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Deutscher Wetterdienst (DWD): So funktionieren App, Regenradar und Unwetterwarnung

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Von: Peter Sieben

Frau geht im Regen mit einem Regenschirm durch eine Fußgängerzone in Düsseldorf
Regen, Hagel, Sturm? Der Deutsche Wetterdienst (DWD) weiß oft schon vorher, wie das Wetter wird. Von Regionalzentren wie in Essen aus verteilt der DWD dann seine Wetterwarnungen an die Bevölkerung. (Symbolbild) © Ralph Peters/imago

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) macht Wettervorhersagen und warnt via App vor Gefahren durch Unwetter. Doch zu den Aufgaben des DWD gehört noch weitaus mehr.

Köln – Der Deutsche Wetterdienst (DWD) ist seit seiner Gründung im Jahr 1952 der nationale meteorologische Dienst der Bundesrepublik Deutschland. Sprich: Er erbringt Dienstleistungen, die mit der Vorhersage und Analyse von Wetterereignissen wie Regen, Schnee oder Klimaveränderungen zusammenhängen. Hauptsitz des DWD ist im hessischen Offenbach, daneben gibt es sechs Regionalzentralen in Essen, München, Hamburg, Potsdam, Leipzig und Stuttgart.

BezeichnungDeutscher Wetterdienst (DWD)
Gründung1952
Hauptsitz der BehördeOffenbach (Hessen)
AufgabenWettervorhersagen, Katastrophenschutz, Datenerfassung
Zahl der Wetterstationen180 Wetterwarten/Stationen, 1734 nebenamtliche Stationen
Erreichbarkeit DWD allgemeinTelefon: 0180 2 913 913, E-Mail: info@dwd.de
Erreichbarkeit DWD Nordrhein-WestfalenTelefon: 069 8062 0, E-Mail: dwd.essen@dwd.de

Ist der Deutsche Wetterdienst (DWD) staatlich?

Ja, der Deutsche Wetterdienst ist eine sogenannte Bundesoberbehörde mit Sitz in Offenbach in Hessen. Als Anstalt des Öffentlichen Rechts liegt er im Verantwortungsbereich des Bundesverkehrsministeriums. Geregelt ist das im DWD-Gesetz.

Welche Aufgabe hat der DWD?

Der Deutsche Wetterdienst hat die Hauptaufgabe, die Allgemeinheit oder Branchen wie etwa die Schifffahrt oder die Landwirtschaft vor Unwettern zu warnen. Außerdem überwacht der DWD das Klima in Deutschland und dokumentiert beziehungsweise bewertet Klimaveränderungen. Oder anders ausgedrückt: „Der DWD ist für die Erfüllung der meteorologischen Erfordernisse aller Wirtschafts- und Gesellschaftsbereiche in Deutschland zuständig“, wie es beim DWD selbst heißt.

Zu den konkreten Aufgaben des DWD gehört unter anderem Folgendes:

Welches Wettervorhersagemodell nutzt der Deutsche Wetterdienst?

Wetterdienste stützen ihre Vorhersagen auf unterschiedliche Modelle. Der DWD ist einer von 14 Wetterdiensten weltweit, die ein eigenes globales Wettervorhersagemodell betreiben. Die meisten anderen Dienste nutzen Ausschnittsmodelle, mit denen das Wetter nur für eine abgegrenzte geographische Region vorhergesagt werden kann.

Das DWD-Wettermodell trägt den Namen Icon (kurz für icosahedral non‐hydrostatic, zu Deutsch: ikosaedrisch nicht-hydrostatisch). Mit dem Modell lassen sich Vorhersagen auf Basis eines den Globus vollständig umspannenden Dreiecksgitters berechnen.

Wie viele Wetterstationen hat der DWD?

Der DWD betreibt 180 hauptamtliche Wetterwarten, Flugwetterwarten und Wetterstationen: 165 automatisierte Wetterstationen und 15 Flugwetterwarten an internationalen Verkehrsflughäfen wie in Düsseldorf oder am Flughafen Köln/Bonn. Ferner gibt es an 26 Regionalflughäfen ebenfalls Wetterbeobachtungsstationen.

Darüber hinaus verfügt der Deutsche Wetterdienst über ein Netzwerk von 1734 nebenamtlichen Wetter- und Niederschlagsstationen. 836 Online-Stationen davon melden alle 30 Minuten neue Daten.

Und schließlich nutzt der DWD 1900 Straßenwetterstationen aus Partnernetzen und hunderte Wetterwarten an Bord von Schiffen oder an Bojen, die Daten zu Wetterereignissen auf See liefern.

Für Radioaktivitätsmessungen nutzt der DWD 48 spezielle Messstationen in Deutschland.

Was kostet der Deutsche Wetterdienst?

Der DWD wird komplett aus Steuermitteln finanziert. Für das Jahr 2022 hat die Behörde einen Etat von 347 Millionen Euro, 140 Millionen Euro davon sind für internationale Organisationen wie den Wettersatellitenbetreiber Eumetsat vorgesehen. Die Personalausgaben liegen bei knapp 112 Millionen Euro, der DWD beschäftigt etwa 2200 Mitarbeiter (Beamte und Tarifbeschäftigte). Demgegenüber stehen Einnahmen von 20 Millionen Euro, ein Großteil davon kommt aus Gebühren für den Flugwetterdienst. Insgesamt kostet der DWD den Staat im Jahr 2022 also 327 Millionen Euro.

Regenradar und Wettervorhersage: Wie zuverlässig ist die DWD-App?

