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Coronavirus in Nordrhein-Westfalen: Die Ausbreitung des Virus – Rückblick auf das Jahr 2020

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Von: Christian Beissel

Eine Frau desinfiziert ihre Hände in der Tourismus-Information neben einem Schild „Bitte Hände desinfizieren“.
Eine der ersten Maßnahmen gegen das Coronavirus: Hände desinfizieren © Bodo Schackow/dpa

Durch die ersten Fälle des Coronavirus in China war man weltweit vorgewarnt, Ende Februar 2020 verzeichnete Nordrhein-Westfalen selbst die ersten Infektionen.

Köln – Der erste Fall einer Infektion mit dem Coronavirus ist im Februar 2020 in Nordrhein-Westfalen bekannt geworden. Am 24. und 25. Februar wurden die ersten Menschen positiv auf das Virus getestet. Beide Patienten stammen aus Gangelt im Kreis Heinsberg. Es handelte sich dabei nicht um die ersten Fälle in Deutschland, diese waren schon Ende Januar in Bayern bei einem Unternehmen aufgetaucht.

Coronavirus in NRW: Die ersten Infektionen treten im Februar 2020 im Kreis Heinsberg auf

Gangelt im Kreis Heinsberg wurde infolge der ersten Infektionen mit dem Coronavirus in Nordrhein-Westfalen unfreiwillig deutschlandweit bekannt. Der Landrat vom Kreis Heinsberg Stefan Pusch ging in der Folge rigoros vor. Im Kreis Heinsberg schlossen als erstes die Schulen und Kindergärten. Am 2. März 2020 gab es in NRW bereits 110 registrierte Fälle des Coronavirus.

Schon seit dem 6. März 2020 hat das Robert-Koch-Institut den Kreis Heinsberg als „besonders betroffenes Gebiet in Deutschland“ geführt. Der Karneval wurde gemeinhin als möglicher Beschleuniger für das Ausbrechen des Coronavirus im Kreis Heinsberg bezeichnet. Am 9. März 2020 starben zum ersten Mal in Deutschland Menschen nach einer Ansteckung mit dem Coronavirus. In Essen starb eine 89-jährige Frau. Am gleichen Tag starb dann ein 78-jähriger Mann aus Gangelt im Kreis Heinsberg.

Coronavirus in NRW: Erste Corona-Beschränkungen im März 2020 bringen Lockdown

Am 13. März 2020 hat die Landesregierung verschiedene Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus beschlossen. So wurden Besuche in Alten- und Pflegeheimen sowie in Krankenhäusern eingeschränkt. Kurz darauf wurde auch beschlossen, dass Grundschulen und weiterführende Schulen schließen müssen, außerdem Kindertageseinrichtungen aller Art. Der Semesterbeginn an den Hochschulen in Nordrhein-Westfalen wurde auf das Ende der Osterferien verschoben, verschiedene Kultureinrichtungen wurden zunächst komplett geschlossen.

In den nächsten Tagen gab es praktisch ständig neue Einschränkungen. Ab dem 16. März mussten Bars, Clubs, Diskotheken, Spielhallen, Theater, Kinos oder Museen schließen. Kurz darauf wurde auch der Betrieb von Fitnessstudios, Schwimmbädern untersagt, auch das Treffen in Sportvereinen oder ähnlichem war nicht mehr möglich. Nur noch Geschäfte, die den dringenden täglichen Bedarf abdecken, durften geöffnet bleiben. Für Hotels und Gaststätten galten strenge Auflagen. Um die fehlenden Einnahmen auszugleichen, hat die Landesregierung zum damaligen Zeitpunkt eine erste Soforthilfe in Höhe von 150 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. NRW ist wie der Rest von Deutschland in den Lockdown gegangen – das tägliche Leben wurde größtenteils eingeschränkt.

Coronavirus in NRW: Ministerpräsident Laschet gründet Expertenrat

Seit dem 1. April gibt es in NRW den „Expertenrat Corona“, den Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ins Leben gerufen hat. Zwölf Experten aus Medizin, Rechtswissenschaft, Philosophie, Wirtschaftswissenschaft sowie Soziologie und Sozialarbeit erarbeiten seitdem Strategien für die Zeit nach der Corona-Krise. Bis zum 2. April waren in Nordrhein-Westfalen 178 Menschen am Coronavirus gestorben.

Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, gibt in der Staatskanzlei ein Statement vor der Presse
Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen © picture alliance/dpa/dpa-Pool | Federico Gambarini

Im Mai 2020 wurde das Coronavirus bei mehr als 150 Mitarbeitern der Firma Westfleisch in Coesfeld nachgewiesen. Der Betrieb wurde daraufhin geschlossen. Auch in einem Nachbarbetrieb wurden mehr als 33 Mitarbeiter positiv getestet. In diesem Zusammenhang entbrannte eine Diskussion über den Arbeitsschutz von Saisonarbeitern im Bereich der fleischverarbeitenden Industrie. Ende Mai 2020 waren in Nordrhein-Westfalen insgesamt fast 1600 Menschen am Coronavirus gestorben. Zu diesem Zeitpunkt waren fast 38.000 Krankheitsfälle gezählt worden.

