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Explosion im Chempark Leverkusen – Ermittlungsverfahren gegen drei Currenta-Beschäftige

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Eine große Rauchwolke zieht nach der Explosion über den Chempark Leverkusen.
Nach der Explosion im Chempark Leverkusen startet nun ein Ermittlungsverfahren gegen drei Beschäftigte (Symbolbild) © Oliver Berg/dpa

Gegen drei Currenta-Beschäftige wurde von der Staatsanwaltschaft Köln ein Ermittlungsverfahren wegen der Explosion im Chempark Leverkusen eingeleitet.

Köln – Knapp drei Monate sind seit der schweren Explosion im Chempark Leverkusen vergangen. Nun wurde gegen drei Currenta-Beschäftigte ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Es gehe um den Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion, teilte die Staatsanwaltschaft Köln am Dienstag (19. Oktober) mit. Die drei Beschuldigten werden verdächtigt, ihre Sorgfaltspflichten im Zusammenhang mit der Lagerung und Behandlung des Abfalls verletzt zu haben.

Chempark Leverkusen: Ermittlungsverfahren gegen drei Beschäftige – Wohnungen durchsucht

Aufgrund der Ermittlungen sind heute die Wohnungen der drei Beschuldigten und eines weiteren Mitarbeiters durchsucht worden, so die Staatsanwaltschaft weiter. „Zudem hat die Polizei heute Geschäfts- und Betriebsräume von Currenta aufgesucht“, erklärt Currenta am Dienstagmittag. Die Firma habe daraufhin die von den Ermittlungsbehörden benötigten Unterlagen freiwillig herausgegeben, so die Staatsanwaltschaft. Insgesamt seien Datenträger, Mobiltelefone und schriftliche Unterlagen sichergestellt worden.

Den Beschuldigten werde nun zunächst rechtliches Gehör gewährt, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Dabei werde sich zeigen, ob sie sich zum Tatvorwurf äußern wollten. Zudem würden Zeugen gehört und die sichergestellten Unterlagen ausgewertet. Außerdem müsse das bisher vorläufige Sachverständigengutachten endgültig abgefasst werden. Anschließend müsse sich zeigen, ob es zur Anklageerhebung kommen werde.

Ermittlungsverfahren bei Chempark Leverkusen – Currenta: „Keine Vorverurteilung“

„Currenta hat großes Interesse daran, dass die Ursachen des tragischen Explosionsunglücks vom 27. Juli 2021 vollumfänglich aufgeklärt werden. Bei der Untersuchung des Unglücks arbeitet das Unternehmen eng mit den Ermittlungsbehörden und den anderen Fachbehörden zusammen. Dies wird auch weiterhin der Fall sein“, so das Unternehmen weiter.

Man stehe jedoch zu seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Bis zum Abschluss des Verfahrens darf es zu keiner Vorverurteilung unserer Kolleg*innen kommen“, betont Currenta-Geschäftsführer und Arbeitsdirektor Wolfgang Homey. Es gelte auch in diesem Fall die Unschuldsvermutung. „Currenta bittet deshalb nachdrücklich, dies zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte der betroffenen Personen und zur Sicherstellung eines objektiven staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens zu respektieren.“

Die Klärung der Unfallursache wird laut Currenta noch einige Zeit in Anspruch nehmen. „Der Unfall wird so umfassend wie möglich untersucht. Daraus ziehen wir die notwendigen Konsequenzen für den zukünftigen sicheren Betrieb der Sonderabfallverbrennungsanlage in Bürrig“, so Homey weiter.

Chempark Leverkusen: Zwischenbericht soll Klarheit bringen

Auch erste Zwischenberichte sollen Licht ins Dunkeln bringen und zeigen, wieso es zu der Explosion kommen konnte. „Sie sind ein wichtiger Teil der Aufklärung durch die Ermittlungs- und Aufsichtsbehörden, die wir vollumfänglich unterstützen werden“, so Currenta-Geschäftsführer Hans Gennen Ende August.

Den Staatsanwaltschafts-Angaben zufolge besteht der Verdacht, dass der in einem Tank aufbewahrte Abfall über der zulässigen Selbsterwärmungstemperatur gelagert worden war. Nach vorläufiger Bewertung eines Sachverständigen könne es dadurch zu einer Erwärmung gekommen sein, die zu einem exponentiellen Temperatur- und Druckanstieg geführt habe. Dadurch sei der Tank schließlich explodiert. Als Folge der Explosion hätten sich möglicherweise restliche Abfallflüssigkeiten und zuvor in den Tank eingeleitetes Heizöl mit Luft vermischt. Dies habe schließlich zum Brand geführt.

Chempark Leverkusen: Sieben Menschen sterben bei der Explosion

Bei dem Unglück in Leverkusen waren sieben Menschen ums Leben gekommen. 31 Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Nur kurze Zeit später hatte die Staatsanwaltschaft Köln ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und fahrlässiges Herbeiführen einer Explosion eingeleitet – damals noch gegen unbekannt. (dpa/lnw) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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