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Keine Bunker: Wie wäre NRW für einen Katastrophenfall vorbereitet?

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Montage: Links eine Bunkertür und rechts ein Bunker-Raum mit Schlafplätzen.
Das Land NRW besitzt keine eigenen Bunkeranlagen. (Montage) © Westend61/Imago & Daniel Karmann/dpa

Für den Katastrophenfall stehen Nordrhein-Westfalen keine Bunker zur Verfügung. Dafür gibt es aber mehr als genug Jodtabletten. Es gibt noch weitere Vorbereitungen.

Düsseldorf – Im Zuge des Ukraine-Kriegs machen sich auch viele Menschen in Deutschland und Nordrhein-Westfalen Sorgen um den Ernstfall. Viele denken dabei direkt an Schutzanlagen wie Bunker. Wie wäre NRW im Katastrophenfall vorbereitet?

Katastrophenschutz NRW: Land hat keine eigenen Bunker – doch Rückbau in Frage gestellt

Nach Angaben des Landes hat NRW einen ausreichenden Vorrat an Jodtabletten für den Erstschutz der Bevölkerung bei einem nuklearen Unfall oder Krieg. Allerdings verfügt das Land über keine eigenen Bunkeranlagen, in denen die Menschen Zuflucht suchen könnten. Das geht aus einer vom Düsseldorfer Landtag veröffentlichten Antwort von Innenminister Herbert Reul auf eine AfD-Anfrage hervor.

Infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine stelle der Bund jetzt aber den 2007 beschlossenen Rückbau öffentlicher Schutzräume auf den Prüfstand, berichtete der NRW-Innenminister. Geplant sei eine vollständige Bestandsaufnahme der noch vorhandenen Anlagen. Die ausschließliche Gesetzgebungskompetenz in diesem Bereich liege beim Bund. Nach dem Ende des Kalten Krieges waren Bunker in Deutschland als verzichtbar eingestuft und somit das alte Schutzraumkonzept aufgegeben worden.

Was ist das Schutzraumkonzept?

Das sogenannte Schutzraumkonzept regelte in Deutschland die Art und Menge der öffentlichen Schutzräume, wie zum Beispiel Bunker. Da sich nach dem Ende des Kalten Krieges die Sicherheitslage in Deutschland nach und nach gerändert hatte, wurde dieses jedoch im Jahr 2007 beendet. Denn laut dem Bund bieten öffentliche Schutzräume vor aktuellen Gefahren wie Klimawandel, Naturkatastrophen und Terrorismus „keinen hinreichenden Schutz“ mehr.

NRW Katastrophenschutz: Genug Jodtabletten vorhanden – Warnsysteme werden ausgebaut

Sehr gut sieht es dagegen laut Reul beim Vorrat an Jodtabletten aus. Sie dienen nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) bei einem nuklearen Unfall als Schutz vor einer Einlagerung von radioaktivem Jod in die Schilddrüse. „Nordrhein-Westfalen verfügt über 59,6 Millionen Kaliumiodidtabletten“, antwortete der CDU-Politiker der AfD. Die Verfallsdaten liegen demnach zwischen Ende 2026 und Ende 2030. Mit dem aktuellen Bestand seien alle im Katastrophenfall mit einer „Jodblockade“ zu versorgen. Weitere Jodtabletten müssten nicht beschafft werden.

Apotheker hatten infolge des Ukraine-Krieges einen Ansturm auf Jodid-Präparate verzeichnet. Experten warnen allerdings vor einer präventiven Einnahme und Selbstmedikation.

Der Ausbau der Warnsysteme macht Reul zufolge Fortschritte. Das Land habe den Kommunen 20 Millionen Euro für Warnsysteme zur Verfügung gestellt. Damit sei das Netz in NRW von 4330 Sirenen im Jahr 2018 auf 5184 bis Juli 2021 erweitert worden. Die Landesregierung werde das weiter fördern, versicherte der NRW-Innenminister.

Notfallvorrat

Private Haushalte können sich grundsätzlich einen Notfallvorrat für 10 Tage anlegen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz listet auf, welche Produkte und Lebensmittel dafür empfohlen werden.

Keine Bunker in NRW: Welche Alternativen gibt es?

Sollte es doch zu einem Luftangriff in Deutschland kommen, müsste man auch in NRW auf sogenannte „Mehrzweckanlagen“ ausweichen, erklärt die Sprecherin des Katastrophenschutzes gegenüber 24RHEIN. Dazu würde zum Beispiel der ehemalige Bunker in Köln-Kalk zählen. So gibt es in Köln grundsätzlich noch etliche alte Bunker-Anlagen.

Zusätzlich zu den öffentlichen Schutzräumen gibt es laut BBK in Deutschland noch insgesamt rund 9000 private Hausschutzräume. Diese wurden bis 1996 auch vom Staat finanziell gefördert. Jedoch ist unklar, wo sich diese überall befinden. (os mit dpa) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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