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Flut-Katastrophe nahm ihnen alles – jetzt lebt Paar aus dem Ahrtal in Tiny House

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Von: Nina Büchs

Tiny Houses werden als Notunterkunft für Flutopfer aufgestellt.
Die Flut hat in NRW und in Rheinland-Pfalz zahlreiche Häuser zerstört. Die Bewohner sind nun übergangsweise in Tiny Houses untergebracht. (Symbolbild) © Thomas Frey/dpa

Nachdem die Flut ihr Haus an der Ahr zerstört hat, haben einige Menschen im Ahrtal eine neue Bleibe gefunden – in einem Tiny House.

Grafschaft/Bad Neuenahr-Arweiler – Im Juli 2021 brach über die Warlichs eine Katastrophe herein. Das Haus des Ehepaars in Bad Neuenahr-Ahrweiler stand direkt an der Ahr, als plötzlich die Flut kam und ihr Hab und Gut von einer Sekunde auf die andere zerstörte. Bis ihr Zuhause repariert ist, wird es noch mehrere Monate dauern. Übergangsweise sind die Eheleute nun in ein Tiny House aus Holz umgezogen. Hier wohnen sie auf gerade mal 30 Quadratmetern – und fühlen sich sehr wohl.

Nach Flut: Ehepaar aus Ahrtal zieht in Tinyhouse – „hier können wir zur Ruhe kommen“

Wie lebt es sich in dem Tiny House in der Gemeinde Grafschaft (Rheinland-Pfalz)? Das kleine beschauliche Heim verfügt über zwei Schlafzimmer, ein Duschbad, einen Koch-, Ess- und Wohnbereich und eine Terrasse. „Alles war da. Teller, Besteck, Süßigkeiten. Uns fehlt es an nichts,“ sagt Ursula Warlich in einem Interview mit dem SWR.

„Wir sind unglaublich glücklich, hier sein zu dürfen. Nach der Flutkatastrophe so ein Zuhause zu haben, wo man alleine ist, wo man alles hat.“

Ursula Warlich

Um es dennoch ein bisschen heimischer in ihrem neuen Haus zu machen, haben die Warlichs noch ein Familienfoto an die Wand gehängt und einen bunten Teppich ins Wohnzimmer gelegt. Auch ein gemütlicher Sessel soll noch herbeigeschafft werden – dann ist das neue Heim perfekt. „Wir fühlen uns wohl hier im Tiny House. Hier können wir zur Ruhe kommen“, sagt Ursula Wahrlich.

„Tiny House Movement“ aus der USA

„Tiny House“ bedeutet winziges Haus – der Begriff hat seinen Ursprung in der USA. Dahinter steckt das „Tiny House Movement“, das mit diesem Lebensstil für Umweltbewusstsein eintritt und Personen mit geringem Einkommen anspricht. Die Häuser verfügen meist über eine Nutzfläche zwischen 15 und 45 Quadratmetern.

Flutkatastrophe: Ehepaar aus Ahrtal wohnt nun im Tiny House – aber nur zum Übergang

„Das Wasser schoss vorne rein und hinten wieder raus“,

Ursula Warlich über die Flutkatastrophe

Sobald ihr altes Haus an der Ahr saniert ist, wollen die Eheleute jedoch dorthin zurückkehren. Bis das Gebäude wieder in einem bewohnbaren Zustand ist, muss aber viel getan werden. Denn das Untergeschoss wurde bei der Flut komplett unter Wasser gesetzt. „Das Wasser schoss vorne rein und hinten wieder raus“, so Ursula Wahrlich. Möbel wurden zerstört oder weggespült, ebenso wie wichtige Dokumente, Fotos und Erinnerungsstücke, erzählt das Ehepaar.

Flutkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz: Zahlen, Daten, Fakten

Die Flutkatastrophe in NRW ereignete sich Mitte Juli 2021. In den Bundesländern NRW und Rheinland-Pfalz sind rund 190 Menschen dabei ums Leben gekommen, 49 von ihnen in NRW. Es vielen zeitweise innerhalb von 24 Stunden 100 bis 150 Liter Regen pro Quadratmeter. Zahlreiche Häuser, Bahnstrecken oder Straßen wurden zerstört. Ein Untersuchungsausschuss wurde damit beauftragt, die Hochwasser-Katastrophe aufzuarbeiten, auch der Wetter-Experte Jörg Kachelmann sagte aus. Im Frühjahr 2022 soll dem Landtag dazu ein öffentlicher Bericht über die gewonnenen Erkenntnisse vorgelegt werden.

Im kommenden Jahr werden sie hoffentlich wieder in ihr altes Leben zurückkehren und Weihnachten in ihrem gewohnten Zuhause feiern können. Bis dahin dient das Tiny House als Übergangslösung – und mit einem Weihnachtsbaum auf der Terrasse haben die Wahrlichs wohl das Beste aus ihrem diesjährigen Weihnachten gemacht. (nb) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren

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