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Geldautomat in Essen gesprengt: Täter hechtet durch offene Autoscheibe

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Von: Peter Sieben

Ein Geldautomat einer Sparkasse wurde gesprengt
In Essen haben Geldautomatensprenger zugeschlagen. Die Täter werden immer skrupelloser. (Symbolbild/Archiv) © Theo Titz/dpa

Immer öfter werden in NRW Geldautomaten gesprengt – und die Täter werden immer skrupelloser. Der jüngste Fall aus Essen wirkt wie aus einem Actionfilm.

Essen – Die Szenen werden allmählich filmreif – und immer gefährlicher: Die Zahl von Geldautomatensprengungen schießt in NRW in die Höhe und die Täter gehen immer skrupelloser vor. Diesmal passierte es in Essen-Kray. Am frühen Mittwochmorgen haben Unbekannte einen Geldautomaten der Sparkasse an der Krayer Straße in Essen gesprengt. Folgt man dem ersten Polizeibericht, flohen sie danach mit akrobatisch anmutenden Sprüngen und lieferten sich dann eine spektakuläre Verfolgungsjagd mit der Polizei. Inzwischen kursiert ein Video in den sozialen Medien, das zeigt, wie die mutmaßlichen Täter hektisch Geldscheine in Sporttaschen stopfen, als wären es wertlose Papierschnipsel.

Geldautomat in Essen gesprengt – Täter hechten durch Autofenster

Doch der Reihe nach: Anwohner hörten am Mittwochmorgen (14. Dezember) gegen 2:30 Uhr laute Explosionen. Zeugen bemerkten zudem zwei dunkel gekleidete Personen am Automaten und alarmierten die Polizei. Als die Beamten eintrafen, sahen sie, wie die beiden Männer in Richtung eines wartenden schwarzen Kombis (vermutlich ein Audi) flüchteten: Mindestens einer von ihnen hechtete durch die geöffnete Scheibe des Wagens, berichtet die Essener Polizei.

Geldautomatensprenger liefern sich in Essen Verfolgungsjagd mit der Polizei

Die Einsatzkräfte hielten neben dem Kombi und forderten den Fahrer unter vorgehaltener Dienstwaffe zum Aussteigen auf. Doch der duckte sich kurz weg und fuhr in Richtung Heinrich-Sense-Weg davon. Die Polizisten nahmen die Verfolgung auf, verloren aber an der Hubertstraße den Sichtkontakt zum „hochmotorisierten Fluchtfahrzeug“, wie es in einer Mitteilung heißt. Die Polizei fahndete auch mithilfe eines Hubschraubers intensiv nach den Tätern – doch sie konnten trotzdem flüchten. Die Kennzeichen ihres Fluchtfahrzeuges sollen nach Polizeiangaben kurz zuvor an der Heiligenhauser Straße in Höhe der Rindersberger Mühle gestohlen worden sein.

Offenbar hatten die Täter bereits zuvor erfolglos versucht, in eine andere Bank an der Colsmannstraße in Essen-Kupferdreh einzubrechen. Bei der Sparkasse in Kray gelang ihnen dann ihre Tat. Der Vorraum der Bank wurde bei der Detonation stark beschädigt.

Explosionen werden immer heftiger

Das passt zum Trend: Seit einigen Monaten werden die Explosionen an den Automaten immer heftiger. Ein Grund: Bis vor wenigen Jahren wurden vornehmlich Gasgemische zur Sprengung von Geldautomaten verwendet. Weil viele Banken mittlerweile Abwehrmechanismen installiert haben, steigen die Täter vermehrt auf feste Sprengstoffe um.

Damit nehmen sie verheerende Folgen in Kauf: „Durch die rücksichtslose Vorgehensweise der Täter, vermehrt feste Explosivstoffe einzusetzen, entstehen nicht kalkulierbare Gefahren für Leib und Leben von Unbeteiligten und erhebliche Schäden an Gebäuden“, wie der Polizeisprecher des NRW-Innenministeriums Markus Niesczery im Gespräch mit 24RHEIN erklärt.

50 Geldautomatensprengungen in den letzten Monaten

Auch die Zahl der Geldautomatensprengungen nimmt rasant zu. Allein zwischen Juli und November 2022 gab es in NRW mehr 50 Sprengungen von Geldautomaten. Dazu gehören unter anderem diese Fälle:

Polizei Essen sucht dringend Zeugen

Anwohner des Wohn- und Geschäftsgebäudes, in dem sich die Sparkassenfiliale befindet, wurden am Mittwochmorgen zum Glück nicht verletzt. Ein Video, das unter anderem bei Facebook kursiert, zeigt, wie zwei dunkel gekleidete Männer vor der Sparkasse Geld in Sporttaschen stopfen. Das Video ist mit dem E.A.V.-Song „Banküberfall“ und Schriftzügen unterlegt. Die Bilder, die zu sehen sind, sprechen dafür, dass es sich tatsächlich um die betroffene Sparkasse in Essen-Kray handelt.

Das Video liegt auch der Polizei vor, wie ein Sprecher auf Nachfrage bestätigte. Aber: „Besser wäre es, wenn Bürgerinnen und Bürger erst der Polizei solche Video zukommen lassen, bevor sie sei bei Social Media posten“, appelliert der Sprecher.

Die Polizei sucht nun dringend Zeugen. Wer Hinweise geben kann, wird gebeten, sich unter der Nummer 0201/8290 zu melden. (pen) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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