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Debatte um Delfine in Duisburg: Das sagt der Zoo

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Von: Jonah Reule

Zwei Delfine schwimmen im Delfinarium des Duisburger Zoos
Die Aufzucht von Delfinen in Delfinarien sorgt immer wieder für Diskussionen (Symbolbild). © Daniel Tomczak/dpa

Im Duisburger Zoo wurde kürzlich ein Delfinbaby geboren. Das Tier ist gesund, doch Tierschützer kritisierten Delfinarien zuletzt grundsätzlich. Jetzt äußert sich der Zoo dazu.

Duisburg – Vor vier Monaten kam Delfin Domingo im Zoo Duisburg zur Welt: Anfangs noch etwas klein – das Neugeborene wog knapp 14 Kilo, das Durchschnittsgewicht liegt bei 18 Kilo – hat sich der Delfin gut entwickelt und ist gesund. An der Haltung von Delfinen in Delfinarien gibt es indes immer wieder Kritik von Tierschützern, wie etwa vom Deutschen Tierschutzbund. Das sagt der Zoo Duisburg dazu:

Zoo Duisburg: Delfine haben ähnlich viel Platz wie in der Natur

Der Tierschutzbund mahnte zuletzt an, die Delfine hätten in Delfinarien nicht genügend Bewegungsfreiheit. Das weist der Zoo Duisburg für sein Delfinarium klar zurück. „Im Delfinarium des Zoo Duisburg leben Vertreter der Küstenform des Großen Tümmlers. Diese Art wird aufgrund ihrer von der Natur her vorgegebenen kleinen Gruppengröße und der natürlichen Anpassung an flache Gewässer bevorzugt in den Delfinarien gehalten“, so ein Sprecher.

Diese Art lebe in zumeist nur wenige Meter tiefen Küstensäumen sowie in Buchten, Lagunen und Flussmündungen. „Anders als die Hochseeform des Großen Tümmlers, die ausschließlich in den tiefen Gewässern der offenen See vorkommt, legt die bei uns gehaltene Küstenform keine größeren Strecken zurück. Vielmehr lebt der Familienverband dieser Unterart in einem überschaubaren Verbreitungsgebiet“, so der Zoo-Sprecher weiter.

Überdies belegten Studien, dass Große Tümmler in modernen Delfinarien länger lebten, gesünder und weniger gestresst seien, als ihre wilden Artgenossen in der Natur. „Sie genießen das Training und schütten Glückshormone während Trainingseinheiten, die bei uns wie in allen anderen modernen Delfinarien dem Prinzip der positiven Bestärkung folgen, aus“, heißt es beim Zoo. Tatsächlich beobachtete unter anderem die Meeresbiologin Isabella Clegg, dass Delfine sich auf die Interaktion mit ihren Trainern freuen.

Delfin-Babys haben kein ausgebildetes Immunsystem

Tierschutzorganisationen verweisen unterdessen auf Studien, laut denen die Sterberate von Delfinen, die in Delfinarien geboren werden, hoch sei. Der Zoo Duisburg bestätigte auf Anfrage, dass es auch im Delfinarium bereits Delfine gegeben habe, die nach ihrer Geburt nicht überlebt hätten. Das liege aber, genau wie in freier Wildbahn, daran, dass die neugeborenen Delfine über kein ausreichend ausgebildetes Immunsystem verfügten, so der Zoo. Eine Infektion könne dabei zum Tode führen. Dies gelte sowohl im Zoo, als auch im ursprünglichen Lebensraum.

„Betrachten wir den Zeitraum von einschließlich 2011 bis heute: Von den zehn Großen Tümmlern, die in diesem Zeitraum geboren worden sind, sind sieben Tiere erfolgreich aufgezogen worden. Die Aufzuchtsrate liegt somit bei 70 Prozent“, so der Zoo-Sprecher.

Der Vergleich zur freien Wildbahn sei zwar schwierig, aber: „In einer gut untersuchten Delfinpopulation in Sarasota Bay in Florida wird die Sterblichkeit von Jungtieren bei erstgebärenden Müttern mit 86 Prozent beziffert, demnach überleben nur 14 Prozent der Jungtiere.“

Inzucht bei Delfinen – Zoo sieht keine bedenklichen Nachteile

Der kleine Domingo ist ein Inzucht-Baby: Seine Eltern sind enge Verwandte. Tierschützer mahnen an, dass Erbkrankheiten in diesen Fällen häufiger auftreten. Der Zoo sieht für seine Delfin-Population aber keine Nachteile: „Delfine leben in einem Sozialsystem, welches als „Fission and Fusion“ bezeichnet wird.“ Darunter verstehe man eine Delfinschule aus mehreren Untergruppen.

Da diese mal mehr und mal weniger Kontakt miteinander hätten, könne es vorkommen, dass Eltern ein näheres Verwandtschaftsverhältnis aufweisen, erklärte der Zoo weiter. Dies komme auch bei Fledermausarten und Bonobos öfter vor. Im Duisburger Zoo sei Domingo der einzige große Tümmler mit einem näheren Verwandtschaftsgrad der Eltern.

Delfinarien helfen Wissenschaft, sagt Zoo Duisburg

„Die wissenschaftliche Arbeit mit unseren Delfinen dient Artenschützern weltweit als Grundlage“, sagt der Zoo-Sprecher. So sei in Duisburg etwa die Haftbarkeit von GPS-Trackern erprobt worden, mit deren Hilfe Wanderrouten von Walen und Delfinen verfolgt werden. „Das funktioniert aber nur, wenn die Geräte auch halten. Eine Studie, die im ursprünglichen Lebensraum unmöglich gewesen wäre“, heißt es beim Zoo.

Im Duisburger Delfinarium sei auch getestet worden, wie Delfine auf reflektierende Netze reagieren: „Sind die Tiere in der Lage solch speziell beschichtete Fischernetze über Echoortung zu erkennen, kann es helfen, dass weniger Delfine in solchen Netzen verenden.“

Darüber hinaus hätten Forscher im Zoo Duisburg grundlegende Erkenntnisse zum Kommunikationsverhalten von Delfinen sammeln können. „Mit diesem Wissen kann die Gruppenzugehörigkeit von Delfinen festgestellt werden und hilft, das Leben im Familienverband noch besser zu verstehen“, argumentiert der Zoo.

Delfin-Baby Domingo geht es gut – Besucher erfreuen sich am Nachwuchs

Erfreut zeigte sich der Zoo über die Entwicklung seines Delfin-Nachwuchses. Domingo geht es gut, die Zusammenführung der Delfinfamilie habe gut funktioniert und Domingo ist fester Bestandteil der Familie, so der Duisburger Zoo. Domingo halte sich immer an der Seite seiner noch vergleichsweise jungen Mutter Debbie auf, deren Verhalten von der zuständigen Tierärztin Dr. Kerstin Ternes als sehr vorbildlich bezeichnet wurde.

Auch von Besucherseite aus sei eine große Begeisterung am Delfin-Nachwuchs Domingo zu vernehmen, so der Zoo. Die Besucher freuen sich über die bisher erfolgreiche Aufzucht des kleinen Delfins. (jr)

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