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Neuartiger Corona-Test: Schreien statt Stäbchen – Ergebnis schon nach einer Minute

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Von: Oliver Schmitz

Womöglich könnte man sich schon bald wesentlich angenehmer auf das Coronavirus testen lassen. (Symbolbild)
Womöglich könnte man sich schon bald wesentlich angenehmer auf das Coronavirus testen lassen. (Symbolbild) © Sebastian Kahnert/dpa

Corona-Tests ganz ohne Nasen- oder Rachenabstrich? Das ist schon jetzt mit eine Schrei-Kabine aus den Niederlanden möglich. Wie diese funktioniert und warum sie Hoffnung macht.

Remscheid – Eines der wichtigsten Mittel zur Bekämpfung des Coronavirus ist das regelmäßige Testen. Sie können dazu beitragen, einen Überblick über die pandemische Lage zu erlangt. Doch die bisherigen Testmethoden, ob PCR- oder Schnelltest, funktionierten nur über einen Nasen- oder Rachenabstrich mithilfe eines Wattestäbchens. Sicherlich Grund genug, dass viele die kostenlosen Testmöglichkeiten noch nicht komplett wahrnehmen. Doch eine Innovation aus den Niederlanden könnte diesem und anderen Problemen im Zusammenhang den Corona-Tests nun Abhilfe schaffen.

So funktioniert der neue Corona-Test „QuBA“ – Prototyp des Atemtests zurzeit in Remscheid

Mit dem sogenannten „Quick Breath Analyzer(QuBA) hat der Niederländer Peter van Wees eine komplett neuen Corona-Test erfunden. Bei der metallischen Kabine handelt es sich um eine neue Methode, mit der anhand des Atems einer Person überprüft wird, ob eine Infektion vorliegt oder nicht. Genauer gesagt werden dabei die Aerosole in der Luft getestet. Damit das funktioniert, muss man etwa acht Sekunden lang Schreien oder laut Singen. Das Ergebnis soll schon nach 60 Sekunden vorliegen, wie der Hersteller erklärt.

Genau diese Methode wird nun das erste mal auch in Deutschland getestet und das in NRW: das Berufsbildung-Zentrum der Metall- und Elektroindustrie in Remscheid hat einen Prototyp des QuBA für eine Woche in seinen Hallen stehen. Laut der Rheinischen Post können sich nun Angestellte und Auszubildende freiwillig per Schrei-Probe auf das Coronavirus testen lassen. Anschließend wird das Ergebnis jeweils durch einen zusätzlichen PCR-Test überprüft.

Corona-Schrei-Test: Einige Vorteile gegenüber bisherigen Methoden – Forschung bestätigt Treffsicherheit

Neben der wohl deutlich angenehmeren Test-Methode verfügt der QuBA wie angedeutet über einige Vorteile gegenüber den bisherigen Test-Möglichkeiten. Laut einem WDR-Bericht soll der Schrei-Test nicht nur deutlich günstiger, sondern auch noch deutlich schneller sein. Insgesamt sollen so bis zu 80 Tests pro Stunde durchgeführt werden können. Damit nicht genug, gegenüber der RP erklärt Entwickler Van Wees, dass er auch noch genauer als die bisherigen Schnelltests sein soll: „Die Testgenauigkeit der Quba-Kabine ist mit einem PCR-Test vergleichbar“. Das wäre auf jeden Fall wünschenswert, denn ein falsches Schnelltest-Ergebnis hat auch schon dazu geführt, dass eine Corona-Infektion in Dortmund nicht erkannt wurde.

Auch wenn die Methode in der Anwendung noch recht neu ist, gibt es tatsächlich schon einige Forschungen zu den Corona-Atemtests. Untersuchungen der Universität Edinburgh und des Klinikums Dortmund haben derweil gezeigt, dass diese über eine hohe Treffsicherheit verfügen. Bislang werden sie aber noch nicht klinisch eingesetzt.

Größere Veranstaltungen dank des Atemtests bald wieder möglich?

Geht man davon aus, dass der QuBA im Bestfall auch in Deutschland zeitnah angewandt wird, stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten sich dadurch wieder ergeben würden. Im Gespräch mit der Bild zielt Van Wees auf den ganz großen Coup: „Wir hoffen, dass wir mit dem QuBA helfen können, Veranstaltungen mit Publikum wieder möglich zu machen“.

Die Vorstellung, dadurch wieder Konzerte oder gar Festivals in nahe Zukunft möglich zu machen, dürfte viele Menschen mit Begeisterung erfüllen. Jedoch sollte man sich wohl nicht zu früh Hoffnungen machen, denn aktuell fehlt in Deutschland noch eine Zulassung als medizinisches Produkt.

Generell sind Experten wie die niederländische Gesundheitsbehörde auch noch etwas skeptisch, da man zurzeit noch zu wenig über QuBA wisse. Und selbst wenn alles so funktioniert: mit aktuell 100.000 Euro pro Kabine (Prototyp) ist der Atemtest alles andere als ein Schnäppchen. Bis dahin wird man wohl weiter auf die bestehenden Testzentren zugreifen müssen. (os)

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