1. 24RHEIN
  2. Rheinland & NRW
  3. Bonn

Seilbahn für Bonn: Wie das Projekt über dem Rhein aussehen könnte

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Benjamin Stroka

Eine Seilbahn über den Fluss Kura in der georgischen Hauptstadt Tiflis.
Eine Seilbahn über den Fluss Kura in der georgischen Hauptstadt Tiflis. So ähnlich könnte es in einigen Jahren auch in Bonn aussehen. © Leitner Reference

In Bonn sollen die Verkehrsprobleme mit einer Seilbahn gelöst werden. Das Projekt hat eine große Hürde genommen, ist aber dennoch nicht unumstritten.

Bonn – Weniger Verkehr und Lärm auf den Straßen, aber dafür bessere Luft und mehr Umweltschutz. Ein besserer öffentlicher Nahverkehr sowie gleichzeitig eine neue Attraktion für die Menschen in Bonn und für Touristen von außerhalb. Das alles soll eine Seilbahn über den Rhein in Bonn schaffen. Die Pläne werden immer konkreter und die Seilbahn entwickelt sich zu einem Prestigeprojekt in der Bundesstadt. Gleichzeitig spaltet sie Bonn in zwei Lager – die Befürworter einer Seilbahn und deren Gegner.

Bonn: Seilbahn soll Verkehrsproblem am Venusberg lösen

Die Seilbahn soll in erster Linie den Bonner Stadtverkehr in der Nähe des Venusbergs, wo auch die Uniklinik Bonn steht, entlasten und für weniger Autos auf den Straßen sorgen. „Anwohner*innen sowie insbesondere Beschäftigte, Studierende, Patient*innen und Besucher*innen des Universitätsklinikums (UKB) erzeugen beträchtlichen Verkehr“ und sorgen damit für ein „gravierendes Verkehrsproblem“, heißt es vonseiten der Stadt. Es gebe nur zwei Zufahrten, die regelmäßig stark belastet seien. Ein weiteres Problem seien fehlende Parkplätze. „Die infrastrukturellen Kapazitäten reichen nicht mehr aus.“

Die Seilbahn soll laut Plan der Stadt mit rund 15.000 Fahrgästen am Tag diese Probleme lösen. Etwa zwölf Millionen Pkw-Kilometer pro Jahr sollen so eingespart werden. Dazu soll die Seilbahn auf beiden Rheinseiten mit Bus-, Stadtbahn- und Bahnstrecken verknüpft werden.

Seilbahn für Bonn mit 95 Kabinen

95 Kabinen der Seilbahn sollen die Stationen jeweils in einem Abstand von 20 bis 24 Sekunden anfahren. Die gesamte Fahrzeit von Ramersdorf bis zum Venusberg soll 20 Minuten betragen. In jeder Kabine wäre nach jetzigem Stand Platz für zehn Fahrgäste.

Seilbahn in Bonn: Die geplanten Haltestellen im Überblick

Die Bonner Seilbahn soll nach aktuellem Stand vom Schießbergweg im Stadtteil Ramersdorf über den Rhein bis zur Uniklinik am Venusberg führen. Die rechtsrheinische Endstation am Schießbergweg solle zudem direkt an der im Zuge des S13-Ausbaus geplanten gleichnamigen Bahnhaltestelle „Schießbergweg/Ramersdorf“ liegen. Diese „Nordtrasse“ genannte Streckenführung habe sich am geeignetsten erwiesen. Hier gebe es laut den Plänen der Stadt das „höchste Fahrgastpotenzial und die beste Verknüpfung im gesamten Öffentlichen Nahverkehr“. Die Strecke wäre rund 4300 Meter lang.