Coronavirus in NRW: Erste Lockerungen für Bars und Schwimmbäder Mitte Juni 2020 – Maskenpflicht bleibt

Mitte Juni 2020 wurden einige Maßnahmen gelockert. Bestimmte Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen waren unter Auflagen möglich, auch Bars, Wellnesseinrichtungen und Schwimmbäder konnten wieder öffnen. Die grundsätzlichen Kontaktbeschränkungen und die Verpflichtung, eine Maske, also einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, blieben unverändert. Im Werk des Fleisch-Fabrikanten Tönnies in Rheda-Wiedenbrück waren bei einem behördlich angeordneten Massentest 1500 Menschen positiv getestet worden. Kurz darauf erließ Ministerpräsident Laschet für den Kreis Gütersloh und für den Kreis Warendorf neue Kontaktbeschränkungen. Davon waren etwa 640.000 Menschen betroffen, zu diesem Zeitpunkt war der Kreis Gütersloh mit dem „größten Infektionsgeschehen“ in Deutschland konfrontiert.

Ein Polizist nähert sich einer Gruppe Menschen, die hinter einem Bauzaun entlang gehen. Alle tragen einen Mund-Nase-Schutz.
Ein Polizist kontrolliert die Quarantäne-Maßnahmen, die nach dem Ausbruch des Coronavirus bei Tönnies nötig wurden. © David Inderlied/dpa/picture alliance

Coronavirus in NRW: Hin und her bei den Schulen – erst Maskenpflicht, dann Rolle rückwärts

Nordrhein-Westfalens Schul- und Bildungsministerin Yvonne Gebauer kündigte im August 2020 an, dass nach den Sommerferien der Schulbetrieb nur mit Maske erfolgen kann. Nur die ersten vier Schulklassen wurden davon ausgenommen. Allerdings wurde diese Maskenpflicht zum 1. September 2020 wieder abgeschafft.

Die Kontrollen von Hochzeitsfeiern und Festen wurden im Oktober 2020 seitens der Landesregierung verschärft, weil es häufiger Fälle gab, in denen bei solchen Veranstaltungen die Corona-Regeln nicht eingehalten wurden. Ende Oktober musste Nordrhein-Westfalen aufgrund des Coronavirus den 2000. Toten verzeichnen. Die Anzahl der Krankheitsfälle zu diesem Zeitpunkt lag bei mehr als 97.000.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) spricht auf einer Pressekonferenz in der Staatskanzlei NRW zur Wiederaufnahme des Schulbetriebs nach den Sommerferien in Corona-Zeiten
Yvonne Gebauer, Schulministerin in NRW © picture alliance/dpa/dpa-Pool | Fabian Strauch

Coronavirus in NRW im November 2020: Hoffnung auf den Impfstoff – erneuter Lockdown

Im November 2020 zeichnete sich ab, dass in absehbarer Zeit ein Impfstoff zur Verfügung stehen würde. Um möglichst schnell viele Menschen impfen zu können, wurden in ganz Nordrhein-Westfalen 53 Impfzentren in den jeweiligen Kreisen und Städten eingerichtet. Nachdem der Impfstoff seitens der EU geprüft worden war, konnten am 27. Dezember 2020 die Impfungen in Nordrhein-Westfalen beginnen.

Ein Schild weist auf das Impfzentrum der Landeshauptstadt Düsseldorf in der Merkur Spiel-Arena hin.
Impfungen gegen das Coronavirus werden unter anderem in Impfzentren durchgeführt © Roberto Pfeil/dpa

Anfang November ging es in NRW dann erneut in Richtung Lockdown – zumindest teilweise. Freizeiteinrichtungen wie Kinos, Theater oder Spielhallen wurden geschlossen. Restaurants und andere gastronomische Betriebe durften Speisen und Getränke nur noch außer Haus verkaufen. Auch Sportanlagen, Schwimmbäder und Fitnessstudio mussten schließen. Gerade mit Blick auf Weihnachten sollten die Maßnahmen dazu beitragen, die Infektionszahlen trotz Familienbesuchen und gemeinsamen Treffen niedrig zu halten.

Coronavirus in NRW: Traurige Bilanz – Mehr als 6500 Menschen verloren ihr Leben

Die Gesundheitsämter in Nordrhein-Westfalen mussten zum Ende des Jahres 2020 mehr als 393.000 Krankheitsfälle registrieren, mehr als 6500 Menschen sind im Jahr 2020 in NRW am Coronavirus gestorben. (cb)

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