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Corona: Arzt soll falsche Impfbescheinigungen ausgestellt haben – Razzia auch in NRW

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Von: Nina Büchs

Polizisten stehen in Uniform in Hof der Polizeiinspektion Dillingen.
Die Polizei hat in NRW, Bayern, Baden-Württemberg und Hessen Wohnungen von mehr als 100 Personen durchsucht, die sich falsche Impfbescheinigungen besorgt haben sollen. © dpa/Polizeipräsidium Schwaben Nord

Coronavirus: Ein Arzt aus Schwaben soll falsche Impfbescheinigungen ausgestellt haben. Nun sind auch etwa 100 seiner Patienten - unter anderem aus NRW - im Visier der Kripo.

Donauwörth – Nach den polizeilichen Ermittlungen gegen einen Hausarzt aus Baden-Württemberg wegen mutmaßlich falscher Corona-Impfungen haben Polizeibeamte am Donnerstag eine großangelegte Razzia bei rund 100 Patienten in vier Bundesländern durchgeführt. Neben Baden-Württemberg, Bayern und Hessen haben die Durchsuchungen auch in Nordrhein-Westfalen stattgefunden. Die Kriminalpolizei geht davon aus, dass die Betroffenen in die Praxis im Landkreis Donau-Ries gefahren sind, um ohne eine Impfung von dem Arzt ein Impfzertifikat zu erhalten.

Razzia wegen mutmaßlich gefälschter Impfzertifikate – Durchsuchungen auch in Essen (NRW)

Die Razzia hat nach Angaben der Ermittler außerhalb Bayerns im Bereich der Polizeipräsidien Ravensburg, Aalen, Ulm, Mannheim, Stuttgart, Heilbronn, Offenburg, Frankfurt/Main, Wiesbaden, Darmstadt und Essen stattgefunden.

„Gegen diese Personen wird wegen der Beihilfe beziehungsweise Anstiftung zum Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse und deren Verwendung ermittelt“, teilte die Polizei mit. Außerdem stünden Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz im Raum.

Razzia wegen mutmaßlich gefälschter Corona-Impfzertifikate – „Personen verhielten sich kooperativ“

Die Ermittler stellten bei der Aktion unter anderem rund 80 Impfausweise und etwa 70 Smartphones sicher. Zudem wurde bei etwa 50 Beschuldigten Blut abgenommen, um den Impfstatus zu klären, wie die Polizei nach einer ersten Auswertung der Aktion berichtete. Das Amtsgericht Augsburg hatte die Durchsuchungsbeschlüsse genehmigt. Die Ermittler waren mit mehr als 200 Beamten aus mehreren Bundesländern im Einsatz - die Bereitschaftspolizei unterstützte bei der Razzia.

„Nahezu alle Personen verhielten sich durchweg kooperativ“, berichteten die Ermittler. Es sei besonders darum gegangen, den Beschuldigten die Maßnahmen und Hintergründe zu erläutern. Dazu seien auch Kommunikationsbeamte im Einsatz gewesen. „Es kam zu keinen nennenswerten Fällen, bei denen die Beschuldigten gegen die Maßnahmen der Beamten agierten.“

Razzia unter anderem in NRW – Beamte entdeckten auch Drogen, Waffen, Blanko-Genesenen-Zertifikate

Bei den Durchsuchungen kam es auch zu Zufallsfunden. Es seien beispielsweise 600 Gramm Marihuana, geringe Mengen an Amphetamin und Kokain sowie einzelne Waffen sichergestellt worden. „Zudem entdeckten die Einsatzkräfte fünf Stempel von Arztpraxen und Impfzentren, mehrere Blanko-Impfausweise und Blanko-Genesenen-Zertifikate.“

Bereits im Herbst 2021 war bekannt geworden, dass der Mediziner mehreren hundert Männern und Frauen falsche Impfbescheinigungen ausgestellt haben soll. Bei manchen Patienten soll der Mann eine Scheinimpfung vorgenommen haben und die Betroffenen darüber getäuscht haben, dass sie tatsächlich kein Vakzin erhalten haben. Gegen diesen Personenkreis richtete sich die Aktion am Donnerstag nicht.

Corona-Impfnachweise gefälscht? Schwäbischer Arzt erhält Berufsverbot

Das Gesundheitsamt hatte den Patienten deswegen anschließend angeboten, Antikörper-Tests machen zu lassen. Gegen den Arzt wurde vorläufig ein Berufsverbot verhängt. Das Landratsamt in Donauwörth hatte den Weiterbetrieb der Praxis bereits damals untersagt.

Schon im Oktober hatte es Hinweise darauf gegeben, dass impfskeptische Menschen von weit her gezielt in die Praxis gekommen sind, nur um sich eine Bescheinigung zu holen. Von dem Mediziner und seinem Verteidiger waren bislang keine Stellungnahmen zu den Vorwürfen zu erhalten.

Razzia in vier Bundesländern: „Wer wissentlich wirkungslose Impfdosen verabreicht ist hochkriminell“

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sieht die Razzia bei den Patienten auch als Warnung vor Impfbetrug. „Wer beispielsweise als Arzt wissentlich wirkungslose Impfdosen an ahnungslose Patienten verabreicht oder Impfbestätigungen ausstellt, ohne geimpft zu haben, ist aus meiner Sicht hochkriminell“, sagte der CSU-Politiker. Auch wenn jemand vorgaukele, geimpft zu sein, um in Restaurants oder in Kinos zu gehen, sei das kein Kavaliersdelikt. „Diese Leute setzen aufgrund der unkalkulierbaren Infektionsrisiken die Gesundheit und das Leben anderer aufs Spiel. Daher drohen zu Recht hohe Strafen.“

Die Kripo in Dillingen hat eine eigene Ermittlungsgruppe gebildet, um die Vorgänge in der Hausarztpraxis aufzuklären. Zwei Staatsanwaltschaften sind mit den Fällen befasst. Die Generalstaatsanwaltschaft in Nürnberg hat das Verfahren gegen den Hausarzt mittlerweile an sich gezogen. Grund dafür ist, dass die Nürnberger Ermittlungsbehörde als Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen fungiert. Die Verfahren gegen die Patienten des Arztes werden unterdessen weiterhin von der Augsburger Staatsanwaltschaft geführt. (dpa) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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