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Bonn: Sie sollen einen Mann im Flüchtlingsheim gefoltert und ermordet haben – jetzt stehen sie vor Gericht

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Ein Justizvollzugsbeamter nimmt einem der beiden Angeklagtensaue im Gerichtssaal vor Beginn ihres Prozesses die Handschellen ab.
Die Angeklagten (M. und r.) sollen im Juli 2020 in einem Flüchtlingsheim einen anderen Bewohner brutal ermordet haben. © Roberto Pfeil/dpa

Zwei Männer stehen seit Montag vor dem Bonner Landesgericht. Sie sollen im Juli 2020 einen 45-Jährigen in einem Flüchtlingsheim brutal ermordet haben.

Bonn – Im Landgericht Bonn wird seit Montag (1. Februar) ein grausamer Mordfall verhandelt. Die beiden Angeklagten aus Marokko sollen im Sommer 2020 einen Mann in einem Flüchtlingsheim in Lohmar brutal gefoltert und getötet haben. An blutige Szenen konnten sie sich bei Prozessbeginn allerdings nicht mehr erinnern.

Prozess in Bonn: Mutmaßliche Täter erbeuteten ein Handy und ein paar Turnschuhe

Mord aus Habgier, Grausamkeit und zur Ermöglichung eines Raubes. So lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft gegen zwei 28 und 29 Jahre alte Männer aus Marokko. Im Juli 2020 sollen sie einen 45-jährigen Nordafrikaner in einem Flüchtlingsheim in Lohmar in seinem Zimmer über mehrere Stunden gefesselt und gefoltert haben. Am Montag begann der Prozess vor dem Landgericht in Bonn. Laut Staatsanwaltschaft sollen sie den Tatort danach mit dem Handy des Opfers und einem Paar Turnschuhen verlassen haben.

Vor Gericht gaben die beiden Angeklagten bei Prozessbeginn an, sich an keine blutigen Szenen erinnern zu können. Der Ältere sagte aus, dass sie zwei Tage lang in dem Zimmer des späteren Opfers verbracht, gemeinsam gegessen, getrunken und auch verschiedene Drogen zu sich genommen hätten.

Polizist als Zeuge: „Da ist jemand systematisch drangsaliert und fertig gemacht worden“

Als der 45-jährige Mann bemerkt hatte, dass einer der beiden Angeklagten ihn um 150 Euro und 10 Gramm Haschisch erleichtert habe, soll er ausgerastet sein. Der 29-jährige Angeklagte sagte aus, dass das spätere Opfer daraufhin mit einem Tischbein und einem Messer auf die beiden Männer losgegangen sei. Er könne sich noch erinnern, dass er dem 45-Jährigen aus Notwehr in die Hand gebissen habe, damit dieser das Messer fallen lasse, was auch gelungen sei. Er könne sich aber nichts Weiteres erinnern.

Die Polizei fand damals den 45-Jährigen mehrere Stunden nach dem mutmaßlichen Vorfall tot in seinem Zimmer. Ein Beamter sagte beim Prozessbeginn als Zeuge aus, dass viel Blut zu sehen war. Die Obduktion ergab später fast 200 Hautverletzungen, die über den ganzen Körper verteilt waren. „Das war Folter. Da ist jemand systematisch drangsaliert und fertig gemacht worden“, sagte der erste Tatortbeamte auf Nachfrage.

Auch in Düsseldorf begann am Montag ein aufsehenerregender Prozess. Dort steht ein Angeklagter wegen Brandstiftung und versuchten Mordes vor Gericht. Er legte in einem Mehrfamilienhaus insgesamt fünfmal Feuer und gestand vor Gericht seine Taten. (bs/dpa)

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