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Zoo Zajac in der Kritik nach Tod vom Firmengründer: „Schade, dass es kein Umdenken gibt“

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Von: Peter Sieben

Hundewelpen hinter einer Scheibe bei Zoo Zajac in Duisburg
„Zoo Zajac“ in Duisburg verkauft seit 2012 Hundewelpen. Auch nach dem Tod von Norbert Zajac soll das Geschäft wie gewohnt weitergehen. (Archivbild) © Roland Weihrauch/dpa

Der weltgrößte Zoohandel „Zoo Zajac“ in Duisburg wird auch nach dem Tod von Norbert Zajac weitergeführt. Der Tierschutzbund hat einen dringenden Appell an die Geschäftsführung.

Duisburg – Diesmal geht es um den Goldstirnsittich. „Hi Fans, schön, dass ihr da seid“, sagt Norbert Zajac in dem Video, das am Freitag bei Youtube online gegangen ist – wenige Tage nach seinem Tod. „Um euch seine letzten Videos nicht vorzuenthalten, laden wir noch alle vorproduzierten Videos von ihm hoch“, heißt es in der Videobeschreibung des Kanals, dem Hunderttausende folgen, um Norbert Zajac über exotische Tiere dozieren zu sehen.

„Zoo Zajac“ in Duisburg: Betrieb geht weiter wie bisher

Auch im Laden „Zoo Zajac“ geht es ganz normal weiter, wie Kathi Geven sagt, die zusammen mit Zajacs Frau Jutta zur Geschäftsleitung gehört. Eine Schließung sei keine Option, das sei auch im Sinne von Norbert Zajac, der am Dienstag (13. Dezember) im Alter von 67 Jahren verstorben ist. Was der Duisburger im Laufe seines Lebens geschaffen hat, ist nicht weniger als ein Imperium: „Zoo Zajac“ in Duisburg ist der größte Zoofachhandel der Welt. 12.000 Tiere aus 3000 unterschiedlichen Arten leben auf einer Fläche von 13.000 Quadratmetern. Auch exotische Tiere wie Schlangen oder Erdmännchen. Und neuerdings auch ein Faultierbaby namens Fridolin, das der Firmengründer selbst aufgepäppelt hatte.

Zoo Zajac in Duisburg

► 1975 startete Norbert Zajac mit einem Zoohandel in Duisburg-Meiderich (NRW). 2004 expandierte „Zoo Zajac“ an neuem Standort in Duisburg-Neumühl und wurde schließlich zum weltweit größten Zoofachhandel.

► Auf einer Ladenfläche von 13.000 Quadratmetern leben 12.000 Tiere. Im Geschäft gibt es 1000 Aquarien, 500 Terrarie, Dutzende Volieren und zahlreiche Teichbecken.

► „Zoo Zajac“ verkauft auch exotische Tiere, womit Zajac immer wieder für Aufsehen sorgte: So waren und sind zum Beispiel Faultiere, Erdmännchen, Kaimane, Affen, Gürteltiere und weitere Tierarten im Angebot.

► 2012 startete Norbert Zajac mit dem Verkauf von Hundwelpen, die seit den 90er Jahren in Deutschland eigentlich nicht mehr in Zoogeschäften angeboten wurden. Damit handelte sich „Zoo Zajac“ immer wieder Kritik von Tierschützern ein.

Trauer bei Fans von Norbert Zajac: „Er war einer der Besten“

Für viele Menschen war Norbert Zajac eine liebenswerte Kultfigur. Zahlreiche Kommentare unter dem jüngsten Video des Zoohändlers, der auch durch TV-Dokus bundesweit bekannt wurde, zeugen davon. „Ich war und bin so schockiert und sprachlos. Was für ein Verlust! Du warst ein großartiger Mensch, wir haben dir soooo viel zu verdanken“, schreibt ein Nutzer. „Er war einer der Besten“, kommentiert ein anderer.

„Zoo Zajac“ verkauft als einziger Zoohandel Hundewelpen

Doch „Zoo Zajac“ polarisiert. Viele kritisieren das Konzept des Ladens. Spätestens, als der Zoohandel 2012 mit dem Verkauf von Hundewelpen anfing, liefen Tierschützer Sturm. Denn Hundewelpen werden seit den frühen 90er Jahren in Deutschland nicht mehr im Zoohandel verkauft, so ein ungeschriebenes Gesetz. Zajac setzte sich darüber hinweg. So haben sich die Mitglieder des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands (ZZF) einst darauf verständigt, keine Welpen mehr ins Angebot zu nehmen und Kunden den Kauf im Tierheim oder beim Züchter zu empfehlen. Aber „Zoo Zajac“ ist kein Mitglied beim ZZF. Auch künftig will das Geschäft weiterhin Hundewelpen verkaufen.

