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Euskirchen: Zwischen Burgen und Talsperren

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Von: Christian Beissel

Cafes in der Innenstadt von Euskirchen. Draussen stehen Tische.
Cafes in der Innenstadt von Euskirchen © Marius Becker/dpa

Euskirchen liegt im Süden von Nordrhein-Westfalen. Zwölf Burgen und zwei Talsperren ziehen Touristen an, für Wasserratten gibt es Therme und Badewelt.

Euskirchen ist eine Stadt im Rheinland und Kreisstadt des gleichnamigen Kreises (Kreis Euskirchen). Bis zur Rhein-Metropole Köln sind es etwa 45 Kilometer, die Bundesstadt Bonn liegt nur 30 Kilometer entfernt. Die Stadt liegt im Südwesten von Nordrhein-Westfalen und hat etwa 58.500 Einwohner. Funde in der jüngeren Vergangenheit deuten darauf hin, dass etwa 3000-2000 vor Christus auf dem heutigen Stadtgebiet schon Menschen existiert haben. Stadtrechte erhielt Euskirchen bereits 1302.

Auf dem Stadtgebiet liegen die Steinbachtalsperre und die Madbachtalsperre, die in den dreißiger Jahren angelegt wurden. Damals gab es in Euskirchen eine Tuchindustrie, die ihren Wasserbedarf aus den natürlichen Quellen nicht mehr decken konnte. Heute ist der See, der im Wald liegt, ein beliebtes Naherholungsgebiet. Am See befindet sich ein Freibad mit Wasserrutsche und Sprungturmanlage. In unmittelbarer Nähe finden sich ein Kinderspielplatz, ein Beachvolleyballfeld und das Waldgasthaus Steinbach, das auf dem Gelände eine eigene Brauerei betreibt. Auf dem See selber kann man angeln, allerdings ist Bootfahren, Windsurfen oder Schwimmen nicht erlaubt.

Auf dem Stadtgebiet von Euskirchen befinden sich insgesamt zwölf Burgen, die auf der Euskirchener Burgenrunde von außen besichtigt werden können. Dazu gehören die Burg Flammersheim, die aus einer mittelalterlichen Wasserburg hervorging. Die Burg Kessenich wurde 1339 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. 1884 wurde die Burg von J.W. Arnolds gekauft, seine Nachkommen besitzen die Burg noch heute.

Basisinformationen Euskirchen

Einwohnerzahl Euskirchen58.435 (Stand 12/2020)
KreisKreis Euskirchen
RegierungsbezirkKöln
BundeslandNordrhein-Westfalen
Postleitzahl Euskirchen53879, 53881
Vorwahl Euskirchen02251, 02255
Autokennzeichen EuskirchenEU

Im Jahr 1900 wurde der Stadtwald als Parkanlage mit Wegen und Bänken umgebaut. Ein zentrales Rondell, das nach dem Dichter Friedrich Schiller benannt worden ist, wurde 1905 eingeweiht. 1907 folgte das heutige Stadtwaldrestaurant. Noch heute ist der Park ein beliebter Anlaufpunkt für sportliche Aktivitäten. Es gibt eine Tennisanlage, einen Trimmdich-Pfad und viele Jogger und Spaziergänger nutzen das Angebot.

Zweimal im Jahr findet in Euskirchen die Kirmes statt, einmal im Mai und später dann im Oktober. Entstanden ist die „Donatus-Mai-Kirmes“ vor über 200 Jahren.

Therme und Badewelt in Euskirchen lädt zur Entspannung ein

Sowohl das Hallenbad als auch das angrenzende Freibad mussten 2008 geschlossen werden. 2015 öffnete die „Thermen & Badewelt Euskirchen“, die der private Investor Josef Wund gebaut hatte. Wund hatte schon Mitte der neunziger Jahre die „Therme Erding“ in der Nähe von München gebaut, später das „Badeparadies Schwarzwald“. 2017 kam er bei einem Flugzeugabsturz in Oberschwaben ums Leben.