Die DWD-App mit dem Namen Warnwetter ist sowohl für iOS als auch für Android verfügbar. Eine Version für Windows 10 gibt es seit 2021 nicht mehr. Die App warnt via Pushmeldungen vor möglichen Gefahren durch Wetterereignisse wie zum Beispiel Sturm, Gewitter, Regen und Starkregen, extreme Hitze, Schnee, Frost, Glätte, Nebel oder UV-Strahlung. Dabei können die Nutzerinnen und Nutzer in den Einstellungen festlegen, ab welcher Warnstufe die App Pushmeldungen aufs Smartphone senden soll.

Ein Niederschlagssensor des Deutschen Wetterdienstes
Der DWD setzt zahlreiche Sensoren wie diesen ein: Das Gerät registriert Niederschläge in Form von Sprühregen, Regen, Schnee oder Hagel mithilfe eines Lichtschrankensystems und erkennt den Anfang und das Ende von Niederschlägen. © DWD

Die App greift auf Daten des größten Wetter-Messnetzes Deutschlands zurück: Der DWD betreibt unter anderem 50 Wetterwarten inklusive 16 Flugwetterwarten sowie 130 Wetterstationen und darüber hinaus 1734 Stationen von ehrenamtlichen Wetterbeobachtern. Zudem nutzt der DWD das globale Wettervorhersagemodell Icon, das besonders genaue Daten liefern kann. Die Wettervorhersagen der DWD-App gelten entsprechend gemeinhin als zuverlässig, in zahlreichen Rankings zu den besten Wetter-Apps belegt die App regelmäßig Top-Platzierungen.

Was kostet die DWD-App?

Die Grundversion der DWD-App mit den Warnfunktionen ist kostenlos. Über In-App-Käufe lassen sich weitere Funktionen aktivieren. Die Vollversion kostet einmalig 2,49 Euro. So bietet die Warnwetter-App in der Vollversion detaillierte Kartenansichten und Wettervorhersage-Optionen wie einen Regenradar. Seit einem Update im Oktober 2022 hat die App in der Vollversion einige neue Funktionen erhalten:

Ursprünglich waren alle Funktionen der App kostenlos, 2016 aber hatte der Verband Deutscher Wetterdienstleister, in dem private Anbieter organisiert sind, dagegen geklagt. Der Bundesgerichtshof gab dem Verband 2020 letztinstanzlich Recht: Laut dem Urteil verstoßen kostenfreie Informationsangebote des DWD, die über die reine Warnfunktion hinausgehen, gegen das Wettbewerbsrecht. Seitdem müssen Nutzerinnen und Nutzer für die Zusatzfunktionen, wie etwa den vollständigen Regenradar zahlen.

Wofür ist der DWD in NRW zuständig?

In Essen gibt es ein großes Regionalzentrum des Deutschen Wetterdienstes. In der dortigen regionalen Wetterberatung (RWB) an der Wallneyer Straße 10 sagen die Meteorologen das Wetter für NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland voraus.

Das DWD-Regionalzentrum in Essen
Die DWD-Niederlassung für NRW in Essen. © DWD

Darüber hinaus berät die RWB Essen die Feuerwehr, Polizei, Behörden und die Öffentlichkeit bei gefährlichen Wetterereignissen oder auch bei Unfällen mit Gefahrgütern. Die DWD-Niederlassung in Essen beherbergt außerdem die Luftfahrtberatungszentrale West, Außenstellen der Regionalen Messnetzgruppe (RMG) Offenbach und des Bereichs Service und Logistik Nord sowie eine Verwaltungsstelle. 

Das Regionalzentrum in Essen arbeitet zudem besonders eng mit dem Landesbetrieb Straßen.NRW zusammen, denn der Ballungsruhr Rhein-Ruhr hat das dichteste Autobahn- und Bundesstraßennetz von ganz Deutschland. So kann der Betrieb im Straßenbau oder vor Wetterereignissen wie Schnee und Glätte besser planen. Bereits Ende der 1980er Jahre wurde in NRW das DWD-Straßen-Wetter-Informations-Systems (SWIS) entwickelt, von dem heute bundesweit Autobahn- und Straßenmeistereien profitieren.

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Deutscher Wetterdienst: Was ist die 10-Tage-Vorhersage?

Die Vorhersagezentrale des DWD in Offenbach bietet einen täglichen Wetterbericht für Deutschland auf seiner Webseite an. Der Wetterbericht kann auch als kostenloser Newsletter per E-Mail bestellt werden. Die Standard-Vorhersage gilt für den jeweils aktuellen Tag und die drei folgenden Tage.

Der DWD bietet darüber hinaus aber auch eine 10-Tage-Wettervorhersage für ganz Deutschland und jeweils für jedes Bundesland an. Diese zeigt an, wie sich das Wetter in den nächsten zehn Tagen entwickeln könnte. Für diese Trend-Vorhersage werden mehrere Vorhersagen berechnet, die im Idealfall alle potenziell zu erwartenden Entwicklungen umfassen.

Diese Entwicklungen wiederum stellt der DWD mithilfe von farblich unterschiedlichen Kurven in einer Grafik dar, anhand derer sich die Wahrscheinlichkeit für Niederschlag wie Regen oder Schnee und die zu erwartenden Temperaturen in den nächsten Tagen ablesen lassen. Die Grafiken fassen zusammen, in welchem Bereich 50, 80 oder 100 Prozent dieser Wahrscheinlichkeiten liegen. Beispiel Niederschlag: Wird es mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent in zehn Tagen viel Regen geben, wird an der entsprechenden Stelle in der Grafik eine blassblaue Kurve angezeigt. Liegt die Wahrscheinlichkeit für viel Regen hingegen bei nahezu 100 Prozent, lässt sich das an einer tiefblauen Kurve ablesen.

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