Kritik vom Tierschutzbund: „Tiere werden als bloße Ware angesehen“

Der Deutsche Tierschutzbund beäugt den Welpen-Handel schon lange kritisch „Wir finden es schade, dass es da nun kein Umdenken gibt“, so Sprecherin Hester Pommerening. Zwar hatte Norbert Zajac immer betont, dass die Hunde fachgerecht betreut würden und „Zoo Zajac“ eine der modernsten Hundeanlagen Europas besitze. Aber das Problem gehe tiefer, heißt es beim Tierschutzbund: „Bei dieser Art von Handel werden Tiere wie eine bloße Ware angesehen, das darf nicht sein und das muss sich ändern“, so Pommerening.

Denn durch diese Art des Tierhandels fördere man eine bestimmte Art von Mentalität: „Die Menschen denken: Man kann sich ein Tier aussuchen, und wenn es nicht passt, wird‘s wieder zurückgegeben.“ Gerade während der Corona-Pandemie sei genau das massenhaft geschehen. Gleichzeitig würden die Tierheime immer voller – auch weil immer mehr Hunde abgegeben werden, deren Ex-Halter sie unüberlegt angeschafft hätten.

Warum sollten Hunde nicht im Zoohandel verkauft werden?

Zudem bedeute es dauernden Stress für die Welpen, permanent der Präsentation im Laden ausgesetzt zu sein. „Auch ihren sozialen und zeitlichen Ansprüchen kann nicht Rechnung getragen werden“, sagt Tierschutzbund-Sprecherin Hester Pommerening. Hundewelpen sollten direkt nach der Entwöhnung von der Mutter während der sogenannten Prägephase, die etwa mit der zwölften Lebenswoche endet, zum späteren Halter. „Das ermöglicht dem Tier eine gute und stabile Bindung an die Bezugsperson und es kann sich besser an die zukünftigen Lebensumstände gewöhnen“, erklärt die Sprecherin. Fehler und Mängel in der Prägephase der Welpen könnten zu lebenslangen Verhaltensproblemen führen.

Ein weiterer Punkt: Mit dem Verkauf im Zoogeschäft würden oft Lockangebote einhergehen, die auf spontane Entscheidungen bei den Kunden zielen. Denn: Dem Dackelblick hinter Glas ist nur schwer zu widerstehen. „Eine sachkundige Beratung ist dabei meist nicht gegeben“, so Pommerening.

Darüber hinaus befürchtet der Deutsche Tierschutzbund, dass Welpen, die im Zoohandel angeboten werden, überwiegend aus Massenzuchten stammen: „Für verantwortungsvolle Züchter sollte eine Abgabe ans Zoofachgeschäft nie in Frage kommen. Und wer sich für einen Hund als treuen Gefährten interessiert, sollte sich in den Tierheimen informieren und beraten lassen und dann entscheiden.“

Peta spricht Angehörigen von Norbert Zajac Beileid aus

Ähnlich argumentiert die Tierschutzorganisation Peta, die den Angehörigen von Norbert Zajac ihr Beileid aussprach, aber auch an die Geschäftsleitung appellierte: „Sollte das Unternehmen fortgeführt werden, ist eine Neuausrichtung dringend notwendig“, sagt Jana Hoger, Fachreferentin Peta. Der Tierverkauf müsse umgestellt werden und das Sortiment ausschließlich auf tiergerechtes Zubehör und Tierfutter umgestellt werden, so die Forderung. „Die Zeiten, in denen fühlende Lebewesen wie Äpfel und Birnen über die Ladentheke gehen, sind vorbei. Zudem platzen Tierheime aus allen Nähten. Das muss ein Ende haben“, so Hoger.

„Zoo Zajac“ hatte in der Vergangenheit indes immer betont, dass bei jedem Hundekauf ausführliche Gespräche mit den künftigen Haltern geführt würden. Schnellkäufe gebe es nicht. (pen)

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