Wie überall im Rheinland spielt auch in Euskirchen der Karneval eine Rolle und es gibt auch einen Rosenmontagszug. Es gibt vier große traditionelle Karnevalsgesellschaften: Prinzengarde Euskirchen 1938 e.V, Narrenzunft 1949 e.V, Alt Oeskerche 1953 e.V. und KG Erfttal 1958 e.V. Wechselweise stellt eine von ihnen den Prinzen, da es in der jüngeren Vergangenheit schwieriger war, geeignete Prinzen zu finden, sind inzwischen auch Prinzessinnen oder weibliche Dreigestirn erlaubt.

Euskirchen: Verkehrsanbindung

Euskirchen ist mit dem Auto sehr gut zu erreichen, denn durch den Kreis führt die Autobahn A1, die etwas weiter nördlich am Kreuz Bliesheim die Autobahn A61 kreuzt. Über die Bundesstraße B56 ist Euskirchen mit Bonn verbunden. In die andere Richtung kommt man nach Zülpich und Düren. Um Euskirchen herum führt eine Ringstraße, die bereits 1904 geplant worden war. Allerdings wurde sie erst 2003 vollständig geschlossen, also knapp 100 Jahre später.

Vom Bahnhof Euskirchen aus kann man die Eifelstrecke nutzen, die von Köln über Euskirchen und Gerolstein bis Trier führt. Die Erfttalbahn führt nach Bad Münstereifel und die Bördebahn nach Düren. Weiterhin hält der Regionalexpress RE12 auf dem Weg nach Köln oder Trier. Die Eifel-Bahn RB24 führt nach Köln oder in die andere Richtung nach Kall. Die S23 verbindet in Nachfolge der Voreifel-Bahn Euskirchen über Rheinbach und Meckenheim mit dem Hauptbahnhof Bonn.

Überblick Bahnverbindnungen von und nach Euskirchen

Der Flughafen Köln/Bonn ist etwa 50 km entfernt, zum Flughafen Düsseldorf sind es fast 100.

In Euskirchen gibt es viele Arbeitsplätze so dass auch viele der 190.000 Einwohner aus dem Umland hier arbeiten. Seit 1879 gibt es eine Zuckerfabrik. Die Bundeswehr unterhält in Euskirchen einen Standort mit etwa 1800 Personen. Es ist der viertgrößte Standort der Bundeswehr Nordrhein-Westfalen. Die Bigband der Bundeswehr ist hier beheimatet, genauso wie das Zentrum für Cyber-Sicherheit der Bundeswehr.

Amoklauf im Amtsgericht brachte Euskirchen in die Schlagzeilen

In einer Nebenstelle des Amtsgerichtes Euskirchen kam es 1994 zu einem Amoklauf und einem Bombenanschlag, bei dem ein 39-jähriger Mann sechs Menschen und sich selbst tötete. Kurz zuvor war sein Einspruch gegen eine Geldstrafe wegen Körperverletzung in Höhe von 7200 DM vom Gericht abgewiesen worden, er kam dann mit einer Pistole zurück, erschoss unbeteiligte Zuschauer, seine Ex-Freundin und zündete anschließend eine Bombe, durch die der Richter, zwei Rechtsanwälte und der Attentäter selbst getötet wurden. An den Gerichten wurden in Folge die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Im gleichen Jahr wurde der Amoklauf als Dokumentardrama mit Christoph Walz in der Hauptrolle verfilmt, RTL strahlte den Film im Oktober 1994 aus.

Mitglied der „Weißen Rose“ wurde in Euskirchen geboren

Aus Euskirchen stammen auch einige bekannte Personen. Der langjährige FIFA-Fußball-Schiedsrichter Walter Eschweiler wurde zwar in Bonn geboren, lebt aber nach wie vor in Euskirchen. Ein Mitglied der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, Willi Graf, wurde 1918 im Stadtteil Kuchenheim geboren. Nachdem er zusammen mit den Geschwistern Scholl im Februar 1943 verhaftet worden war, wurde er im Oktober des gleichen Jahres hingerichtet. (cb)

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