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Keine Lichterfahrt im Ahrtal mehr: Sicherheitsbedenken und „wenig Feedback“

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Von: Maximilian Gang

2021 sorgten rund 1500 weihnachtlich beleuchtete Traktoren für einen emotionalen Moment im Flutgebiet im Ahrtal. Eine Neuauflage wird es trotzdem nicht geben.

Köln – Tausende Lichter hatten im vergangenen Jahr das Ahrtal in den Abendstunden in hellem Licht erstrahlen lassen. Das Motto der bundesweiten Fahrten spiegelten dabei ihren Symbolcharakter wider: „Ein Funken Hoffnung“. Gerade im Ahrtal war das passend, nachdem die Flut im vorherigen Sommer mindestens 134 Menschen das Leben gekostet und die örtliche Infrastruktur zerstört hatte. In diesem Jahr wird allerdings dennoch keine Neuauflage des Umzugs im Flutgebiet in Nordrhein-Westfalen stattfinden – obwohl die Planungen bereits auf Hochtouren liefen. Die Gründe:

„Ein Funken Hoffnung“ im Ahrtal: Örtliche Veranstalter gegen Lichterfahrt

Ein Faktor, der nun zur Zerschlagung der Pläne geführt hatte, war laut Schmitz der fehlende Rückhalt bei den Verantwortlichen und Vereinen im Ahrtal. „Da kam wenig Feedback“, so Schmitz. Und auch klare Gegner habe es im Flutgebiet gegeben. Die Veranstalter eines kleinen Nikolaus-Marktes hätten beispielsweise gesagt: „Wir wollen nicht, dass die Traktoren kommen“.

Ein Funken Hoffnung: Geschmückte Traktoren fahren im Rahmen einer Lichterfahrt durch viele Regionen in Deutschland, wie hier in Magdeburg
Einmal im Jahr fahren geschmückte Traktoren durch viele Regionen in Deutschland, wie hier in Magdeburg. © Thomas Schulz/dpa

Der letztjährige Teilnehmer Markus Wipperfürth kann die Bedenken verstehen. Denn ein Zug mit rund 1500 Traktoren hat enorme Auswirkungen. „Dann ist das schon eine Zeit, die man braucht. Und der Zug letztes Jahr im Ahrtal hatte auch gestockt“, so Wipperfürth. Wenn nun der Fokus von lang angemeldeten Veranstaltungen im Ahrtal dadurch beeinflusst würden, könne er es durchaus nachvollziehen, dass es dort Bedenken gibt. Auch Mitorganisator Albert Schmitz will sich nach den Bewohnern richten: „Wir wollen als Außenstehende dem Ahrtal nichts aufzwingen.“

Kreisverwaltung Ahrweiler nimmt Anmelder politischen Anspruch nicht ab

Und wie so oft stellt die Bürokratie ein weiteres Hindernis in der Planung der Lichterfahrt dar: Die Kreisverwaltung habe sich nicht auf eine Genehmigung nach dem Versammlungsgesetz mit politischer Meinungsäußerung eingelassen. Stattdessen sei – wie im vergangenen Jahr – auf eine Ausnahmegenehmigung nach der Straßenverkehrsordnung (StVO) gepocht worden. Es sei Ihnen jedoch tatsächlich auch um eine politische Forderung gegangen, nämlich die Förderung regionaler Agrarprodukte, wie Schmitz erklärt. Deshalb beinhaltete das Motto der Fahrt im Antrag den Zusatz „ohne Bauern geht es nicht!“.

Die Kreisverwaltung erklärt dazu: „Aufgrund der Rahmenbedingungen der angezeigten Veranstaltung ist eine Ausnahmegenehmigung [...] erforderlich. Dies wurde dem Anmelder entsprechend mitgeteilt“. Zudem seien auch gemeinsame Gespräche angeboten worden. In diesem Jahr wolle der Anmelder jedoch keine solche Genehmigung einholen, und begründet das mit dem höheren Aufwand: „Zum Beispiel müssten alle vorher ihre Fahrzeugscheine präsentieren – und wenn spontan weitere Traktorfahrer hinzukämen, wäre es schwierig“, so Schmitz.

Lichterfahrt im Ahrtal: Verwaltung sieht Sicherheitsbedenken

Die Kreisverwaltung sieht hingegen mit Blick auf die Teilnehmerzahlen im letzten Jahr auch Sicherheitsbedenken: „Bei einem möglichen Rettungseinsatz oder dergleichen wäre damals ein Durchkommen der Rettungskräfte nicht möglich gewesen. Zum Glück kam es in diesem Zeitraum zu keinem Notfall“. Zudem nehmen sie dem Anmelder die politische Forderung nicht ab, denn zuvor sei der Antrag am 3. November bereits ohne den Zusatz eingereicht worden. „Durch die Vorgehensweise des Anmelders wird deutlich, dass hier die Regelungen der StVO bewusst umgangen werden sollen“, so die Kreisverwaltung in einer Stellungnahme.

Generell stehe die Verwaltung „einer Veranstaltung für die Menschen im Ahrtal positiv gegenüber“. Es habe dem Anmelder zudem freigestanden, einen Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung zu stellen, wie die Verwaltung schreibt. So hätte sichergestellt werden können, dass die für die Sicherheit notwendigen Bedingungen in das Vorhaben miteinbezogen werden. Dieser sei jedoch nicht gestellt worden.

Weiterhin befinden sich noch viele Bereiche im Flutgebiet im Wiederaufbau. Die gemachten Versprechungen sind nach Aussage von Bewohnern nicht vollständig umgesetzt worden. (mg) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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