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Debatte um Partysong „Layla“: „Auch mal tolerant sein“

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Von: Nina Büchs

Aufregung um Ballermann-Hit „Layla“: Der Song stieß zuletzt auf Kritik. Sören Link, Oberbürgermeister in Duisburg, kann das nicht verstehen.

Duisburg – „Ich hab‘ ‚nen Puff und meine Puffmama heißt Layla. Sie ist schöner, jünger, geiler“ – die Zeilen dieses aktuellen Ballermann-Hits von DJ Robin & Schürze sorgen derzeit für Furore. Der Grund: Der Songtext ist vielen zu sexistisch. Aufgrund des umstrittenen Inhalts hatte die Stadt Würzburg angeordnet, dass der Hit auf dem Kiliani-Volksfest nicht gespielt werden darf. Auch die Veranstalter der Rheinkirmes Düsseldorf hatten zunächst ein Verbot des Chart-Hits angekündigt, ruderten später jedoch zurück.

Inzwischen heizt die Debatte um den Hit nicht nur das Netz an – auch zahlreiche Politiker haben sich zu Wort gemeldet. Darunter auch Sören Link, Oberbürgermeister der Stadt Duisburg. Auf Facebook schrieb er, er sei genervt von der „scheinheiligen Cancel-Culture-Debatte“.

Debatte um Ballermann-Hit „Layla“: Duisburger OB – „mal ruhig durchatmen“

Links sieht man den OB Sören Link aus Düsseldorf, rechts Menschen, die auf einer Party tanzen. (24RHEIN-Montage)
Der Duisburger Oberbürgermeister Sören Link hat eine klare Haltung zur Debatte um den umstrittenen Ballermann-Hit „Layla“. (24RHEIN-Montage) © Nico Herbertz/Imago & Sophia Kembowski/dpa

„Ich denke zwar persönlich bei dem Lied ‚Layla‘ vor allem an den großartigen Song von Eric Clapton und finde den aktuellen Ballermann-Hit auch nicht übertrieben gut, aber diese scheinheilige Cancel-Culture-Debatte nervt schon ein wenig“, so die Worte des SPD-Politikers auf Facebook. Songs mit potenziell „schlimmeren Inhalten“ gäbe es viele, so Link. „Wer solch einen engen Maßstab anlegt, dessen Party-Playlist dürfte vermutlich sehr kurz sein“, heißt es weiter in dem Facebook-Post. Bei dem Song gehe es um einen Party-Hit ohne ernsthaften Inhalt. „Mal ruhig durchatmen und nicht nur Toleranz predigen, sondern auch mal tolerant sein“, findet der Duisburger Oberbürgermeister.

Wirbel um Hit „Layla“: Justizminister Buschmann findet Verbot „eins zu viel“

Ähnlich denkt auch Bundesjustizminister Marco Buschmann. Auf Twitter schrieb er, man müsse kein Fan von Schlagertexten sein. „Sie behördlich zu verbieten, finde ich, ist eins zu viel“, so Buschmann.

„Donaulied“, „Skandal im Sperrbezirk“ – umstrittene deutsche Schlager-Hits

Fest steht: Lieder mit kritischen Textzeilen sind keine Seltenheit — gerade bei Schlagertexten häufen sich inhaltlich umstrittene Texte. Ein Beispiel sind unter anderem Hits wie „Skandal im Sperrbezirk“, „Wir fahren in den Puff nach Barcelona“ oder das „Donaulied“, das die Stadt Würzburg 2021 aus den Festzelten verbannt hatte. Im Donaulied heißt es unter anderem: „Ich machte mich über die Schlafende her, Ohohoholalala, Sie hörte das rauschen der Donau nicht mehr, Ohohoholalala“. Gegen das „Donaulied“ der Band „Meddlstadl“ hatte eine Passauer Studentin 2020 sogar eine Petiton gestartet, da in dem alten Volkslied ein Weltbild vermittelt werde, „welches sexuelle Gewaltfantasien gegen Frauen normalisiert und verherrlicht. Deswegen stellt das Donaulied eine Form sexueller Gewalt dar“, heißt es in der Petiton.

Ballermann-Hit „Layla“: Rapperin Sokee befürwortet Verbot – „geht um eine Fleischbeschau“

Während Politiker wie Sören Link und Marco Buschmann von einem Layla-Verbot nichts halten, gibt es aber andere, die das Verbot für zeitgemäß und richtig halten. So zum Beispiel die Musikerin Nora Hantzsch alias Sookee. „Hier geht es lediglich um eine Fleischbeschau“, sagte Sookee im Interview mit der radioWelt auf Bayern 2. Seit Jahren setzt sich die Rapperin für Geschlechterdiskrimminierung, Rassismus und Antisemitismus ein. Ihre Haltung zu dem Ballermann-Hit machte sie gegenüber dem Bayrischen Rundfunk klar. Das Lied sei diskriminierend, da es dabei um Sexarbeiterinnen gehe, die gesellschaftlich sowieso keinen guten Stand hätten, so Sookee.

Auch Michael Fischer, Direktor des Zentrums für Populäre Kultur und Musik der Universität Freiburg findet das Lied „sexistisch“. Gegenüber der Morgenpost sagte er, in dem Song werde eine Frau namens Layla beschrieben und „in sexistischer Weise besungen und das Video unterstützt das natürlich auch in seiner Bildsprache“, erklärt der Direktor des Zentrums für Populäre Kultur und Musik.(nb) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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