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150 Erdbeben im Jahr: Forscher untersuchen Boden im Rheinland – „so genau, wie noch nie“

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Von: Benjamin Stroka

Blick auf die Innenstadt von Aachen.
In der Region um Aachen wurde im Januar 2021 ein Erdbeben mit 2,7 auf der Richterskala gemessen (Archivbild). © Hans Blossey/ Imago Images

Allein im Rheinland werden jährlich rund 150 Erdbeben gemessen. In der Nähe von Aachen starten Forscher ein neues Projekt, um die Herkunft genauer zu untersuchen.

Eschweiler – Mehrfach bebte im Januar 2021 in der Nähe von Aachen die Erde. Am 14. Januar kam es zwischen Aachen und Monschau zu einem Erdbeben, dass sich laut damaliger Polizeiangaben „wie eine leichte Sprengung“ angefühlt hatte. 2,7 auf der Richterskala hatte der Geologische Dienst NRW damals gemessen. Zu Schäden kam es nicht, aber es war eine deutliche Erinnerung, dass besonders das Rheinland immer wieder von Erdbeben betroffen ist.

Erdbeben im Rheinland: Forscher untersuchen Erde mit 40 Seismometern

„Das Rheinland gehört zu den aktivsten Erdbebenregionen in Deutschland“, erklärt Thomas Reinsch von der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie IEG. Das will sich nun ein Forscherteam zunutze machen und mehr über die Entstehung von Erdbeben und die geologische Struktur im Rheinland erfahren. „Über 150 Erdbeben hat alleine im Jahr 2020 die Erdbebenwarte Bensberg für das Gebiet zwischen Kleve, Mainz, Aachen und Köln aufgezeichnet“, berichtet ein Sprecher der Fraunhofer IEG.

Alle 150 Erdbeben seien aber zu schwach gewesen, als dass die Menschen in den Regionen sie gespürt hätten – anders als im Januar in der Region Aachen. Das Fraunhofer IEG startet nun eine Messkampagne mit Schwerpunkt um die Gemeinde Eschweiler. In einem Umkreis von rund zehn Kilometern um Eschweiler herum, sollen nun für ein Jahr rund 40 Seismometern aufgestellt werden und Daten sammeln.

So entstehen Erdbeben

„Die großen Gesteinsplatten der Erdkugel schwimmen auf dem zähflüssigen Inneren, der sie in Bewegung bringt“, erklärt das Fraunhofer IEG. Die Grenzen dieser Gesteinsplatten, die häufig auch als tektonische Platten bezeichnet werden, können sich untereinander verhaken oder verkanten. Es entstehen große Spannungen zwischen den Platten. Wenn sie sich wieder lösen, passiert das ruckartig. Diesen Vorgang erleben wir als Erdbeben.

Erdbeben: Forscher analysieren ein Jahr lang die Erde im Rheinland

Die Erdbeben im Rheinland werden maßgeblich von der Bewegung der afrikanischen Erdplatten nach Norden in die europäische Platte beeinflusst, erklärt ein Sprecher der Fraunhofer IEG. „In der Folge dehnt sich die Platte im Rheinland in Richtung Ost-West und zerfällt in mehrere Schollen, die durch sogenannte Bruchstörungen begrenzt sind.“ Und an ebendiesen Bruchstörungen liegen auch zumeist die Ausgangspunkte von Erdbeben.

„Wir wollen uns die lokalen Bruchstörungen nun wie mit einem Vergrößerungsglas anschauen“, sagt Thomas Reinsch über das geplante Projekt, das er als Koordinator begleitet. Gemeinsam mit mehreren Kooperationspartnern, die ebenfalls an der Aktion beteiligt sind, stellen die Forscher vierzig moderne Seismometer rund um die Gemeinde Eschweiler auf. Zum Vergleich: Bislang befinden sich in diesem Gebiet nur sieben Seismometer. „Wir werden die Entstehungsorte von Erdbeben so genau vermessen wie noch nie, statistisch analysieren und Rückschlüsse auf die maßgeblichen geologischen Strukturen und Prozesse ziehen können“, betont Reinsch. Damit sollen die Erdbeben in der Region bis zum Sommer 2022 deutlich genauer gemessen und erfasst werden.

Ein schweres Erdbeben mit Verletzten und starken Schäden gab es in der Region zuletzt am 13. April 1992. Damals bebte die Erde im niederländischen Roermond, nahe der deutschen Grenze, mit einer Magnitude von 5,9 auf der Richterskala. Für die niederrheinische Bucht rechnet das Fraunhofer IEG für alle 100 bis 300 Jahre mit einem Erdbeben der Stärke 5,5. Beben mit einer Stärke von 6,5 auf der Richterskala kommen sogar nur alle 1000 bis 3000 Jahre vor. (bs) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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