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Alte Straßenbahn stand jahrzehntelang geschützt in Schacht – erst jetzt wurde sie rausgeholt

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Von: Nina Büchs

Eine alte Straßenbahn steht in Bonn auf einem Gleis.
Die alte Straßenbahn stand jahrelang gut verborgen in einem Schacht in Bonn. © SWB/M. Weißkirchen

Eine historische Bahn war Jahrzehnte lang in einem Schacht in Bonn abgestellt. Nun ist die Straßenbahn wieder aufgetaucht – und sorgt für Emotionen.

Bonn – Seit Mitte der 90er Jahre stand das nostalgische Schmuckstück in einem Blindschacht nahe des Hauptbahnhofs Bonn – nun, nach Jahrzehnten, ist der „Achtachser“ (auch DÜWAG-Gelenkwagen genannt) wieder ans Tageslicht befördert worden. Die SWB Stadtwerke Bonn posteten auf Facebook Fotos von der historischen Bahn – und lösten bei Nutzern viele schöne Erinnerungen aus.

Bonn: Historischer „Achtachser“ aufgetaucht – Straßenbahn stand Jahrzehnte lang in einem Schacht

Bild von einer historischen Bahn in Bonn.
Die historische Bahn war für Jahrzehnte in einem U-Bahntunnel abgestellt. © SWB/M. Weißkirchen

„Wir haben unsere Stellwerksumstellung von ein paar Wochen dazu genutzt, die Bahn wieder ans Tageslicht zu bringen. Die Gelegenheit war günstig, da der Bahnverkehr während der Stellwerksumstellung praktisch zum Erliegen kam und die Schienen entsprechend frei waren“, so die Stadtwerke Bonn auf Nachfrage von 24RHEIN.

In dem Blindschacht war das Fahrzeug nun also fast 30 Jahre abgestellt. So konnte der Achtachser am besten konserviert und vor allem vor Vandalismus geschützt werden, so die Stadtwerke Bonn weiter. Ein Blindschacht wird im Bergbau als schrägverlaufender (tonnlägiger) Grubenbau bezeichnet, der nicht bis zur Tagesoberfläche reicht.

Bonn: DÜWAG-Gelenkwagen aufgetaucht – Fotos lösen emotionale Erinnerungen aus

Bild von der Fahrerkabine des Achtachachsers in Bonn.
So sah die Fahrerkabine der historischen Bahn in Bonn aus – rechts neben dem Sitz sind ein sogenanntes Stelleisen für die Weichen, sowie ein Aschenbecher zu erkennen. © SWB/M. Weißkirchen

Bei Facebook lösten die Bilder des DÜWAG-Gelenkwagens bei den Nutzern aus der Region viele schöne und emotionale Kindheitserinnerungen aus. „Das Geräusch der Falttüren habe ich immer geliebt“, schreibt eine Userin. Eine andere Frau erinnert sich: „Zu der Zeit war das Rauchen in den Bahnen noch erlaubt, bis in den 70er.“ Weiter heißt es in einem Kommentar: „Oh ja, daran kann ich mich sehr gut erinnern. Als Kinder standen mein kleiner Bruder und ich immer vorne und haben immer so gespielt, als wären wir auch Fahrer.“

Viele Nutzer wünschen sich die historische Bahn also offenbar zurück. „Noch einmal drin sitzen und fahren, das wäre herrlich,“ so ein weiterer Facebook-Nutzer.

Achtachser/DÜWAG-Gelenkwagen
Gewicht26 Tonnen
Höchstgeschwindigkeit70 km/h
Einsatz in BonnEnde der 1960er Jahre bis Mitte der 90er Jahre

Bonn: Historische Bahn „Achtachser“ war Ende der 60er bis 1994 im Einsatz – auf diesen Strecken

Erstmalig eingesetzt wurde der Düwag-Gelenkwagen Ende der 60er Jahre. „Die Fahrzeuge vom Typ ‚Achtachser‘ wurden anfangs auf der Linie S (Bonn – Siegburg) und Linie H (Bonn – Beuel – Bad Honnef) eingesetzt. Mit der Inbetriebnahme der Stadtbahnwagen wurden die Fahrzeuge dann nur noch ausschließlich auf der Linie H, spätere Linie 64 eingesetzt, welche von Bonner Hauptbahnhof aus über Beuel wechselnden Endstationen (Bad Honnef, Königswinter, Oberkassel) anfuhr“, so die Stadtwerke.

Die Fahrzeuge waren bis 1994 im Einsatz. Ein Jahr später wurden alle Achtachser sowie Vier- und Sechsachser an die Verkehrsbetriebe von Sofia verkauft, so die Stadtwerke. Die Bahn wurde 1993 durch die 5. Serie „B100C“ ersetzt, die heute noch in Betrieb ist.

Die Grundbauform der Achtachser war in den 1950er und 1960er Jahren in Westdeutschland übrigens weit verbreitet – so wurde die Bahn unter anderem auch für die Stadt Dortmund beschafft.

Bonn: Wagen 4141 des historischen „Achtachser“ in Tunnel verwahrt – was passiert damit?

Der Wagen 414, der auf den Facebook-Fotos zu sehen ist, wurde als mögliches Ausstellungsstück mit einer Laufleistung von insgesamt 1,4 Millionen Kilometer bis zuletzt sicher in dem Tunnel verwahrt. Doch wie geht es damit nun weiter? „Noch ist über die Zukunft nicht entschieden. Er wird jetzt erst einmal begutachtet“, teilt das Unternehmen mit.  (nb) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.  

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