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Silvester-Krawalle und Gewalt gegen Rettungskräfte in Duisburg: Zwei Stadtteile im Fokus

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Von: Maximilian Gang

In Duisburg ist es an Silvester zu Ausschreitungen gekommen. Die Ausmaße haben dabei ein neues Level erreicht. Was Polizei und Stadt jetzt unternehmen.

Duisburg – Die Silvesternacht ist für die meisten Menschen ein Anlass, um mit Freunden und Familie gemütlich und fröhlich in das neue Jahr zu starten. Doch in diesem Jahr war häufig eher Gegenteiliges der Fall: Es kam zu Unfällen und Gewalttaten. Bundesweit haben Unruhen beim ersten Jahreswechsel ohne Corona-Einschränkungen ein neues, besorgniserregendes Niveau erreicht.

An zahlreichen Orten in Deutschland sind beispielsweise Einsatzkräfte nicht nur bei der Arbeit behindert, sondern aktiv – und teilweise mit sehr gefährlichen Mitteln – angegriffen worden. Bundesinnenministerien Nancy Faeser (SPD) spricht im Rückblick gegenüber der Deutschen Presseagentur von einer „Verrohung“, welche konsequentes Handeln erfordere. Auch in Nordrhein-Westfalen ist es in vielen Regionen zu solchen Ausschreitungen gekommen, besonders in Duisburg. Die zuständigen Behörden beginnen nun mit der Aufarbeitung der Geschehnisse.

Silvester-Chaos in Duisburg: Brutalität gegen Einsatzkräfte nimmt zu

Doch was war passiert? Insgesamt war es in Duisburg in der Silvesternacht zu 470 Einsätzen der Polizei gekommen. Die schiere Anzahl ist dabei im Vergleich zum Vorjahr, wo es 430 Einsätze gegeben hat, nicht allzu auffällig. Was jedoch auffällig ist, ist, dass die Anzahl in den vergangenen Jahren stetig ansteigt. Besonders problematisch: Die Brutalität, mit der Einsatzkräfte und auch Passanten attackiert werden, scheint ebenso immer heftiger zu werden. Besonders in zwei Stadtteilen sei es, laut Polizeiangaben, zu besorgniserregenden Szenen gekommen, die in ihrer Intensität Vorfälle vergangener Jahre überschatten.

Duisburg: Die Silvester-Krawalle in Zahlen

Polizeisprecher Duisburg: Angriff auf Einsatzkräfte ist „absolutes No Go“

Einer dieser Stadtteile ist Hochheide. Am Bürgermeister-Bongartz-Platz haben sich zwei Menschengruppen gegenseitig mit Feuerwerk beschossen – und dabei auch Passanten und Polizisten ins Visier genommen. „Als die Polizei eintraf, wurden auch die Einsatzkräfte massiv mit Böllern beschossen sowie mit Steinen und Glasflaschen beworfen“, heißt es seitens der Einsatzkräfte. Zudem wurde ein Streifenwagen beschädigt. Dabei haben, laut Polizeisprecher Jonas Tepe, besonders Jugendliche und junge Männer deutlich über die Stränge geschlagen: „Rettungskräfte haben die Aufgabe Menschen in Not zu helfen. Sie im Einsatz anzugreifen ist ein absolutes No Go“, wie er gegenüber 24RHEIN erklärt.

Krawalle an Silvester in Duisburg: Oberbürgermeister kündigt Konsequenzen an

Ähnlich sieht es auch Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD): „Gegen derartig skrupellose Übergriffe setzen wir uns mit allen Mitteln zur Wehr, die dem Rechtsstaat zur Verfügung stehen“. Der vorsätzliche Angriff auf Rettungskräfte und unbeteiligten Passanten sei nicht zu entschuldigen. Doch damit nicht genug: Auch ein weiterer Zwischenfall im Duisburger Stadtteil Hochfeld sorgt für Kopfschütteln bei der Stadt und der Polizei.

Dort sollen Personen in der Wanheimer Straße E-Scooter in Brand gesetzt haben und randaliert haben. Auch hier wurden Polizisten bei ihrer Ankunft mit Feuerwerk beworfen. „In einem Fall wurde sogar versucht, in die Fahrerkabine eines Einsatzwagens einzudringen und die Gerätefächer am Fahrzeug zu öffnen“, wie Stadtsprecher Maximilian Böttner gegenüber 24RHEIN erklärt. Dadurch wurde das Einsatzfahrzeug leicht beschädigt. Im Stadtteil Marxloh wurde ebenso Feuer gelegt, unter anderem Mülltonnen und Europlatte standen im Bereich der Weseler Straße in Flammen. Die dortigen Straßenbahnschienen wurden beschädigt. Aktuell sucht die Polizei noch nach Zeugen. Zudem würden Kameraaufnahmen ausgewertet.

Gewaltexzesse in Deutschland: Polizeigewerkschaft ruft Mitglieder zur Strafanzeige auf

Dass in Duisburg keine Polizisten in der chaotischen Silvesternacht verletzt wurden, kann als Glück bezeichnet werden. Betrachtet man gesamt NRW, so zeichnet sich ein anderes Bild: 42 Polizisten starten nach den Eskalationen mit Verletzungen in das neue Jahr. Ein Umstand, den die Gewerkschaft der Polizei (GDP) nicht so stehen lassen will: „Jeder Übergriff auf uns Polizeibeschäftigte muss aktenkundig werden“, so der Bundesvorsitzende Jochen Kopelke gegenüber der Deutschen Presseagentur. Auch in Duisburg sollen Konsequenzen gezogen werden.

Nach neuer Gewaltdimension in Duisburg: Stadt und Polizei beginnen mit der Aufarbeitung

Wie diese konkret aussehen, ist zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch unklar: „Das Bürger- und Ordnungsamt wird die Vorkommnisse in der Silvesternacht gemeinsam mit der Polizei und der Feuerwehr aufarbeiten“, wie Böttner erklärt. Dabei sollen „geeignete ordnungsbehördliche Konsequenzen“ erörtert und gezogen werden. Auch der Polizei Duisburg ist an einem Austausch zu den Silvester-Krawallen gelegen: „Stadt, Feuerwehr und Polizei tauschen sich das ganze Jahr über intensiv aus und besprechen Einsatzerfahrungen“.

Nicht nur in Duisburg ist es an Silvester zu gewalttätigen Ausschreitungen und Angriffen auf Einsatzkräfte gekommen. Auch in Köln wurden Polizisten mehrfach mit Böllern beworfen. (mg) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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