Der geplante Verlauf der Seilbahn in Bonn.
Der geplante Verlauf der Seilbahn in Bonn. © www.openstreetmap.org/Bundesstadt Bonn

Seilbahn in Bonn: Bauzeit, Kosten, Höhe

Frühestens 2028 könnte die Seilbahn den Betrieb aufnehmen. Voraussetzung dafür sei aber ein reibungsloser Verlauf der nächsten Planungsschritte und Bauprozesse. Der nächste Schritt: Am 9. Dezember wird das Gutachten zur Nutzen-Kosten-Analyse dem Stadtrat vorgelegt. Der müsste das Projekt dann für den ÖPNV-Bedarfsplan anmelden. Nur so könnte die Stadt auch Fördergelder bekommen.

Denn Bund und Land sollen einen Großteil der Kosten für die 66 Millionen Euro teure Seilbahn tragen. Die Voraussetzung dafür wurde durch das Gutachten zum volkswirtschaftlichen Nutzen geschaffen. Erst nach dieser Förderzusage würde der Bau beginnen. Die Stadt rechnet mit einer Bauzeit von rund 1,5 Jahren, „da die meisten Bestandteile einer Seilbahn im Werk vorgefertigt sind“. 34 Stützen würden dann voraussichtlich die Seilbahn in die Höhe hieven. Durchschnittlich sollen diese mehr als 28 Meter hoch sein. Die höchste Stütze stünde mit rund 50 Metern auf dem Venusberg.

Seilbahn in Bonn: Für OB Dörner „ein großer Meilenstein“

Für die Stadtverwaltung und Oberbürgermeisterin Katja Dörner ist die Sache klar. „Die Seilbahn wäre ein großer Meilenstein in Richtung nachhaltiger Mobilität für Bonn. Wir wollen die Straßen entlasten und das Klima schützen – und dafür brauchen wir einen attraktiven Öffentlichen Nahverkehr“, sagt Dörner.

Mit einer an den ÖPNV angeschlossenen Seilbahn wäre Bonn nicht nur in NRW, sondern sogar deutschlandweit ein Vorreiter. Auch für die Busse und Bahnen der SWB könnte das eine Entlastung bedeuten. Am Montag (8. November) ergab ein Gutachten, dass die Seilbahn ein „volkswirtschaftlich sinnvolles Projekt“ sei. Der Nutzen würde die Kosten der Bewertung zufolge mit einem Verhältnis von 1,6 deutlich überwiegen. Aber warum genau plant Bonn eine Seilbahn, die nach aktueller Bemessung rund 66 Millionen Euro kosten würde?

Bonn: Seilbahn spaltet Bonn in zwei Lager

Unterstützung bei dem Plan zur Seilbahn erhält die Stadt von der Initiative „Seilbahn für Bonn JA!“. Zu den Unterstützern zählen unter anderem der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Bonn/Rhein-Sieg und der Naturschutzbund Deutschland (NABU). „Eine urbane Seilbahn ist der UN- und Klimastadt Bonn angemessen, denn wir müssen auch und gerade in der Verkehrspolitik neue Wege gehen – für Klimaschutz und eine lebenswerte Stadt“, heißt es bei der Initiative.

Dem gegenüber steht die Bürgerinitiative „Bonn bleibt seilbahnfrei“. Unter anderem verweist sie auf die jährlichen Betriebskosten, „die den städtischen Haushalt massiv belasten werden“ und die laut Angaben der Initiative deutlich höher lägen, als in der Machbarkeitsstudie angegeben. Gleichzeitig würden durch den Bau der Seilbahn und den dazugehörenden Stützen „Teile der Landschaftsschutzgebiete Venusberghang, Rheinaue und des Rheinufers zerstört“.

Das Seilbahn-Projekt in Bonn wird wohl auch in den nächsten Monaten und Jahren noch für geteilte Meinungen in der Stadt sorgen. Mit dem Nutzen-Kosten-Gutachten hat die Seilbahn eine wichtige Hürde genommen. Nun bleibt abzuwarten, wie der Stadtrat am 9. Dezember entscheidet. (bs) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Auch interessant