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Flut in Erftstadt: Bürger äußern bei Infoveranstaltung Kritik – „Wollen Sie da wohnen?“

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Menschen sitzen in Stuhlreihen bei der Infoveranstaltung zum Hochwasser in Erftstadt.
Bodo Lehmann (4. v.l.) von der DTM Group zeigt während einer Infoveranstaltung für die Bürger aus Erftstadt-Blessem ein Monitoringsystem, das Veränderungen des Bodens anzeigt. © Marius Becker/dpa

Bei einer Informationsveranstaltung zum Hochwasser in Erftstadt äußerten einige Bürger Kritik und Zweifel, ob es überhaupt noch sicher sei, dort zu wohnen.

Erftstadt – In dem vom Hochwasser stark betroffenen Erftstadt im Rhein-Erft-Kreis können einige Bewohner des Stadtteils Blessem auch mehr als zwei Wochen nach der Katastrophe nicht zu ihren Häusern zurück. Das bestätigte Roland Strauß vom Geologischen Dienst Nordrhein-Westfalen bei einer Infoveranstaltung der Stadt am Donnerstagabend. Häuser in der Radmacherstraße in der Nähe der Kiesgrube befinden sich demnach noch im Sperrgebiet - unterteilt in einen komplett gesperrten roten Bereich und einen gelben Bereich, der nur zeitlich begrenzt und mit Genehmigung betreten werden darf.

Erftstadt: Sperrzone besteht nach Hochwasser weiter – einige Häuser mussten abgerissen werden

„Anfang nächster Woche können wir vermutlich einen Großteil der Häuser in der gelben Zone in die weiße Zone schieben“, sagte Strauß. Die weiße Zone markiert den Bereich außerhalb des Sperrgebiets. Einige Häuser im roten Bereich sind hingegen nicht mehr zu retten. „Einige mussten abgerissen werden“, sagte Strauß. Die Lage in der Zone werde täglich neu bewertet. An der Abbruchkante seien aktuell „keine signifikanten Bodenverformungen“ mehr gemessen worden.

Häuser in Erftstadt-Blessem wurden durch das Unwetter zerstört.
Das Hochwasser hat in Erftstadt einen Erdrutsch verursacht. Mehrere Häuser wurden zerstört. © David Young/dpa

Flutkatastrophe Erftstadt: Bürger äußern Kritik und Zweifel bei Informationsverantstaltung

Viele Anwohner der Radmacherstraße machten ihren Sorgen und ihrem Ärger am Donnerstagabend Luft. „Wer möchte denn da noch wohnen?“, fragte ein Mann, dessen Haus in der gelben Zone steht, in Richtung der Bürgermeisterin Carolin Weitzel (CDU). „Da kann man sich doch nicht mehr sicher fühlen. Wollen Sie da wohnen?“ Die Bürgerinnen und Bürger äußerten zudem Zweifel an der Sicherheit der Kiesgrube und kritisierten die Kommunikation der Stadt. „Ich telefoniere den ganzen Tag“, sagte eine Anwohnerin. „Ich habe keinen direkten Ansprechpartner.“

Hochwasser Erftstadt: 1600 Anträge zur Soforthilfe eingegangen

Währenddessen sind nach Angaben der Stadt bereits 1600 Anträge zur Soforthilfe in Erftstadt eingegangen, 1300 davon seien bearbeitet worden. Demnach seien bisher 3,3 Millionen Euro ausgezahlt worden. Über die Verteilung der eingegangenen Spenden werde derzeit beraten. Ein Konzept dazu soll laut Bürgermeisterin Weitzel in der nächsten Ratssitzung am 24. August besprochen werden.

Ein Erdrutsch hatte in Erftstadt-Blessem bei Hochwasserkatastrophe vor zwei Wochen einige Gebäude mitgerissen. Menschliche Todesopfer gab es im Rhein-Erft-Kreis zum Glück zwar keine, jedoch kamen einige Tiere ums Leben. Darunter auch Schafe, Gänse und Rehe eines Streichelzoos.

Einige betroffene Bewohner im Stadtteil Blessem konnten in den vergangenen Tagen kurz in ihre Wohnungen. Direkt an der Abrisskante ist das aber noch zu gefährlich. (nb mit dpa/lnw)

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