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Millionen-Diebstahl aus Zollamt: Wer sind die Täter? Neue Spuren

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Von: Lydia Schauff

Ein Tätverdächtiger des Einbruchs ins Zollamt Emmerich geht zu seinem Auto.

Fahndungsfoto eines der Tatverdächtigen, der am Einbruch ins Zollamt Emmerich beteiligt gewesen sein soll. Die Kennzeichen des Autos sind gefälscht. © Polizei Krefeld

Unbekannte brechen im November ins Zollamt Emmerich am Niederrhein ein. Beute: 6,5 Millionen Euro. Die Ermittler glauben an einen Insiderjob und verfolgen neue Spuren.

Emmerich – Die Untersuchung des Tatorts habe laut Klever Oberstaatsanwalt Johannes Hoppman neue Spuren gebracht und eine Ermittlungskommission verfolge „zahlreiche Ermittlungsansätze“. Gesucht werden diejenigen, die aus den Zollamt Emmerich (NRW) am Niederrhein 6,5 Millionen Euro gestohlen haben.

An Allerheiligen am 1. November 2020 brechen drei Täter früh morgens in das Zollamt Emmerich nahe der niederländischen Grenze ein, bohren den Tresorraum auf und nehmen das ganze Geld mit. Zeugen berichteten der Polizei später von dunkel gekleideten Männern mit dunklen Strickmützen, die einen weißen Transporter mit den Tragetaschen beladen hatten. Anschließend fuhren sie mit dem Fahrzeug mit Klever Kennzeichen weg. Ein vierter Verdächtiger, der vermutlich Schmiere gestanden hatte, fuhr mit einem Auto in die gleiche Richtung. Ein Zeuge machte Fotos, die die Polizei für einen Fahndungsaufruf nutzte.

Statt mit großen Einbrüchen hat der Zoll an der Grenze zu den Niederlanden oft mit Drogenschmuggel zu tun. Mitte Januar erwischten Zöllner aus Krefeld einen Albanier mit 23 Kilo Cannabis im Gepäck.

Einbruch in Zollamt Emmerich: Ermittler glauben an eine undichte Stelle

Der Fall, der Mitte November auch Thema in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ war, hatte für Kritik an den Zollbehörden und Spekulationen über mögliche Insiderinformationen der Täter gesorgt. Sie hatten nämlich zugeschlagen, als eine sehr hohe Summe in dem kleinen Zollamt lag. Direkt nach der Tat hatte der 2020 noch zuständige Klever Oberstaatsanwalt Günter Neifer spontan an eine undichte Stelle beim Zoll oder der Polizei gedacht: „Das war mein erster Gedanke: Da muss einer einen Tipp gegeben haben“.

Wenn dieser Verdacht sich bestätige, gebe es gute Chancen, den Tippgeber zu überführen und das Verbrechen aufzuklären, sagte ein mit dem Vorgang vertrauter NRW-Fahnder. „Die 6,5 Millionen würde ich aber in den Wind schießen, die dürften weg sein“, spekulierte der Experte.

Einbruch im Zollamt Emmerich: Woher kamen die 6,5 Millionen?

Von den 6,5 Millionen Euro Beute stammten 3,7 Millionen aus Sicherstellungen, hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt. Das könnten Drogengelder, Schwarzgeld oder aus anderen Gründen verdächtige hohe Bargeldsummen aus Kontrollen des grenzüberschreitenden Fahrzeugverkehrs sein. Bei solchen Sicherstellungen wird das Geld bis zu einer Gerichtsentscheidung verwahrt, weil es als Beweismittel wichtig ist. So haften eventuell Drogenreste an dem Geld, oder Fingerabdrücke könnten zu finden sein. Deshalb kann das Bargeld nicht sofort an sichere Orte etwa bei der Landeszentralbank gebracht werden.

Einbruch in Zollamt Emmerich: War die Alarmanlage defekt?

Da immer wieder sehr hohe Beträge verwahrt würden, müsse das Geld besser geschützt werden, forderte der für den Zoll zuständige Polizeigewerkschafter Frank Buckenhofer kurz nach der Tat. Nötig sei bewaffnetes Sicherheitspersonal rund um die Uhr. Zollämter wie das in Emmerich hätten geregelte Dienstzeiten wie ein Finanzamt, seien also nachts und an Feiertagen unbesetzt, die Beamten seien unbewaffnet, es fehle vielfach an der baulichen Infrastruktur, sagte Buckenhofer weiter.

Das zuständige Hauptzollamt Duisburg versicherte, dass nach dem Fall die Sicherheitsvorkehrungen in Emmerich „nachhaltig verstärkt“ worden seien. Zu einem Bericht der „Bild“-Zeitung vom November, dass die Alarmanlage vom Zollamt in Emmerich seit Jahren defekt gewesen sei, wollte sich die Sprecherin des Hauptzollamtes auch dreieinhalb Monate nach der Tat nicht äußern. (dpa/lys)

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