50.000 Euro für Futter monatlich

Corona macht Tiergärten zu schaffen: „Irgendwann ist bei jedem Zoo der Ofen aus“ – weitere Hilfe stehen noch aus

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Im Kölner Zoo herrscht Maskenpflicht – darauf deutet das Hinweisschild an dem Gehege des Leoparden hin.
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Die Corona-Krise verlangt auch Zoos und Tiergärten in NRW einiges ab. Um ihre Tiere weiter versorgen zu können, warten sie nun dringend auf die Novemberhilfen vom Bund.

  • Die Zoos in NRW leiden wegen Corona unter fehlenden Einnahmen
  • Seit Frühjahr 2020 haben sie bereits fast 6 Millionen Euro vom Land erhalten
  • Nun warten sie auf die Novemberhilfen vom Bund – die jedoch noch nicht eingetroffen sind

Düsseldorf – In der Corona-Pandemie geht es meist um das Leid der Menschen – doch auch auf die Tiere wirkt sich die angespannte Lage aus. So kämpfen Zoos und Tiergärten ums Überleben. Damit trotz fehlender Einnahmen Giraffen, Elefanten, Nashörner und andere Tiere versorgt werden können, stellen Bund und Länder Corona-Hilfen bereit.

NRW: Zoos und Tiergärten haben Corona-Hilfen von fast 6 Millionen Euro erhalten

Die Zoos und Tiergärten in NRW haben vom Land seit dem Frühjahr 2020 bereits knapp 5,7 Millionen Euro an Corona-Hilfen erhalten. Damit seien Eintrittsgelder und Verkaufserlöse, die wegen der Schließung von Mitte März bis Anfang Mai ausblieben, teilweise ausgeglichen worden, teilte das NRW-Umweltministerium der Deutschen Presse-Agentur mit. Sämtliche 38 Zoos und Tierparks im Land hätten das Angebot genutzt. Die Förderbeträge waren allerdings gedeckelt; für die großen Zoos bei 800.000 Euro pro Zoo, für die kleinen Einrichtungen bei wesentlich niedrigeren Beträgen.

Coronavirus in NRW: Novemberhilfen sind noch nicht da – finanzielle Schwierigkeiten drohen

Für die neuen Zoo-Schließungen mit dem zweiten Lockdown seit Anfang November habe der Bund einen Ausgleich über die sogenannten Novemberhilfen versprochen. Da diese Zahlungen noch nicht voll angelaufen seien, klagten Zoos im Land über zunehmende finanzielle Schwierigkeiten, so das NRW-Ministerium. Darüber habe es Gespräche mit den Zoos gegeben. Eine erneute Landeshilfe sei aber angesichts der anstehenden Bundesförderung nicht möglich – auch nicht zur Überbrückung. Die Landeshaushaltsordnung verbiete nämlich eine „Doppelförderung“.

NRW: Zoos leben von Rücklagen – 50.000 Euro pro Monat für Futter

Die NRW-Zoos leben nach eigenen Angaben mangels Besuchern von ihren Rücklagen. „Die Kosten laufen weiter – allein 50.000 Euro pro Monat für Futter“, hatte etwa der Sprecher des Zoos in Duisburg, Christian Schreiner, vor kurzem beklagt. „Irgendwann ist bei jedem Zoo der Ofen aus. Eintrittsgelder sind eine Haupteinnahmequelle“, sagte der Direktor des Naturzoos Rheine, Achim Johann. Auch der Zoo in Köln hat mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Pianist Theolonious Hermann von „Stadtgeklimper“ hat sich daher etwas Besonderes einfallen lassen: Im Dezember hat er vor den Tieren ein Konzert gegeben und dieses per Video mit seinen Fans und der Facebook-Community geteilt. Mit der Aktion rief er zu Spenden auf.

Wegen Corona: Verhaltensänderung bei den Erdmännchen

Auch die Tiere merken, dass es zu Zeiten des Lockdowns im Zoo plötzlich sehr still geworden ist. So konnten Biologen des Kölner Zoos unter anderem bei den Erdmännchen eine Verhaltensänderung feststellen. Und zwar bemerkten sie ein verstärktes Ausschauhalten bei den Tieren. Eigentlich übernimmt sonst immer nur ein Tier in der Gruppe die Rolle des Aufsehers oder Wächters, um seine Artgenossen vor Feinden und drohender Gefahr zu warnen. In der aktuellen Situation halten nun allerdings gleich mehrere Erdmännchen Ausschau. Wann die Normalität auch bei den Zootieren zurückkommen wird, muss jedoch angesichts der aktuellen Corona-Fallzahlen abgewartet werden. Wegen des Lockdowns gelten aktuell jedoch in NRW strenge Regeln – auf Besucher müssen die Zootiere daher bis mindestens Mitte Februar verzichten. (nb mit dpa)

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