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Explosion im Chempark Leverkusen: „Vermisste nicht mehr lebend finden“

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Von: Benjamin Stroka

Eine Rauchwolke über dem Chempark Leverkusen.
Am Dienstagmorgen (27. Juli) kam es im Chempark Leverkusen zu einer schweren Explosion. © Oliver Berg/dpa

Nach der schweren Explosion im Chempark Leverkusen bleiben immer noch viele Fragen offen. Für die Vermissten bestehe laut dem Currenta-Chef „keine Hoffnung mehr“.

Leverkusen – Sichtbar betroffen und teilweise nach Worten ringend sitzt Frank Hyldmar, CEO der Firma Currenta, am Mittwochnachmittag bei einer Pressekonferenz in Leverkusen. Nach der schweren Explosion im Chempark Leverkusen am Dienstag, bei der mindestens fünf Menschen ums Leben kamen und 31 verletzt wurden, ist die Situation Tage später noch in vielen Bereichen unklar.

Chempark Leverkusen: „Keine Hoffnung mehr für Vermisste“

„Ein schwerer und trauriger Tag liegt hinter uns. Zwei Kollegen sind gestorben“, sagte Hyldmar in der PK. Eines der Opfer war ein Mitarbeiter der Betreiberfirma Currenta. Beim zweiten Todesopfer handelt es sich um einen Mitarbeiter einer externen Firma. Am Donnerstag wurden dann noch drei weitere Vermisste tot in den Trümmern gefunden, deren Alter von der Polizei aber noch nicht bekannt gegeben wurde. Damit bleiben nur noch zwei Vermisste übrig.

Bereits zuvor hatte Hyldmar mit dem Schlimmsten gerechnet. „Wir müssen davon ausgehen, dass wir die fünf Vermissten nicht mehr lebend finden“, sagte er am Mittwoch. Unter den Vermissten seien vier Currenta-Mitarbeiter und ein weiterer aus einer externen Firma. „Wir haben keine Hoffnung mehr“, so der Currenta-CEO. Es sei noch nicht offiziell bestätigt, „aber ich möchte den Familien und Angehörigen mein Beileid aussprechen. Unsere Gedanken sind bei ihnen“. Die Suche laufe weiterhin. Stephan Hummel, Leiter der Betriebsfeuerwehr berichtete, dass dafür inzwischen auch Drohnen aus der Luft eingesetzt werden.

Die Zahl der Verletzten liegt weiterhin bei 31. Eine Person wurde schwer verletzt und wird im Krankenhaus behandelt. „Es ist eine schwere Belastung für uns alle. Ich möchte den Rettungskräften und den Kollegen der anderen Firmen meinen Dank aussprechen. Sie haben sich unermüdlich an der Unfallstelle eingesetzt“, betonte Hyldmar.

Explosion im Chempark Leverkusen: Immer noch Vorsicht vor Rußpartikeln

Die Luft in den betroffenen Gebieten in Leverkusen, besonders im Stadtteil Bürrig, werde regelmäßig kontrolliert. Man führe nach wie vor Tests durch, habe aber bislang keine Belastungen entdecken können. Auch die Unfallursache ist noch vollkommen unklar. „Weitere Informationen können wir derzeit nicht geben. Es ist riskant, den Unfallort zu betreten. Sobald wir mehr Informationen haben, werden wir diese mitteilen. Als Currenta arbeiten wir direkt mit den Behörden zusammen und bemühen uns um schnellstmögliche Aufklärung“, betonte Hyldmar.

Was die Rußpartikel angeht, die in einigen Gebieten in Leverkusen nach dem Brand niedergeregnet sind, stehen die Analysen des Landesumweltamtes (Lanuv) ebenfalls noch aus. Currenta und die Stadt Leverkusen warnen aber weiterhin, diese Partikel mit großer Vorsicht zu behandeln. Von den Rußniederschlägen gehe keine Gefahr aus, „solange sie nicht mit der Haut in Kontakt kommen“, erklärte Currenta-Geschäftsführer Hans Gennen. Man solle weiterhin kein Obst oder Gemüse aus dem Garten essen und mit Schuhen nicht ins Haus gehen.

Chempark Leverkusen: Feuerwehr sperrt zur Sicherheit Spielplätze

Sichtlich niedergeschlagen wirkte auch Hermann Greven, Leiter der Feuerwehr Leverkusen. „Dieser Einsatz hat auch uns bei der Berufsfeuerwehr die Schuhe ausgezogen. Das wird nicht spurlos an uns vorbeigehen“, sagte Greven. Auch er äußerte sich noch zu den Rußpartikeln. Wenn die Regeln eingehalten werden, sei man „relativ sicher“, aber trotzdem habe die Feuerwehr vorsorglich die Spielplätze in den betroffenen Stadtteilen gesperrt. „Wir warten jetzt auf weitere Ergebnisse vom Lanuv“.

In den Fässern im Tanklager soll laut Angaben von Currenta-Geschäftsführer Gennen unter anderem organisches Wasser, aber auch chlorierte Lösungsmittel gebrannt haben. Das Lanuv teilte am Mittwoch mit, dass dadurch wohl Dioxin,- PCB- und Furanverbindungen freigesetzt und in die umliegenden Wohngebiete getragen worden seien. In welcher Konzentration sei derzeit noch unklar und werde weiter untersucht, was allerdings ziemlich aufwendig sei.

Die Explosion ereignete sich am Dienstagmorgen um 9:42 Uhr in einem Entsorgungszentrum im Chempark Leverkusen. Die Rauchwolke zog sogar bis ins Ruhrgebiet, auch in Solingen gab es am Dienstag mehrere Warnungen, Fenster und Türen geschlossen zu halten. (bs)

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Dieser Text ist am 29. Juli um 16:20 Uhr inhaltlich aktualisiert. Neuerung: Zahl der Toten und Vermissten angepasst.

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