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Corona in NRW: Dramatische Lage auf Intensivstationen – „Wir beginnen Operationen abzusagen“

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Eine Krankenpflegerin arbeitet in Schutzkleidung in einem Krankenzimmer auf der Intensivstation des Uniklinikums
Die Lage auf Intensivstationen in NRW ist wegen der Corona-Pandemie nach wie vor angespannt. (Symbolbild) © Marcel Kusch/dpa

Intensivmediziner schlagen wegen der steigenden Zahl von Corona-Patienten Alarm. Ein Arzt der Kölner Uniklinik spricht von „Krisenzustand“.

Köln/Düsseldorf – „Die Lage auf den Intensivstationen ist wieder etwa so dramatisch wie kurz vor Weihnachten. Wir beginnen Operationen abzusagen, damit wir Personal bekommen, um neue Intensivstationen zu bestücken“, sagte Dr. Michael Hallek, Direktor der Klinik für Innere Medizin der Uniklinik in Köln, am Donnerstag in der Sendung WDR aktuell. Die Belastung mit Covid-Patienten sei so hoch, dass es anders nicht mehr schaffbar wäre. Der Krisenzustand sei wieder da.

Auch im Uniklinikum Düsseldorf ist die Veränderung der Lage spürbar. Wie ein Klinikumssprecher informiert, habe die Zahl der Covid-Intensivpatienten bisher mehrere Wochen konstant bei unter zehn gelegen. Seit Ostern sei die Zahl wieder auf über zehn gestiegen. Das sei eine magische Grenze und alarmierend. In einem Videoappell fordern Krankenpfleger der Düsseldorfer Uniklinik die Menschen auf, sich weiter an die Coronaregeln zu halten.

Corona-Patienten auf Intensivstationen: Intensivmediziner fordern harten Lockdown

Teilweise sind die Intensivbetten in Nordrhein-Westfalen zu über 90 Prozent belegt. NRW-weit betrachtet liegt die Rate bei 84 Prozent. Von den insgesamt 5716 Intensivbetten sind mit Stand Freitag 5075 belegt. Der Anteil an COVID-19 Fällen beträgt rund 17 Prozent.

Aufgrund der Situation haben Deutschlands Intensivmediziner einen harten und umgehenden Lockdown von zwei bis drei Wochen gefordert. Die Lage in den Kliniken sei zutiefst besorgniserregend, bestätigt auch Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, am Freitag. „Es brennt. Die Lage ist sehr dramatisch. Jeder Tag zählt.“

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat den Vorschlag eines „Brückenlockdowns“, ein harter Lockdown bis zu dem Zeitpunkt, an dem mehr Menschen geimpft sind, gemacht. Während Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) den Vorstoß unterstütz, gibt es vor allem aus SPD-regierten Bundesländern Ablehnung. Dass der Bund-Länder-Gipfel am Montag (12. April), bei dem der Vorschlag hätte diskutiert werden könne, abgesagt wurde, verärgert Intensivmediziner angesichts der kritischen Lage.

Intensivstationen kommen ans Limit: Corona-Patienten werden immer jünger

Es gebe einen ungebremsten und dramatischen Anstieg von Covid-Patienten. Ihr Alter liege nun zumeist zwischen 40 und 70. Bei den unter 50-Jährigen sterbe jeder fünfte Intensivpatient, bei den Älteren im Schnitt jeder zweite, sagte Marx.

Wenn nicht umgehend Maßnahmen ergriffen würden, wachse die dritte Pandemiewelle über die zweite hinaus, mahnte Marx. Bereits Ende April rechnet die Divi bundesweit mit mehr als 5000 Covid-Patienten. „Die Kliniken gehen in einen katastrophenähnlichen Zustand“, sagte Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des DIVI-Intensivregisters. 500 Kliniken in Deutschland könnten bereits jetzt schon keine Covid-Patienten mehr aufnehmen.

Schon Mitte März hatte Karagiannidis, Lungenspezialist an der Klinik in Köln-Merheim, vor einer Überlastung der Intensivstationen wegen steigender Patientenzahlen mit Covid-19-Infektion gewarnt. (dpa/lys)

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