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Baupfusch an Kiesgrube? Razzia nach Flutkatastrophe in Erftstadt-Blessem

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Autos an der eingestürzten Kiesgrube in Erftstadt-Blessem.
Erftstadt-Blessem wurde bei der Flutkatastrophe durch die Wassermassen unterspült. © C.Hardt/FutureImage/Imago

Flutkatastrophe: Aktuell führt die Polizei eine große Razzia in NRW und Thüringen durch. Es geht um möglichen Baupfusch bei der Kiesgrube in Erftstadt-Blessem.

Köln/Erftstadt – Rund 140 Einsatzkräfte der Polizei durchsuchen aktuell mehr als 20 Wohnungen und Büros in Nordrhein-Westfalen und Thüringen. Hintergrund ist das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Köln zur Hochwasserkatastrophe in Erftstadt-Blessem im vergangenen Juli. Damals war durch die Wassermassen der Boden nahe einer Kiesgrube abgerutscht, nachdem Starkregen bei der Flutkatastrophe die Grube geflutet hatte. Infolgedessen sind mehrere Häuser im Erftstädter Ortsteil Blessem eingestürzt.

Flutkatastrophe 2021: Kiesgrube rutschte ab, Häuser stürzten ein

Die Staatsanwaltschaft in Köln leitete Ermittlungen wegen des Verdachts des fahrlässigen Herbeiführens einer Überschwemmung durch Unterlassen, der Baugefährdung sowie Verstoßes gegen das Bundesberggesetz im Zusammenhang mit der eingestürzten Kiesgrube in Erftstadt (Rhein-Erft-Kreis) ein. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft nun mitteilten, findet am Dienstag (11. Januar) im Rahmen dieser Ermittlungen eine große Razzia in NRW und Thüringen statt. Mehr als 140 Polizistinnen und Polizisten durchsuchen in beiden Bundesländern aktuell über 20 Wohnungen und Büros.

„Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen besteht der Verdacht, dass sich am Südrand des zur Ortslage Blessem gelegenen sogenannten Altbereichs der betroffenen Kiesgrube kein den behördlichen Bestimmungen entsprechender Hochwasserschutzwall und zudem unzulässig steile Böschungen befunden haben“, erklärt ein Sprecher der Polizei in Köln. Beides könnte demnach der Grund für das Eindringen der extremen Wassermassen in die Kiesgrube am 14. und 15. Juli 2021 gewesen sein. Dadurch wurde Erftstadt-Blessem unterspült, wodurch mehrere Wohnhäuser eingestürzt waren. Tote gab es nicht.

Flutkatastrophe in Erftstadt-Blessem: Schwere Vorwürfe der Staatsanwaltschaft

Ermittelt wird nun gegen den Eigentümer und Verpächter des Tagebaus in Blessem, fünf Beschuldigte der Betreibergesellschaft mit Sitz in Bergheim sowie vier Beschuldigte der Bezirksregierung Arnsberg. Die Bezirksregierung ist die nach dem Bundesberggesetz zuständige Aufsichts- und Genehmigungsbehörde für den Bereich.

Laut Polizeiangaben werden aktuell unter anderem Durchsuchungsbeschlüsse in Bergheim, Erftstadt, Köln und Dortmund vollstreckt. „Die zur Auffindung und Sicherstellung verfahrensrelevanter Unterlagen dienenden Durchsuchungsmaßnahmen erstrecken sich auch auf Räumlichkeiten – unverdächtiger – Beratungs- und Tiefbauunternehmen sowie Sachverständigen- und Vermessungsbüros“, erklärt ein Polizeisprecher. (bs/ots) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren. Der Text wird laufend aktualisiert.

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