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Bottrop: Ehemalige Bergbaustadt plötzlich Klimaschutz-Vorreiter

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Männer stehen vor dem Steinkohlebergbau in Bottrop
Der Förderturm der Zeche Prosper-Haniel hat seit dem 21. Dezember 2018 ausgedient. © Christophe Gateau/dpa

Die Zeiten Bottrops als letzte Bergbaustadt in Deutschland sind vorbei – nun hat die Stadt sogar ein Modellprojekt zum kommunalen Klimaschutz erhalten.

Köln – Bottrop war die letzte Bergbaustadt in Deutschland - jetzt sieht sich die Ruhrgebietskommune als Vorreiterin beim Klimaschutz. In den vergangenen zehn Jahren sei es durch eine Vielzahl von Maßnahmen gelungen, den Kohlendioxidausstoß zu halbieren, berichteten Vertreter der Stadt und des Initiativkreises Ruhrgebiet am Dienstag. Bottrop hatte unter 16 Bewerbern den Zuschlag für ein Modellprojekt zum kommunalen Klimaschutz erhalten.

Bottrop: Kohleöfen, mit denen Bergleute Wohnungen beheizten, fast komplett ausgetauscht

Seitdem sind in der 70.000-Einwohnerstadt unter anderem etwa 3700 Wohnhäuser energetisch modernisiert worden, mal mit größeren, mal mit kleineren Maßnahmen. So sind fast alle Kohleöfen, mit denen Bergleute ihre Wohnungen beheizten, nahezu komplett ausgetauscht worden. Die von den Wohngebäuden ausgehenden Kohlendioxid-Emissionen seien von 2010 bis 2020 um 47 Prozent gesunken. Noch deutlicher ist den Angaben zufolge der Rückgang im Bereich Industrie und Gewerbe mit 56 Prozent.

Der Pro-Kopf-Ausstoß an CO2 betrug den Angaben zufolge im Bottroper Modellgebiet 2,44 Tonnen im Jahr 2020, bundesweit waren es 6,11 Tonnen. Allerdings fehlt in der CO2-Bilanz der Verkehrsbereich. Da Bottrop von zwei Autobahnen und großen Straßen umgeben sei, könne man darauf nur schwer Einfluss nehmen, sagte der Geschäftsführer der Projektgesellschaft, Burkhard Drescher. Statt rund 341.000 Tonnen CO2 wie im Jahr 2009 seien in Bottrop im vergangenen Jahr nur 170.000 Tonnen ausgestoßen worden, rechnete Drescher auf der Basis eigener Zahlen vor. Das Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie, das das Bottroper Modellprojekt wissenschaftlich begleitet, kommt nach einer vorläufigen Auswertung zu einer CO2-Minderung von 47 bis 49 Prozent.

Vorreiter beim Klimaschutz – welche Stadt folgt als nächstes dem „Bottroper Weg“

Für alle Maßnahmen sind in Bottrop rund 730 Millionen Euro investiert worden, davon 222 Millionen Euro Fördergelder von Stadt, Land und Bund. Der Großteil des Geldes entfalle auf private Investitionen, sagte Drescher. Bottrop habe gezeigt, dass sich Klimaschutz für alle rechne und kein Zuschussgeschäft sei. Der Chef des größten deutschen Wohnungskonzerns Vonovia, Rolf Buch, hob den Vorbildcharakter von Bottrop hervor. „Jeder Stadt in Deutschland muss den Weg von Bottrop irgendwann gehen“, sagte Buch, der Moderator des Initiativkreises ist. A propos Bottrop: Auch der dort ansässige Movie Park hat seit Kurzem wieder geöffnet. (dpa/mo)

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