiven Tests. Da standen aber noch acht weitere Testergebnisse aus. Inzwischen ist die Zahl auf 30 bestätigte Fälle angestiegen. In einem Fall handelt es sich um die britische Mutationsvariante B.1.1.7. Aufgefallen war die Corona-Infektion „durch einen positiven Test in einer Schule und den daraus entstandenen Ermittlungen des Gesundheitsamts“, wie die Stadt in einer Pressemitteilung bekannt gab. Doch die Nachverfolgung zog sich. „Die Familienmitglieder wohnen an sechs unterschiedlichen Standorten und konnten deshalb erst nach und nach einander zugeordnet werden.“

Während der positive Corona-Test in der Schule am 27. Mai festgestellt worden ist, sind die weiteren Reihentestung am 29. Mai durchgeführt worden, so ein Pressesprecher der Stadt Bonn auf Nachfrage von 24RHEIN. Am 2. Juni befanden „sich 45 Personen in Quarantäne“, heißt es weiter.

Corona in Bonn: Zwei weitere Ausbrüche in Großfamilien

Doch das war nur der Anfang. In den vergangenen Tagen kamen Corona-Ausbrüche in zwei weiteren Großfamilien dazu. Erneut in Bad Godesberg gab es am Mittwoch (2. Juni) neun infizierte Personen in einer zweiten Großfamilie. Am Donnerstag kamen noch 19 weitere Corona-Fälle in einer Großfamilie, die laut einem Stadtsprecher „an vier Standorten in den Stadtbezirken Beuel bzw. Bonn wohnt“, hinzu. Dort steht das Testergebnis einer weiteren Person mit Symptomen noch aus. „Damit verteilen sich 58 positiv Getestete auf drei Großfamilien, was 19,7 Punkte der Bonner Inzidenzzahl ausmacht“, erklärt die Stadt in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Aktuelle Coronazahlen in Bonn (Stand: 4. Juni)

Positiv getestet (seit 28. Februar 2020)14.366 Personen
Verstorben im Zusammenhang mit Covid-19243 Personen
Wieder genesen13.655 Personen
Aktuell infiziert468 Personen
Derzeit in Quarantäne1.042 Personen
Neuinfektionen verg. 7 Tage233 Personen
Inzidenzwert70,7

Coronavirus in Bonn: Mögliche Erklärung für gleich bleibende Inzidenz

Aktuell sind 468 Personen mit dem Coronavirus infiziert. Da Bonn vergleichsweise wenig Einwohner hat (Stand Dezember 2020: 333.794 Einwohner), steigt auch die 7-Tage-Inzidenz unter Umständen schnell. Denn die Inzidenz gibt an, wie viele Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen gemeldet worden sind. Dabei bezieht sich die Erkrankung nicht auf die Einwohnerzahl selbst, sondern auf jeweils 100.000 Einwohner.

Ein Corona-Ausbruch in einer Großfamilie könnte demnach die Inzidenz schnell nach oben treiben – oder wie in Bonn dafür sorgen, dass der Wert stagniert oder langsamer sinkt. So „haben kleine Schwankungen bei den Meldungen große Auswirkungen auf die Inzidenz: Eine zusätzliche Fallzahl von 24 Personen pro Tag an sieben Tagen macht eine Steigerung der Inzidenz von plus 50 aus“, so die Stadt in einer Pressemitteilung am 31. Mai.

Eine weitere Erklärung für die vergleichsweise hohe Inzidenz sei laut Stadt das junge Durchschnittsalter. „Die Entwicklung der Inzidenz hängt im Wesentlichen vom Verhalten der Bevölkerung ab, die in Bonn sehr mobil ist“, sagt Krisenstabsleiter und Stadtdirektor Wolfgang Fuchs. 

Corona in Bonn: Stadt analysiert Infektionsgeschehen

Um die Pandemie einzudämmen, analysieren das städtische Gesundheitsamt gemeinsam mit der Statistikstelle im Amt für Bodenmanagement und Geoinformation Auswertungen das Infektionsgeschehen in Bonn. Auch die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Uniklinikum Bonn soll Erkenntnisse über das Pandemie-Verhalten bringen und somit „zielgerichtet Eindämmungs- und Vorsorgemaßnahmen umsetzen“ können.

Corona in Bonn: Impfkampagnen in sozialen Brennpunkten geplant

Derzeit plane die Stadt außerdem Impfkampagnen in sozialen Brennpunkten. Wie Köln will auch Bonn in vulnerablen Stadtteilen zusätzliche Impfangebote erstellen. Derzeit fehle jedoch der Impfstoff. „Wenn Impfstoff zur Verfügung steht, wird die Stadt mit dezentralen Impfteams und der Unterstützung durch Multiplikatorinnen und Multiplikatoren vor Ort Sonderimpfaktionen durchführen. Die dazu nötigen Vorbereitungen werden derzeit getroffen“, heißt es in einer Pressemitteilung weiter. (jw/bs)

Letztes Update vom 4. Juni, 12:45 Uhr: Der Artikel wurde inhaltlich aktualisiert und ergänzt: Zwei weitere Corona-Ausbrüche in Großfamilien und die aktuellen Corona-Zahlen aus Bonn.

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